Fleckebyerin in Ghana : Musiker ohne Grenzen

Verschiedene Instrumente werden in Accra unterrichtet.
1 von 3
Verschiedene Instrumente werden in Accra unterrichtet.

Luise Backsen aus Fleckeby ist seit November in Ghana Hauptstadt Accra und gibt Schülern Musikunterricht

von
09. Februar 2018, 06:59 Uhr

Im November ist Luise Backsen nach ihrem Abitur an der A.P. Møller Skolen Schleswig nach Ghana geflogen. Im Gepäck hatte die 21 Jahre alte Fleckebyerin ihre Querflöte und ihr Cello. Luise Backsen arbeitet für ein halbes Jahr als Freiwillige für die Organisation „Musiker ohne Grenzen“. Gemeinsam mit anderen Teilnehmern dieses Projektes gibt sie dort Kindern und Jugendlichen Musikunterricht. In der Eckernförder Zeitung schreibt die junge Frau über ihre Erfahrungen in der Zwei-Millionen-Stadt.

Klassische Musik in Ghana? Klingt abwegig? Ist es aber nicht. Das sieht man an den sechs Freiwilligen vom Verein Musiker ohne Grenzen, die hier in der Hauptstadt Accra Kindern das große Universum dieser Musik näher bringen.

Unsere Hauptaufgabe besteht darin, den Kindern Musikunterricht und Instrumentalunterricht zu geben, der in verschiedenen Stadtteilen Accras stattfindet. Am längsten dabei ist das „Kinder Paradise“, ein Heim, das von Silke Roesner gegründet wurde. Momentan werden dort 17 Schüler in Geige, Cello, Querflöte, Blockflöte und Gitarre von uns unterrichtet. In der Schule bekommen die beiden Kindergartenklassen und die erste bis dritte Klasse, ebenso wie die sechste Musikunterricht von den Freiwilligen. Dort arbeiten wir eng zusammen mit einer Musikschule, deren Lehrer die Orchesterleitung und den Klavierunterricht übernehmen.

In einem der ärmsten Stadtteile unterrichten wir an zwei Schulen, der Anani-Memorial-International-School, einer Grundschule, und der weiterführenden Bethany-School. Nachmittags werden die Kinder, die Interesse haben, zur Bibliothek in Nima gebracht, wo wir und drei Lehrer aus dem „National Symphony Orchestra of Ghana“(N.S.O.) ihnen beibringen, ein Instrument zu spielen und einmal in der Woche gibt es eine Chorprobe, bei der alle unsere Grundschüler dabei sind. Da die Kinder Französisch lernen, haben wir im Chor mit ihnen Lieder aus dem Film „Die Kinder des Monsieur Mathieu“ gesungen.

In Teshie, wo wir wohnen, geben wir Kindern der Nachbarschaft auch Unterricht auf verschiedenen Instrumenten und helfen in einem Schüler-Orchester in der Nähe aus. Ab und zu spielen wir auch bei den Konzerten des N.S.O. mit. In den Orchestern standen die Weihnachtskonzerte an, wo Stücke wie Händels „Hallelujah“, Air von Bach, Beethovens Schicksalsymphonie oder „Nessun Dorma“ von Puccini auf dem Programm standen.

In den Klassen bringen wir den Kindern die Prinzipien der klassischen Musik nahe und verbinden sie mit moderner und landesüblicher Musik. So lernen die Kinder Noten lesen, Rhythmen schreiben und wie Instrumente aussehen und klingen aber auch Klatsch- und Trommelspiele oder traditionellen Gesang. In der letzten Stunde vor den Weihnachtsferien haben wir die eine Hälfte der Klasse einen traditionellen ghanaischen Rhythmus trommeln lassen, während die andere Hälfte „Herbei Oh Ihr Gläubigen“ auf Englisch gesungen hat. Mit einer weiteren Klasse haben wir als Weihnachtsabschluss den Cup-Song aufgeführt, der vor einiger Zeit überall ein großer Hit war, weil man nicht nur singt, sondern nebenbei einen Rhythmus mit Händen und Bechern auf einen Tisch klopft.

Instrumental-Unterricht bedeutet auch für uns viel Abwechslung, weil von Anfängern bis sehr guten Fortgeschrittenen alles dabei ist, und auch das Alter variiert von fünf bis 20 Jahren. Manchmal hat man die Aufgabe, spielerisch musikalische Früherziehung zu machen und mit anderen Schülern werden Konzerte von Mozart einstudiert. Auch der Sommerhit „Despasito“ oder die Titelmelodie von „Game of Thrones“ werden auf Wunsch eingeübt.

Gerade das vielfältige Spektrum an Aufgaben und die Erweiterung des Musikhorizontes machen „Musiker ohne Grenzen“ zu einem einzigartigen Erlebnis. Leider haben wir hier ab April keine Freiwilligen mehr. Wenn Sie Menschen kennen, die Interesse an einem musikalischem Freiwilligendienst haben, erzählen Sie ihnen von uns.

zur Startseite
Karte

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen