SHMF-Konzert in Altenhof : Musikalisches Feuerwerk

Heißblütig: Laure Favre, Nemanja Radulovic, Ksenija Sidorova und Klarinettisten Andreas Ottensamer.
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Heißblütig: Laure Favre, Nemanja Radulovic, Ksenija Sidorova und Klarinettisten Andreas Ottensamer.

„Heißblütig“ – Quartett begeistert mit temperamentvollem Auftritt im Altenhofer Kuhhaus

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07. August 2018, 06:18 Uhr

Altenhof | Was für eine hochsommerliche Atmosphäre: Draußen abendliche Wärme, drinnen im Kuhhaus eine Musik, die vor Hitze und Temperament nur so glühte. Das Schleswig- Holsteinische Musik Festival ( SHMF) hatte sich für diesen Abend Piazolla, Ravel, Bartók und Khatchaturian ins Programm gesetzt, um nur einige der heißblütigen Komponisten zu nennen, die für Rasanz und Wirbel sorgten. Zumeist mit ungeheuerlichen, instrumental-akrobatischen Geschwindigkeiten und mit mitreißendem Schwung wurde eine Spannung aufgebaut, die wohl den Konzertsaal völlig beherrschte.

Der Abend stand unter dem Motto „Heißblütig“. Wer nun weiß, dass der serbische Geiger Nemanja Radulovic und die französische Pianistin Laure Favre-Kahn bereits im vorigen SHMF-Sommer Begeisterungsstürme entfachten, sich dazu nun die Akkordeonistin Ksenija Sidorova und der experimentierfreudige Klarinettist Andreas Ottensamer gesellten, der durfte gespannt sein. Was würden diese vier jungen, international hoch gerühmten Künstler auf die Bühne bringen? Mitreißend, heißblütig, lodernd und Funken sprühend – ein musikalisches Feuerwerk gab‘s.

Mit Ottensamers launigem Hinweis, diese Musik sei so kräftezehrend, dass man sich zwischendurch mal kurz abkühlen wollte, spielten sie mal zu zweit oder zu dritt oder alle. Das allerdings so, dass man vor empfundener Hitze ab und an das Atmen vergaß. Nicht die gemäßigten Temperaturen unterm hohen Scheunendach verursachten solche angefachten Momente. Es war zum Beispiel Astor Piazolla, in dessen ausgewählten Parts der „Histoire du Tango“ von Café und Bordell zu hören war, klanglich so deutlich bebildert, da war nicht nur der Kaffee im Café heiß. Und bei Béla Bartóks Tänzen aus Siebenbürgen, baltisch, ungarisch, hinreißend – da wurde einem schon beim Zuhören und- schauen oberheiß.

Mit irrwitzigen Geschwindigkeiten feierten die vier angezündeten jungen Künstler alles ab, was die überschießende Freude, hemmungslose Ausgelassenheit und die endlose Kraft der jungen Jahre ausmacht. Sie lachten dabei und strahlten sich an und genossen ihre eigene Musik, das Zusammenspiel, die Jonglage mit Feuer und Flamme. Zwei beschwingte Solowalzer von Chopin, spitzenfein, voller Liebe und Esprit, kühlten ein wenig ab, gefolgt von Debussy, der in bekannter Weise impressionistische (Klang-) Bilder malte.

Auch der zweite Teil war wieder von Volksmusik inspiriert: Usbekisches bei Khatchaturian und „Tzigane“ bei Ravel mit dem Geigenspiel der Sinti und Roma. Radulovic mit „Flageoletttönen, Trillern,… Doppelgriffen, Oktavenspiel, Passagen in hohen Lagen auf tiefen Saiten“ (Schadendorf) war virtuos. Und weil sich alle so freuten, gab es generös Zugaben. Nach dem „Säbeltanz“ war es dann draußen vergleichsweise kühl.

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