Lange Nacht der Musik : Musikalischer Ausnahmezustand

Einfach mitreißend: La Bomba, Peggy Sunday, Amed Soto Canizaris und Juan Iriseto (v. li.).
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Einfach mitreißend: La Bomba, Peggy Sunday, Amed Soto Canizaris und Juan Iriseto (v. li.).

Abschluss der Reihe „Lange Nächte im November“ mit 13 Konzerten: Die Veranstaltungen waren teilweise geradezu überlaufen.

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27. November 2017, 06:00 Uhr

Eckernförde | Mit dem viel sagenden Motto „Musik“ schloss am Sonnabend die diesjährige Serie von vier „Langen Nächten im November“. Mit 13 Auswahlmöglichkeiten auf dem weitläufigen Feld von Stimmen, Instrumenten und Musik im weiteren Sinne hatten die Eckernförder und die Gäste von außerhalb auch diesmal wieder die freie Entscheidung: Was hören und sehen wir uns an? Die Stunden zwischen 17 und 22 Uhr waren knapp bemessen für das abwechslungsreiche Programm. Der besonders breite Zuhörerstrom sortierte sich jedoch deutlich. Manche „Spielstätten“ waren gnadenlos überfüllt, andere wiesen bedauerlich überwiegend leere Stühle auf. Daraus lässt sich wohl schließen, dass Besucher mit Mainstream-Lieblingsakteuren oder auch eher individuellen Vorlieben in gleicher Weise auf ihre Kosten kamen.

Manche blieben ausgiebig an einem Ort, andere nutzten das Angebot, schauten mal hier, mal da rein. Wenn man überhaupt noch reinkam. Probleme gab’s da zum Beispiel schon bei der „Alten Fischereischule“ oder später im Discoraum vom „Haus“.

Kubanische Nacht in der Fischereischule mit kubanischem Essen, Trinken, Musik: Das wirkte auf viele Besucher so anziehend, dass die ersten schon eine Stunde früher eintrafen. Manfred Freiberg, Wiebke Asmussen und das Team der Fischereischule hatten ordentlich zu wirbeln, um bei diesem enormen Zustrom den Überblick nicht zu verlieren. Es war kein Durchkommen, denn zwischen Tischen und Stühlen standen „Unmengen“ von Gästen. Und das zu Recht: Peggy Sunday trat auf mit Amed Soto Canizares (Kuba, Gitarre), La Bomba (Percussionist) und Juan Iriseto ( Peru, Cajon).

Die vier zerfetzten einem bald das Herz. So viel südliche Leidenschaft und temperamentvoller Rhythmus, das steckte an, riss mit. Man erwischte sich dabei, selber laut mitzujubeln. Ganz das „volle Pfund“ dabei war Peggy Sunday, blonde, wilde Braut, die sich die Seele aus dem Leib sang – mit heißer, tiefer Stimme. Ungeschminkt, echt und eher spröde – ein unvergessliches Erlebnis. Wann geht der nächste Flieger nach Kuba?

Im Ostsee Info-Center (OIC) waren Wort, Bild und Ton angesagt. Worte von Wilhelm Lehmann, Bilder auf Plakaten mit den Lehmann-Zitaten, die Claus Müller zu den Lehmann-Tagen veröffentlichte. Dazu improvisierte Musik von dreien, die man kennt: Gitarrist Kay Kankowsky, der eine Giffliste für die Musik entwarf, Markus Zell (Drums) und Sven Zimmermann (Bassgitarre). Besucherin Sigrid Kesternich: „Gut, dass man mal hingehen kann, wohin man sonst nicht geht. So lerne ich Neues kennen.“

Bei Römer & Wein gab es Vertrautes: Full House, warmherzige Gastlichkeit, eine ausdrucksstarke Nora Blumenau, am Klavier begleitet vom nicht weniger bekannten Werner Loll. „Weibhaftig“ – das war ein überzeugender Auftritt mit Liedern von Friedrich Holländer, Claire Waldoff und vielen anderen – mit schauspielerischem Talent und bester Stimme vorgetragen.

In der St.-Nicolai-Kirche war es dunkel. Auf zwei großen Leinwänden erinnerten farbarme Bilder in „slow motion“ an Unterwasserwelten – begleitet von Lenka Zupkova (Violine). Ganz verdunkelt – mit lediglich wenigen Kerzen im Eingang – gab es „Geräusche“. War es Brandung auf Sand? War es Fremdes im Weltraum? Gerald Eckert bat die Zuhörer im Dunkel, ihrer „Fantasie freien Lauf zu lassen“. Man mochte sich fragen, wohin die Fantasie frei laufen sollte – war es unterirdisches, eventuell bedrohliches Gegrummel, dem man hätte folgen können? Zur dieser Musik im weiteren Sinne trug auch Beatrix Wagner mit ihrer Altflöte bei. Leute kamen, Leute gingen, andere blieben.

Zu später Stunde in der vollen „Galerie 66“ zog Jon Flemming Olsen als moderner Liedermacher alle in seinen Bann. Gitarre, ansprechende Stimme, ungewöhnliche Texte in Deutsch, dazu publikumswärmende Zuwendung – da bekam er viel begeisterten Applaus. Zudem dankte er der Kulturbeauftragten Andrea Stephan für die brillante Gesamtorganisation, – das gab dann noch einen herzlichen Extra-Applaus.

Ob jemand alle Anlaufstellen schaffte? Die zwei Cellistinnen im Künstlerhaus, Ina Karian und das „Klarinettentrio Schmuck“ in der Galerie 66 sollen ebenfalls großartig gewesen sein. Auch von „Up & Down“ sowie Günter Gall im „Haus“ hörte man nur Gutes.



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