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Eckernförder Zeitung

18. Dezember 2017 | 06:43 Uhr

Konzert Ulla Meinecke : Musik weckt Erinnerungen

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Ulla Meinecke zeigte in Carls Showpalast, dass sie sich noch immer in Hochform befindet. Mit ihren Lieder weckte sie beim Publikum zahlreiche Erinnerungen.

shz.de von
erstellt am 16.Dez.2013 | 05:13 Uhr

Liebe, Musik und Schlaf – das ist das Credo, die heilige Dreifaltigkeit von Ulla Meinecke. Die Liedermacherin, die in den 80er-Jahren eine der erfolgreichsten Vertreterinnen der deutschen Popmusik war, trat am Sonnabend in Carls Showpalast auf.

Gespannt warteten die rund 100 Zuhörer auf ihren Auftritt. Zu zwei Drittel waren es Frauen der Generation 50 plus, die Ulla sehen und hören wollten. Sie alle sind mit ihren Liedern erwachsen geworden, haben ihre große Liebe gefunden, einen Beruf ergriffen, eine Familie gegründet – sich ihr Leben eingerichtet. Die heute 60-Jährige hat sie mit ihren Songs, wie „Die Tänzerin“ oder „Stolz italienischer Frauen“, ins Erwachsenenleben begleitet. Umso erwartungsvoller waren diese Frauen – wie würde Ulla heute aussehen? Was würde sie ihnen sagen?

Gleich mit ihrem ersten Stück „Schlendern ist Luxus“ wurden Erinnerungen an frühere Gefühle, Liebesbeziehungen, Feiern wach. Ihre warme Stimme klingt immer noch kräftig, einnehmend, eindringlich – wunderbar geeignet, Geschichten zu singen und zu erzählen. „Ein Abend wie Seide“, so die Textzeile eines Liedes – es wurde ein seidiger Abend.

Die Herren, die ihre Partnerinnen begleiteten, legten den Arm um die Schulter ihrer Liebsten oder ergriffen ihre Hand, wenn Ulla sang. Besonders bei dem Song „Wenn zwei zueinander passen“ war sehr viel Innigkeit im Raum zu spüren. Liebe, die permanente, manchmal lebenslange Suche nach der Zwillingsseele, Beziehung, Ich-Sein – die Themen haben sich im Vergleich zu früher nicht verändert. „Ungerecht ist sie, die Liebe“, verrät Ulla. Einige von uns finden ihren Traummann mit 17 und leben mit diesem 50 Jahre glücklich zusammen, andere suchen ein Leben lang.

Ihre Sichtweise auf das Leben mit all seinen Verstrickungen ist eine andere geworden. Ruhiger, gelassener und herrlich spöttisch. Ulla Meinecke bekennt sich zu ihrem Alter und zu ihrem gelebten Leben. Sie beweist Humor und ist sich nicht zu schade, Anekdoten auf eigenen Kosten zu geben. Köstlich, als sie vom apokalyptischen Anti-Aging-Wahn der heute 30-jährigen Frauen erzählt. Von Cremes und Botox. In ihrem Wohnort Berlin gebe es bereits „Botox to go“, verrät sie. Ulla steht zu ihren Falten. Mit 60 Jahren weiß sie: „Das nützt alles nichts.“ Viele Frauen lachen und danken ihr im Stillen für diese Worte.

Ulla singt und erzählt, und die musikalischen Multitalente Ingo York und Reinmar Henschke schaffen ihr musikalische Freiräume. Ingo spielt E-Gitarre, Bass, Bass-Drum und Snare-Drum und singt auch manchmal, Reinmar sitzt am Keyboard, zupft aber auch an der Gitarre und bedient die Hi-hat. Nur drei Musiker auf der Bühne – und doch fehlt dem Zuhörer nichts. Er findet sich auch wieder, als Ulla vom Winter erzählt, eine Zeit der Selbstfindung oder „eine Zeit, sich in fremden Fußgängerzonen Hunde aus komischem Material zu kaufen.“ Als Zugabe gibt es „Die Tänzerin“ in einem neuen Arrangement von Ingo York. Man erkennt sie wieder, die kleine Tänzerin, und doch – sie ist erwachsen, reifer geworden, so wie Ulla Meinecke.

Der Auftritt in Carls Showpalast ist das letzte Konzert für dieses Jahr. Sie findet es wunderbar, dass die Konzertreihe in einer Stadt am Meer endet. Und dieser Abend wird ihr in Erinnerung bleiben. Dafür sorgt ein Mitbringsel ihres Musikers Ingo York, das er bei einem Spaziergang in der Fußgängerzone gefunden hat. Eine große, aus einem undefinierbaren Material bestehende Hundeplastik, die von Beginn wie selbstverständlich ihren Platz auf der Bühne hat.

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