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Eckernförder Zeitung

13. Dezember 2017 | 09:00 Uhr

Akkordeon-Musik : Musik, die die Herzen erreicht

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Bettina Born mit eigenen Kompositionen im Stile der französischen Musette und des argentinischen Tangos zu Gast in St. Jürgen

shz.de von
erstellt am 05.Aug.2014 | 06:00 Uhr

Erfrischend, bescheiden und mit Humor: Am Sonntag gastierte erstmals die Akkordeon-Spielerin Bettina Born mit eigenen Kompositionen im Stile der französischen Musette und des argentinischen Tangos in der Gettorfer St. Jürgen-Kirche. „Wir dürfen gespannt sein, was sich da vor unseren Ohren entwickelt“, stimmte Gastgeber Pastor Frank Boysen die nicht ganz 100 Gäste ein.

„Ich freue mich, dass Sie es vorgezogen haben, statt bei den mediterranen Temperaturen draußen zu sitzen, hier in der kühlen Kirche mein Konzert zu hören“, begrüßte Bettina Born. Dann nahm sie ihr perlmutt-schimmerndes, italienisches Akkordeon auf und entführte mit viel Charme und großer Liebe zu ihrem Instrument in die wunderbare Musik der französischen Musettewalzer und der argentinischen Tangos.

Bettina Born lebt freischaffend in Jena. Ihre Ausbildung erhielt sie an der Hochschule für Musik Franz Liszt in Weimar und beim Akkordeonisten Tobias Morgenstern in Berlin. Gerade erscheint ihre siebte CD. Das norddeutsche Publikum in Gettorf wusste ihre einfühlsamen Kompositionen und Arrangements, in denen sie mit einem Augenzwinkern auch das Klischee französischer Rotweinseligkeit und den argentinischen Weltschmerz um die verlorene Liebe bedient, zu schätzen. Ihre Musette „Beaujolais Primeur“ kommt als fröhlicher Tanz mit Schluckauf daher. „Mit einem Schwips kommt einem die Welt etwas spanisch vor“, erklärte sie davor dem Publikum. Bei „Vielleicht doch“ wähnt man sich tatsächlich auf einer Sommerwiese und zupft die Blättchen von einer Blüte. Er liebt mich, er liebt mich nicht. Oder vielleicht doch? Ihre nächste Musette voller Heimatgefühle nennt sie lieber „Bis ans andere Ufer der Spree“. Das sei eleganter, als wenn man sein Stück Spreewaldgurken nennt, scherzte sie. Auch ihre Tangos, eine melancholische Mischung aus Argentinien und Europa, berührten. „Luna llena“ ist ihr in einer Vollmondnacht eingefallen, zu Hause in Jena in Thüringen, als sie auf der Terrasse mit einem Glas Wein in der Hand zuschaute, wie der Vollmond vorüberzog. In „Shusheta“, was in Lunfardo, dem argentinischen Dialekt der Einwanderer, sowas wie Lackaffe oder Modepuppe bedeutet, macht sie sich über dergleichen lustig. In „Tango macho“ über den Mann, der führt und die Frau, die folgt. „Aber nur so weit sie will.“ Ihre Eigenkompositionen ergänzt sie mit dem argentinischen Gassenhauer La Cumparsita von Geraldo M. Rodriguez.

Das Publikum applaudierte begeistert. Da kam sie um eine Zugabe nicht herum. Mit dem argentinischen Tango-Walzer „Romance de barrio“ von Homero Manzi und Aníbal Troilo, besang sie auf Spanisch eine Romanze im Stadtviertel: „Zuerst die Verabredung, damals im April, dein dunkler Balkon, dein alter Garten. Später die Briefe von fiebrigem Puls, lügend, dass Nein, schwörend, dass Ja. Zuerst ein Lieben, danach ein Schmerz, wegen der Schuld, die wir nicht hatten, wegen der Schuld, die wir erdulden mussten.“ Erneut lang anhaltender Beifall. Pastor Frank Boysen dankte entzückt: „Sie haben unsere Herzen erreicht.“


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