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Norddeutsche Realisten : Museum zeigt Kunst aus dem Norden

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Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Werke von vier Norddeutschen Realisten und von Bildhauer Michael Mohns sind bis Pfingstmontag im Museum Eckernförde zu sehen. Die Arbeiten geben einen Querschnitt durch ihr künstlerisches Schaffen.

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erstellt am 23.Mär.2015 | 06:03 Uhr

Das Museum Eckernförde hat mit seinen Ausstellungen einen ausgesprochen guten Lauf. Nach den historischen Bildern aus der Kieler Straße, den beeindruckenden Waldgiganten des Fotografen Heinz Teufel nun die dritte Ausstellung, die nicht nur hochkarätig ist, sondern auch auf ein großes Publikumsinteresse stoßen dürfte. Jedenfalls war es schon zur Eröffnung gestern Mittag rappelvoll im Museum. Das verwundert nicht, wenn man sich die Namen der fünf Künstler anschaut: Brigitta Borchert, Michael Arp (✝), Ulf Petermann, Nikolaus Störtenbecker und Michael Mohns. Eine Kombi aus Malerei, Grafik und Plastik, die es so noch nicht in einer gemeinsamen Schau gegeben hat, aber eine, die richtig Spaß macht und die Betrachter berührt und sie tief eintauchen lässt in die Szenerien aus Landschaften, Akten, Eckernförder Motiven und Tierskulpturen. Die Künstler selbst genossen jedenfalls die gemeinsame Eröffnung der Ausstellung „Geburtstage“ – die runden Namenstage fungieren als äußere Klammer für das Zusammentreffen der in Eckernförde bestens bekannten Riege der Norddeutschen Realisten und des Bildhauers Michael Mohns aus der Nähe von Eckernfördes Partnerstadt Bützow in Mecklenburg-Vorpommern. Immer wieder fiel in diesem Zusammenhang auch der Name Otto Pauls. Der frühere Eckernförder Sparkassendirektor hatte ein Faibel für die Norddeutschen Realisten und hat viele Ausstellungen organisiert und Bilder für das Kreditinstitut angekauft.

Die stellvertretende Bürgervorsteherin Anke Göttsch begrüßte neben den Künstlern und der Frau des vor zwei Jahren verstorbenen Michael Arp, Christin Arp, rund 90 Gäste im Museum. Im Rathaus, in der Sparkasse und in vielen Privathaushalten seien die Arbeiten der Künstler täglich präsent. Göttsch erinnerte an die Versteigerung, die der frühere Bürgermeister Klaus Buß Anfang der 90er Jahre für die Künstler der neuen Partnerstadt Bützow nicht nur ausgerichtet, sondern auch selbst als Auktionator geleitet hat.

Museumsleiter Uwe Beitz freute sich über das „ausverkaufte Museum“. Beitz wollte die Ausstellung auch als Hommage an den verstorbenen Michael Arp verstanden wissen, den er als Mensch und Künstler sehr geschätzt habe. Brigitta Borchert (geb. 1940 in Berlin) ist mit „gewichtigen, auch gewaltigen Bildern“ zu sehen. Ihre Figurengruppen und Akte scheinen „den Rahmen sprengen zu wollen“. In ihren beiden Vielfigurenbildern „Eckernförder Kunstbetrieb und „Ende der Vorstellung“ zeigten ihre „meisterliche kompositorische Beherrschung der Fläche und eine „gekonnte Austarierung von Licht und Schatten mit einem wohltuenden Grad der Abstraktion. Aus dem bedeutenden Werk von Michael Arp (geb. 1955, gest. 2013 in Eutin) sind impressionistisch wirkende Großstadt- und Regenbilder zu sehen. Sie beschäftigen den Betrachter und entfalten eine eigentümliche, in jedem Fall sehr nachhaltige Wirkung. Immer wieder magisch angezogen hat Arp der Eckernförder Hafen, den er in acht seiner zwölf ausgestellten Bilder verewigt hat. Ulf Petermann (geb. 1950 in Brunsbüttel) setzt mit vornehmlich ruhigen Farbtönen vor allem seine nordfriesische Heimat mit der unvergleichlichen Küste, der Weite und dem bisweilen dramatisch bewölkten Himmel. Seine Menschengruppen wirken in dieser imposanten Naturkulisse verloren, vergänglich und düster. „Seine Bilder sind nie laut, eher von gespannter Ruhe“, seine Motive meist unspektakulär, wie beiläufig erfasst, aber gerade darin liegt unendlich viel Spannung und visueller Reiz“, sagte Beitz. Nikolaus Störtenbecker (geb. 1940 in Hamburg) gilt als Initiator der Norddeutschen Realisten im Jahr 1989. Der bei Munkbrarup lebenden Maler fühlt sich ebenfalls von unspektakulären Motiven angezogen, die er meisterhaft in Szene zu setzen weiß. Da können Blumen aus seinem Garten, Landschaften in Schwansen, Angeln auf auf Helgoland, eine Szenen an Bord der Gorch Fock sein. Zurückhaltend, authentisch, aufmerksam zugewandt und sehr kreativ – so wie er als Mensch auftritt, gestaltet er auch seine Werke. Der Bildhauer und Fischereibiologe Michael Mohns (geb. 1955 in Berlin), fällt in dieser Konstellation aus dem Rahmen, passt aber gerade deshalb wunderbar dazu. Seine kleinen Bronzeplastiken von Hafen, Elchen, Bären oder Menschenaffen „beruhen auf genauer Beobachtung des Tieres und seiner Verhaltensweisen, Bewegungen und Eigenarten“, sagte Uwe Beitz. „Durch die Minimierung des realen Vorbildes auf das Wesentliche entstehen Prototypen von tierischen Charakteristika.“

Am Ende des Tages klebten zahlreiche rote Punkte auf den Bildnummern. „Verliebt, entschieden, verkauft“, kommentierte eine Vernissage-Besucherin ihren gerade vollzogenen Ankauf des Petermann-Bildes „Raps bei Ohrfeldhaff“, dass mit 1600 Euro auf der Ausstellungsliste steht.

>Museumsleiter Uwe Beitz kündigte an, für die Ausstellung „Geburtstage“ noch zwei bis drei Führungen zu organisieren. Die Ausstellung ist noch bis Pfingstmontag, 25. Mai, im Museum am Rathausmarkt zu sehen.

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