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Neue Bilder : Museum würdigt Bössenroth und Arp

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Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Zwei Neuerwerbungen und eine Leihgabe erweitern den Fundus des Museums mit Werken des Marinemalers Carl Bössenroth. Auch wird das Werk des kürzlich verstorbenen „Norddeutschen Realisten“ Michael Arp gewürdigt.

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erstellt am 10.Dez.2013 | 05:22 Uhr

Das Museum hat seine respektable Bössenroth-Sammlung um drei Bilder erweitert. Der Marinemaler (1863-1935) und Liebhaber maritimer Motive hat von 1916 bis 19 in Eckernförde gelebt und viele Hafenbilder – davon etwa jedes zweite mit Holzbrücke – gemalt. Der Eckernförder Arzt Dr. Matthias Siemsen hat dem Museum das 1921 entstandene Werk „Speicher am Eckernförder Hafen“ als Leihgabe für drei Jahre zur Verfügung gestellt. Museumsleiter Dr. Uwe Beitz vermutet, dass es sich um eine Auftragsarbeit handelt, die Bössenroth für die Familie Siemsen angefertigt hat. Der Siemsen-Speicher am Innenhafen ist im Hintergrund zentral angeordnet neben den Schornsteinen der Fischräucherei Baasch & Schultze, dem Salzspeicher von Clausen und der Mühle Rau am Steindamm. Im Vordergrund hat Bössenroth seine Lieblingsmotive – den Hafen mit Fischerbooten und Frachtseglern – verewigt.

Direkt daneben zwei Neuerwerbungen. In beiden Fällen haben die Nachkommen der alteingesessenen Eckernförder Familien Horn (Kistenfabrik) und Rathgen (Kaufhaus) die Ölgemälde dem Museum angeboten, weil sie sie gerne in Eckernförde wissen wollten. „Da haben wir natürlich zugeschlagen“, sagt Dr. Beitz. In dem Bild aus dem Jahr 1923 hat Bössenroth einen westlichen Blick über den Binnenhafen bei morgendlichem Gegenlicht mit der Holzbrücke im Hintergrund festgehalten. Bössenroth spielt dort mit seiner herausragenden Maltechnik, mit den Lichtverhältnissen und der widerspiegelnden Wasserfläche. Das zweite Bild aus dem Jahr 1916 dürfte Bössenroth von einem Boot aus gemalt haben. Auffallend ist die sehr kräftige, leuchtende Farbgebung mit Booten und der Holzbrücke im Vordergrund und der „Skyline“ des Innenhafens als Kulisse. Die ungewöhnliche Perspektive und die Leuchtkraft machen dieses Bild zu einem besonderen.

Carl Bössenroth selbst schreibt der Museumsleiter aufgrund der guten Ausbildung in Berlin und München, der hohen Qualität seiner Arbeiten und verschiedener Wirkungsstätten durchaus eine überregionale Bedeutung zu. Bössenroth habe während seiner Zeit als Marinemaler in Kiel, in die auch das Bildnis der „Vulkan“ im Eckernförder Marinehafen fiel, Gefallen an Eckernförde gefunden. Hier konnte er seine Leidenschaft für Meer und Hafen ausleben. „Damit hat er sich um Eckernförde verdient gemacht“, so Beitz. Das Museum Eckernförde verfügt über rund 30 Bössenroth-Bilder, eine wechselnde Auswahl ist im Bössenroth-Zimmer im ersten Stock zu sehen. Seit kurzem hängt dort auch wieder das bei den Besuchern sehr beliebte Porträt eines blonden Mädchens im weißen Kleid. Bössenroth selbst hat viel mit Farben experimentiert und war in seiner Dachauer Zeit Besitzer einer Farbenfabrik, in der er seine patentierte wischfeste und übermalbare Pastellkreide produzierte.

Nebenan im Baasch-Zimmer liegt seit kurzem die kleine Radierung „Gehöft an einem Weg mit männlicher Figur“ von Johann Friedrich Theodor Baasch (1819-72) in der Vitrine, die Familie Rohde dem Museum als Leihgabe vermacht hat. Friedrich Baasch hat das erste Fotoatelier der Eckernförder Fotografenfamilie in der Nicolaistraße 27 eingerichtet. Sämtliche Grafiken, Fotos, Zeichnungen und Aquarelle sind 1964 als Vermächtnis der Kieler Kunsthalle übergeben worden. Das Eckernförder Museum wurde erst 1975 gegründet. „Damit hätte man in Eckernförde den Grundstock für ein künstlerisches Museum gehabt“, so Beitz.

Vor dem großen Bürgersaal würdigt das Museum in einer Vitrine das Werk des kürzlich verstorbenen „Norddeutschen Realisten“ Michael Arp, der vielfach auch in Eckernförde gewirkt hat. Zu sehen sind drei bislang nicht gezeigte Arbeiten mit Eckernförder Hafenmotiven. Aufgrund der Motivwahl und der exzellenten Technik zog Beitz einen Vergleich mit Bössenroth. Arp, dem kein blauer Himmel auf die Leinwand kam, „war ein ganz eigener Charakter unter den Realisten“, sagt Beitz voller Hochachtung. Nachdenklich und bescheiden sei er gewesen, und sein Auto diente ihm als kleines, mobiles Atelier. Michael Arp ist am 21. September nach langer Leidenszeit an den Folgen eines Gehirntumors gestorben. 2015 möchte das Museum anlässlich seines 60. Geburtstages eine Ausstellung mit Werken von Michael Arp und weiteren norddeutschen Realisten zeigen.

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