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Umweltschutz : Müllvermeidung mit Haken und Ösen

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Der Beschluss zur Müllvermeidung bei Veranstaltungen auf öffentlichen Plätzen stößt auf Widerstand. Neuer Arbeitskreis soll Kompromiss finden.

shz.de von
erstellt am 27.Dez.2015 | 16:14 Uhr

Nach dem RSH-Kindertag reichte es Matthias Huber. Der Gastronom und Fraktionsvorsitzende des Bürger-Forums sah jede Menge Plastikmüll im Hafenbecken schwimmen. Müll, um den sich niemand kümmerte, außer den Wellen und dem Wind. „Der Plastikmüll in den Meeren ist eine unüberschaubare Problematik für Tier und Mensch.“ Deshalb entwickelte er einen Antrag zur Müllvermeidung bei Veranstaltungen auf städtischem Gelände und brachte ihn in Zusammenarbeit mit den Grünen und der FDP in den Umweltausschuss im Oktober ein. Demnach sollten unter anderem Geschirr, Besteck, Serviermaterial und Verpackungen von Gütern für den sofortigen Gebrauch mit 2 Euro Pfand belegt werden. Und Plastiktüten sollte es nur noch gegen Gebühr geben. Das klang auch für alle anderen Mitglieder des Umweltausschusses schlüssig – einstimmig passierte der Antrag das Gremium im November und sollte von der Verwaltung umgesetzt werden. Doch die stieß auf heftigen Widerstand.

Zwar unterstützen viele Standbetreiber den ökologischen Gedanken, bezweifeln aber die Umsetzbarkeit der beschlossenen Maßnahmen. Florian Grabowski zum Beispiel, der mit seinem Kaffeewagen auf den Wochenmärkten steht, hält gar nichts von einem zwangsverordneten Pfandsystem. Er schenkt seinen Kaffee in Bechern aus, die zu 100 Prozent biologisch abbaubar sind. „Alles, was an meinem Stand konsumiert wird, nehme ich mit nach Hause, wo die Becher sortiert werden und auf den Kompost kommen.“ Sein Vorwurf: „Wenn man Pfand auf kompostierbare Sachen nimmt, begünstigt man andere Materialien.“ Denn über ein Drittel seiner Kunden würden den Kaffee mitnehmen und unterwegs trinken. Sie seien nicht bereit, 2 Euro dafür zu bezahlen, da sie den Becher nicht zurückbrächten. Stattdessen würden sie einen Kaffee in Geschäften, Cafés oder Bäckereien kaufen, für die der Beschluss des Umweltausschusses nicht gilt. „Das würde also genau das Gegenteil von dem bewirken, was beabsichtigt war.“

Auch der Marktsprecher Alexander Pack-Blumenau ist kein Fan des Beschlusses. „Leider ist im Vorwege nicht mit uns gesprochen worden, um einen qualitativ hochwertigen Antrag einzubringen“, sagt er. „Das bedarf noch des genaueren Durchdenkens.“

Schließlich hat auch der Deutsche Schaustellerverbund seine Meinung zu dem Vorstoß der Politik geschrieben: „Auf ein Mehrwegpfandsystem für Teller und Bestecke reagieren Gäste überwiegend verärgert. Sie fühlen sich gegängelt, denn sie möchten ihre Currywurst, ihren Flamm- oder Reibekuchen, ihre Waffel etc. im Flanieren essen. Nun werden sie jedoch gezwungen, vor dem Geschäft haltzumachen und die Lebensmittel dort zu verzehren.“ Und wenn sie länger unterwegs seien: „Niemand möchte einen dreckigen Teller länger in der Hand halten.“ Zudem täte sich die Gefahr auf, dass „unlautere Gäste sich im Supermarkt eine größere Position Pappschälchen kaufen und damit den Pfand einwerben würden.“

Matthias Huber stimmt dem nicht so ganz zu: „Viele Leute drehen eine Runde über den Markt und können ihren Becher oder ihr Geschirr dann wieder abgeben.“ Er sieht den Beschluss eher als Werbung. „Alles ist ökologisch, die Stände stehen für Qualität. Niemand wird sich von dem Pfand abhalten lassen, den Markt zu besuchen.“

Dennoch: Bei einer ersten Besprechung mit den Standbetreibern und der Verwaltung wurde Matthias Huber als Ideengeber förmlich überrannt von der Kritik. „Da habe ich richtig einen auf die Mütze bekommen“, sagt er. Und sieht aber auch ein, dass es Punkte gibt, die zu klären es im Vorfelde besser gewesen wäre. Die Verwaltung hat die Umsetzung des Beschlusses bis auf Weiteres ausgesetzt, die Politik schließt sich dem an. Jetzt ist erst einmal ein Arbeitskreis mit Vertretern aller Beteiligten gegründet worden, der den Beschlussantrag so ausarbeiten soll, dass ein für alle Seiten tragbarer Kompromiss dabei herauskommt.

Matthias Huber hat da schon einige Ideen: „Touristikchef Stefan Borgmann arbeitet an einem Eckernförde-Becher, den es für den Kaffee zum Mitnehmen sowohl in Cafés und Bäckereien als auch auf dem Wochenmarkt oder anderen Ständen geben soll. So kann man die Kieler Straße hinunterwandern und den Becher jederzeit wieder loswerden und sein Pfand wiederbekommen.“ Er appelliert: „Wir hoffen da auf die große Mithilfe des Wirtschaftskreises, um diese Idee umzusetzen.“ Gleichzeitig solle geprüft werden, ob die AWR als Partner auftreten kann. „Ich sehe das als Alleinstellungsmerkmal für den Eckernförder Wochenmarkt. Das wäre eine große Chance und keine Last.“

Der Beschluss ist also erst einmal ausgesetzt, jetzt beginnen die Gespräche. Huber: „Ich freue mich, dass wir einen Weg gefunden haben, um eine konstruktive und umweltfreundliche Lösung zu erarbeiten.“

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