Müll aus der Waschmaschine

Auf einem 50 Meter langen Uferabschnitt sammelten Finja Becker, Christian Helm und Jonas Schreiber (von links) diesen Müllberg ein.
Auf einem 50 Meter langen Uferabschnitt sammelten Finja Becker, Christian Helm und Jonas Schreiber (von links) diesen Müllberg ein.

Schüler tüfteln an Filtersystem für Mikroplastik aus Fleecebekleidung

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28. Mai 2018, 16:48 Uhr

Den Skandal um die Plastikteilchen, die über die Schleswiger Kläranlage in die Schlei geschwemmt wurden, haben die Louisenlunder Schüler und ihr Lehrer Christian Helm natürlich auch mitgekommen und geschockt. Aber sie wissen auch, dass es noch viele weitere Verursacher für die Verschmutzung der Gewässer gibt, da dürfe man nicht nur mit dem Finger auf die Stadtwerke zeigen. Da ist die Landwirtschaft, die Industrie oder auch der Verkehr. „Wir alle sind die Verursacher“, sagen die Schüler Finja Becker und Jonas Schreiber, die gemeinsam mit Christian Helm im Rahmen eines Ökologie-Projektes regelmäßig Wasser- und Sedimentproben aus der Schlei nehmen.

Mit dem Forschungsschiff „Kurt Hahn“ sind sie auf der Schlei unterwegs. Dafür hat sich die Stiftung ein Planktonnetz gekauft, ein feinmaschiges Netz, das das Wasser filtriert und die Fremdstoffe auffängt. Anschließend werden die Proben im eigenen Labor genau untersucht und die Belastung pro Kubikmeter Wasser ermittelt.

Dabei zeigt sich auch, dass die Wasserverschmutzung nicht nur ein Problem der großen Weltmeere ist. Die Schlei ist auch betroffen. „Wir haben nach einem Oststurm einen rund 50 Meter langen Uferabschnitt zwischen Borgwedel und Louisenlund abgesucht“, erzählt Helm. Schnell waren die Müllsäcke voll – mit Teppichresten, Glas, Verpackungen und Baumaterialien. „Und das ist nur die Spitze des Eisberges“, betont Helm.

Gemeinsam mit seinen Schülern befasst sich Helm mit dem Problem der Textilfasern. Waschmaschinen sind eine besonders ergiebige Mikroplastikquelle. Bei jedem Wasch- und Schleudergang lösen sich aus kunststofffaserhaltiger Wäsche Faserstückchen, die auch von Kläranlagen nicht aufgehalten werden und landen als Mikroplastik im Meer. Fleece-Stoffe sind besonders anfällig. Die Fleecefasern werden von den Louisenlundern abgefischt und untersucht. Gleichzeitig tüfteln die Internatsschüler, wie man den Fasermix schon in der Wäschetrommel abfangen kann. „Gerade bei neuer Wäsche löst sich viel heraus“, haben Finja Becker und Jonas Schreiber entdeckt, aber auch bei allen weiteren Waschgängen bleiben die Fasern nicht aus. „Wir konstruieren daher einen mehrstufigen Filter“, sagt Helm, denn die Fusseln seien unterschiedlich groß. „Auf die jungen Forscher ist auch ein großer Waschmaschinenhersteller aufmerksam geworden und zeigt sich sehr interessiert an deren Untersuchungsergebnissen. Eine Einladung haben die Schüler schon erhalten. „Die Unternehmen haben sich keine Gedanken gemacht, wie man Mikroplastik herausfiltert“, hat Christian Helm feststellen müssen. Längst ist bekannt, dass sich an den kaum sichtbaren Partikeln auch giftige organische Stoffe anlagern.

Die Louisenlunder basteln jetzt an Strategien für ein großes Problem mit den kleinsten Teilchen.

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