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Kalender : Motive aus dem Blickwinkel eines jungen Irakers

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Flüchtling veröffentlicht Kalender mit Bildern aus dem Raum Rendsburg

von
erstellt am 19.Dez.2016 | 06:08 Uhr

Owschlag | Im Irak zerstörten Terroristen seine Werke – in Deutschland darf er sie veröffentlichen. Auf zwölf Seiten, in Form eines Fotokalenders. Ohne Angst vor Zensur und Zerstörung. Mit der Aussicht auf eine bessere Zukunft. Für den Kunststudenten Raisan Hameed geht mit diesem Projekt ein Traum in Erfüllung. Der 25-Jährige hat einen Kalender mit Motiven aus Rendsburg und Umgebung herausgebracht. Die Aufnahmen beschreiben seine visuellen Eindrücke aus dem ersten Jahr in Schleswig-Holstein.

Raisan Hameed war dem IS entkommen. Der angehende Fotograf studierte Kunsterziehung an der Hochschule für Kunst im nordirakischen Mossul, bis Anhänger der Terrormiliz seine Universität zerstörten und alle Aufnahmen zunichte machten. Hameeds Weg in den Westen führte über die Türkei, Griechenland und Ungarn. Die ersten Monate nach der Flucht verbrachte der junge Iraker in Owschlag. Nach Rendsburg verschlug es ihn regelmäßig. Nicht nur, um Sehenswürdigkeiten wie die Eisenbahnhochbrücke mit der Kamera einzufangen. Auch schauspielerisch brachte der Iraker sich ein. In den Kammerspielen des Landestheaters wirkte Hameed im Frühsommer beim Stück „Wo Licht ist, ist auch Schatten“ mit. In der ergreifenden Aufführung wurden wahre Begebenheiten auf die Bühne gebracht. Geschichten von Flüchtlingen, die Schreckliches erlebt haben und jetzt versuchen, sich in und um Rendsburg ein neues Leben aufzubauen.

Inzwischen lebt der Fotokünstler in Leipzig und studiert an der Hochschule für Grafik und Buchkunst (HGB). Doch an die Zeit am Nord-Ostsee-Kanal denkt der Iraker immer wieder zurück. Der jetzt veröffentlichte Kalender ist für ihn Erinnerung und Stellungnahme zugleich. Sehr her, Anhänger des IS, ich habe es geschafft! Raisan Hameed nahm sich nichts Geringeres als die Freiheit, seine Leidenschaft zum Beruf zu machen. „Kunst ist für mich alles, ich wollte sie niemals aufgeben“, sagte Raisan Hameed im August der LZ. „Für mich bedeutet Kunst auch Freiheit. Denn ohne Freiheit gibt es keine Kunst.“ Mit seinen Bildern wolle er immer auch eine Botschaft übermitteln. „Fotografie und Malerei kann alle Sprachen und Völkerunterschiede überwinden.“

Für die in Owschlag erfahrene Gastfreundschaft will der Fotograf nun der Gemeinde etwas zurückgeben. Der Erlös aus dem Verkauf des Kalenders geht an den Sozialfonds der Kirchengemeinde. Die Initiative unterstützt unbürokratisch Flüchtlinge, aber auch Deutsche in finanziellen Notsituationen. Unterstützt wird die Herausgabe vom Verlag PAR aus Moringen.

Erhältlich ist der Fotokalender für acht Euro bei der Kirchengemeinde Owschlag, Tel. 04336/3238. Kontakt per Mail: info@kirche-owschlag.de.

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