Wirtschaftsrat besucht NPZ : Motivation für die Gründerszene

Austausch zwischen Wissenschaft und Wirtschaft: (v.l.) Prof. Dr. Christian Jung (CAU Kiel), Dr. Maike Lorenz (Universität Göttingen), Prof. Dr. Heiko Hamann (Universität Lübeck), Dr. Philipp Ciba (Fraunhofer Einrichtung Lübeck), Dr. Gunhild Leckband (NPZ) sowie Tobias Loose und Lars Osterhoff (Vorstand Wirtschaftsrat).
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Austausch zwischen Wissenschaft und Wirtschaft: (v.l.) Prof. Dr. Christian Jung (CAU Kiel), Dr. Maike Lorenz (Universität Göttingen), Prof. Dr. Heiko Hamann (Universität Lübeck), Dr. Philipp Ciba (Fraunhofer Einrichtung Lübeck), Dr. Gunhild Leckband (NPZ) sowie Tobias Loose und Lars Osterhoff (Vorstand Wirtschaftsrat).

Junger Wirtschaftsrat der CDU besucht die Norddeutsche Pflanzenzucht / Ziel: Begeisterung junger Unternehmer für innovative Felder

shz.de von
12. Juni 2018, 06:05 Uhr

Holtsee | Um junge Menschen in Schleswig-Holstein wieder zu Unternehmensgründungen zu bewegen, informierte sich der Landesverband des Jungen Wirtschaftsrates der CDU am Freitag über Möglichkeiten im Bereich der Agrar- und Biowissenschaften. Zu dem Thema „Die fünfte industrielle Revolution: Ungeschöpfte biologische Potentiale“ besuchte der Rat das Gelände der Norddeutschen Pflanzenzucht. „Die Gründerszene Schleswig-Holstein hängt hinterher“, stellte Lars Osterhoff, Landesvorsitzender des Jungen Wirtschaftsrates, fest. Es gehe dabei vor allem darum, Wissensbausteine zusammenzuführen und Ideen zu vernetzen. „Mit den Agrarwissenschaften und der Meeresbiologie können wir starten, da sind wir stark“, betonte der Vorsitzende.

Nach einer Vorstellung der Norddeutschen Pflanzenzucht KG durch Gastgeberin Dr. Gunhild Leckband verfolgten die Teilnehmer vier Vorträge über die biologischen Potentiale der Zukunft. Zunächst referierte Dr. Maike Lorenz über die Nutzung von Mikroalgen. „Für jeden von uns sollten sie interessant sein, da jedes zweite Sauerstoffmolekül von Algen produziert wird“, berichtete die Wissenschaftlerin aus Göttingen. „Blaualgen sind in der Lage, Stickstoff zu fixieren. Das könnte genutzt werden, um Böden zu düngen“. Schon jetzt würden Algen als Rohstoffe für Biokraftstoff, als färbendes Fischfutter oder in der Kosmetikindustrie eingesetzt.

Das Potential tierischer Stammzellen beleuchtete Dr. Philipp Ciba. „Physiologische Prozesse werden auf Zellebene gesteuert und können mit Zellen erforscht und nutzbar gemacht werden“, beschrieb der Lübecker die Hoffnung der regenerativen Medizin, beliebiges Ersatzgewebe für Transplantationen herstellen zu können. Ziel wäre die Einbringung von Grundbausteinen in schwere Hautverletzungen, die der Körper dann nutzen könnte, um die Heilung selbst wieder voranzutreiben.

Über die Biotechnologie zur genetischen Verbesserung von Pflanzen sprach Prof. Dr. Christian Jung von der Uni Kiel. Er machte deutlich, dass genomische Selektion nicht eine genetische Veränderung bedeute. „Auf 13 Prozent der Ackerbaufläche der Erde werden gentechnisch veränderte Pflanzen angebaut. Nur im Feld beweist sich der Nutzen einer Kulturpflanze“, beklagte er die kaum noch stattfindenden Feldversuche aufgrund rechtlicher Rahmenbedingungen und der öffentlichen Meinung zur Thematik. Eine pauschale Ablehnung der grünen Gentechnik schade dem Forschungsstandort Deutschland, betonte er.

Abschließend skizzierte Prof. Dr. Heiko Hamann (Lübeck) seine Visionen der „flora robotica“, einer Symbiose aus Pflanzen und Robotern. „Die Idee ist, Dinge in architektonischen Formen wachsen zu lassen, die genutzt werden können“, bezeichnete Hamann das Projekt als gewagte Grundlagenforschung. Es gehe um die Frage, wie man Roboter nutzen und programmieren könne, um Pflanzen über Lichtreize in bestimmte Richtungen und Formen wachsen zu lassen. „Die größte Vision wäre, ein Haus wachsen zu lassen“.

Nach dem theoretischen Teil des Abends führte Dr. Christian Flachenecker, Züchtungsleiter im Bereich Winterraps bei der NPZ, über das Betriebsgelände.

Der Junge Wirtschaftsrat der CDU zeigte sich zufrieden mit den auf der Veranstal

tung gewonnenen Denkanstößen: „Die Interdisziplinarität wird immer wichtiger, also beispielsweise die Agrarwissenschaften mit anderen Bereichen zu verknüpfen und so Brücken zu schlagen“, resümierte Lars Osterhoff.


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