Musical in Gettorf : Mose wird zum Musicalheld

„Israel in Ägypten“: Stimmige Kulisse, passende Kostüme und ein toller Kinderchor.
„Israel in Ägypten“: Stimmige Kulisse, passende Kostüme und ein toller Kinderchor.

Israel in Ägypten – Thüringer Kinderchor führt Kindermusical in Gettorf auf

shz.de von
06. August 2018, 06:59 Uhr

Gettorf | Frösche hüpfen durch die St.-Jürgen-Kirche, Stechmücken, schließlich eine Riesenheuschrecke. Erst nach zehn Plagen lässt der Pharao seine israelitischen Sklaven ziehen, um ihnen dann doch noch nachzustellen. Die Fliehenden machen Mose Vorwürfe angesichts der nahenden ägyptischen Verfolger. Der ruft sein Volk zum Vertrauen auf Gott auf. Am Schluss wird alles gut, jedenfalls für die fliehenden Israeliten. Das Meer öffnet sich vor ihnen. Als sie am anderen Ufer sind, kommt das Wasser zurück und die Verfolger ertrinken.

Die alte Geschichte aus dem 2. Mosebuch wurde am Sonnabend in der St.-Jürgen-Kirche Gettorf wieder lebendig. Ein Projektkinderchor aus dem Kirchenkreis Waltershausen/Thüringen brachte das Kindermusical „Israel in Ägypten“ zur Aufführung. Sechs Tage lang hatten die 35 sieben- bis zwölfjährigen Kinder, die sich vorher zum größten Teil noch nicht kannten, auf einer Freizeit in Eckernförde das Musical von Thomas Riegler eingeübt. Inhaltlich begann das Musical dort, wo die Stimmung der Israeliten auf dem Tiefpunkt war: Sie hatten genug von der Sklavenarbeit beim Pyramidenbau, vom Schuften für den Pharao. Und weil die Fremden immer aufsässiger wurden, hatte sich der Pharao ein ganz perfides Mittel überlegt, um ihren Widerstand zu brechen. Er ließ sämtliche männlichen Neugeborenen der Israeliten umbringen. So setzten Mütter in ihrer Verzweiflung ihre Babys aus, in der Hoffnung, dass sie jemand finden und großziehen würde. Eines dieser Babys wurde gefunden – von der Tochter des Pharaos, die es Mose nannte. Später wurde Mose Schafhirte. Dort ereilte ihn der Ruf Gottes. Mose soll nach Ägypten zurückgehen und vom Pharao die Freiheit für sein Volk verlangen. Er wehrt sich zunächst gegen den Auftrag, willigt aber schließlich ein. Doch der Pharao denkt nicht daran, seine billigen Sklaven ziehen zu lassen…

Ein anspruchsvoller Stoff. Texte lernen, Lieder üben, Kostüme probieren – eine intensive Ferienbeschäftigung.

Zu den „alten Hasen“ gehörte die zwölfjährige Sarah, die zum fünften Mal dabei war. Ihre Hauptrolle – die des Mose – war die einzige Rolle, die vor Beginn der Freizeit feststand. „Diese Rolle hat sehr viel Text“, begründete Kirchenmusikdirektor Theophil Heinke diese Ausnahme. Alle anderen Rollen wurden zu Beginn der Freizeit verteilt. So brauchten die Mitwirkenden Kostüme in der richtigen Größe. Die Thüringer wussten sich zu helfen. Außer einigen Standardkostümen nahmen sie kurzerhand Stoffe und eine Nähmaschine mit nach Eckernförde. Während die Kinder ihre Rollen einstudierten und ihre Lieder übten, schneiderte das Mitarbeiterteam die Kostüme.

Etliche Mitspieler übernahmen zwei oder drei Rollen, so auch die siebenjährige Stella. Sie spielte einen Frosch, einen israelitischen Sklaven und eine Heuschrecke. Die Sklaven-Rolle hat ihr am besten gefallen. „Weil wir da so viel gesungen haben.“

Der Chor, der in einer kappen Woche das Konzert einstudiert hatte, hätte ein größeres Publikum verdient. Die Konzertbesucher, die gekommen waren, waren begeistert.

Die Singe-Freizeit des Kirchenkreises Waltershausen findet seit 15 Jahren statt. Sie bietet Kindern, in deren Gemeinde es keinen Kinderchor gibt, die Möglichkeit zum Singen in einem Chor. Viele frühere Teilnehmer haben die Musik auf diese Weise für sich entdeckt und singen inzwischen in Gospel- und anderen Kirchenchören mit. Auch zwei der Betreuer der diesjährigen Freizeit waren früher selbst als Teilnehmer dabei.  


zur Startseite
Karte

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen