Kirche Karby : Morsche Balken: Kirche wird saniert

Stellten massive Schäden am Mauerwerk fest: Torsten Behnke (l.) und Pastor Martin Krumbeck.
1 von 2
Stellten massive Schäden am Mauerwerk fest: Torsten Behnke (l.) und Pastor Martin Krumbeck.

Gesamtkosten für Sanierungen an der Karbyer Kirche auf 950 000 Euro geschätzt

von
14. Mai 2018, 06:32 Uhr

Karby | Schon von Weitem sieht man es, an der Karbyer Kirche haben umfassende Reparaturen begonnen. Der Turm der Kirche, deren Ursprünge ins Jahr 1456 reichen, ist eingerüstet. Vor zwei Wochen haben die Arbeiten am ersten Bauabschnitt begonnen. Bis Mitte Juli sollen diese Arbeiten abgeschlossen sein, bevor es mit Abschnitt zwei und gegebenenfalls drei weiter geht. Für alle drei Bauabschnitte rechnen Pastor Martin Krumbeck und Kirchengemeinderatsvorsitzender Torsten Behnke mit Gesamtkosten von rund 950 000 Euro.

Eigentlich hatte die Kirchengemeinde im Herbst 2016 nur vorgehabt, einen Riss in der Aufhängung (Metalljoch) der großen Glocke durch einfaches Schweißen zu beheben. Dabei warf Architekt Filip Fröhler nicht nur einen Blick auf das Gebälk des Turms, sondern auch ins Gebälk des Kirchenschiffes. Dabei entdeckte er umfangreiche Schäden, die zwingend Handlungsbedarf erforderten, so Pastor Martin Krumbeck.

Architekt Fröhler erarbeitete einen Masterplan und begleitet die Arbeiten jetzt vor Ort. „Es ist noch viel schlimmer, als wir dachten“, berichtet er nun, wo die Handwerker die ersten Böden geöffnet und Teile des Daches abgedeckt haben. „Von oben sehen die Balken gut aus, aber von unten und der Seite haben sich einzelne zu Zweidrittel aufgelöst“, beschreibt er seine Beobachtungen.

Bevor die Handwerker aber ans Werk gehen konnten, musste die Kirchengemeinde zahlreiche Gutachten in Auftrag geben. So zählt Torsten Behnke das Gutachten des Architekten, ein bauhistorisches Gutachten, ein baubiologisches (Artenschutz) Gutachten, ein Schwingungsgutachten für die Glocken, Kernbohrungen für das Mauerwerk und ein dendrochronologisches Gutachten (Holzalterbestimmung) auf. „Wir mussten mit rund 25 000 Euro in Vorleistung für die Gutachten gehen, ohne dass nur eine Arbeit ausgeführt wurde.“

Mit den Gutachten bewarben sich die Kirchengemeinde und der Förderverein Kirchenschiff um Fördermittel. Mit Erfolg, zumindest für den ersten Bauabschnitt, wie Krumbeck und Behnke berichten. So gab es 30  000 Euro von der Hermann Reemtsma Stiftung, 21 000 Euro von der Stiftung zur Bewahrung Kirchlicher Baudenkmäler in Deutschland (KIBA) und 10 000 Euro von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. Den größten Zuschuss gewährt der Kirchenkreis Rendsburg-Eckernförde. Er übernimmt 70 Prozent der Kosten für unabwendbare Sanierungen am Gemäuer und Dach der Kirche.

Besonders erfreut hat die Kirchengemeinde der Besuch von Familie Reemtsma. Bernhard Reemtsma war 1979 in der Karbyer Kirche konfirmiert worden. Er besuchte damals die Schule der Stiftung Louisenlund, zu der die Karlsburg in Winnemark gehörte. Die Schüler von dort wurden in Karby eingesegnet, so Pastor Krumbeck.

Im ersten Bauabschnitt wird der Kirchturm saniert. Dabei werden zahlreiche Eichenbalken, eine Altersbestimmung datiert sie auf etwa 1456, ersetzt. Zugleich wird die Aufhängung der Glocken erneuert. Damit das möglich ist, muss das Dach abgedeckt werden, „um Gewicht von den Balken zu nehmen“, wie Behnke erläutert. Unbedingt muss auch das Mauerwerk von außen gesichert werden. So seien bei Reparaturen vor vielen Jahren ungünstige Mörtel verwendet worden, die das Mauerwerk auseinander drücken, wie Architekt Fröhler erklärt. In diesem Abschnitt wird mit rund 245 000 Euro gerechnet. Die Finanzierung steht.

Bevor mit dem zweiten Abschnitt begonnen wird, müssen Zusagen für Fördermittel abgewartet werden, um die Finanzierung abzurunden. Einzig vorsorgende Arbeiten zum Fledermausschutz werden begonnen. So gilt das Gebälk der Kirche als Winterquartier für geschätzt 600 Fledermäuse, wie ein Gutachten ergab. Im zweiten Abschnitt geht es um den Dachstuhl für Kirchenschiff und Altarraum sowie das Mauerwerk. Hier wird mit Kosten von rund 508 000 Euro gerechnet.

Der Abschnitt drei deckt Arbeiten im Innenraum der Kirche ab. Hier geht es um die Heizungsanlage, um Elektroarbeiten und Malerarbeiten. Geschätzt werden die Kosten auf rund 196 000 Euro. Die Finanzierung steht noch nicht, „da brauchen wir noch Förderer und Spender“. Diese Arbeiten werden je nach Finanzlage zurückgestellt.

Erklärtes und hoffnungsvolles Ziel der Kirchengemeinde ist es, dass in 2020 die Gesamtsanierung abgeschlossen wird. „Wir haben die Pflicht, das Gebäude zu erhalten“, betont Pastor Krumbeck und stellt fest, dass der Bau durch die Sanierungen nachhaltig gesichert und „pflegeleichter“ wird. Gottesdienste finden wie gewohnt statt, einzig die Glocken werden in Kürze während der Sanierung vorübergehend verstummen.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen