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Diskussionsabend : Möglichst viel Bewegung im barrierefreien Alltag

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Diskussionsabend mit Architekt, Politik, Verwaltung, Vereinen und Senioren . Angebot der Erlebniswoche.

Gettorf | „Lebensqualität durch Bewegung im barrierefreien Alltag“ war das Thema einer Diskussionsrunde im Hotel Stadt Hamburg am Dienstagabend. Sie stand im Zusammenhang mit der fünften Erlebniswoche für Senioren, die am Dienstag begonnen hatte.

Zu Beginn stellte der gebürtige Gettorfer Architekt Karsten Jandke Wohnmöglichkeiten für Senioren vor. Eine gute Möglichkeit sei , zum Beispiel, die Gründung einer Senioreneigentümergemeinschaft. Senioren, die sich kennen oder sich durch eine Zeitungsanzeige finden, kaufen gemeinschaftlich ein Grundstück und geben den Bau einer Seniorenwohnanlage in Auftrag. Auch der seniorengerechte Umbau eines Mehrfamilienhauses sei denkbar. Jandke lobte die Vorteile eines solchen Projektes: Hier sei Wohnen mit älteren „Gleichgesinnten“ möglich. Jeder sei sein eigener Wohnungseigentümer in einer barrierefreien Wohnung. Beim Bau müsse auf kurze Wege von den Stellplätzen zum Gebäude ebenso geachtet werden, wie auf breite Türen für Rollatoren und Rollstühle. Im Badezimmer müsse die Tür nach außen zu öffnen sein, die Dusche schwellenlos, der Waschtisch unterfahrbar, der Bewegungsdurchmesser 1,50 Meter, so der Architekt. Treppen müssten mit Handläufen ausgestattet sein. Die Raumgeometrie müsse angepasst werden und es seien rutschhemmende Fußbodenbeläge zu verwenden. Ausziehbare Bedienelemente, unterfahrbare Unterschränke und die Anpassung der Arbeitshöhe seien für den seniorengerechten Umbau der Küche wichtig. Der Zugang zum Balkon müsse ebenfalls schwellenlos sein.

Wer sein Einfamilienhaus behindertengerecht umbauen wolle, könne einen zinslosen KfW-Kredit bis 50  000 Euro und einen Zuschuss für den Umbau des Badezimmers bis zu 4000 Euro erhalten, so Jandke.

Bürgermeister Jürgen Baasch weiß: „Die Nachfrage nach Seniorenwohnungen in Gettorf ist sehr hoch.“ Derzeit gebe es derzeit nur etwa 180 barrierefreie Wohnungen. Und die Situation werde sich weiter verschärfen. „In 20 Jahren werden im Amt Dänischer Wohld doppelt so viele über 80-Jährige leben wie heute. Dafür sind wir schlecht aufgestellt“, so Amtsdirektor Matthias Meins. Zurückhaltend reagierte er auf die Frage von Pastorin Christa Loose-Stolten, ob nicht die Gemeinde barrierefreie Wohnungen bauen und dann an Senioren vermieten könne. Grundsätzlich dürften Gemeinden Wohnungen bauen. Allerdings sei Gettorf dafür nicht leistungsfähig genug. Zunächst müssten die gesetzlichen Pflichtaufgaben, wie der Bau von Kindertagesstätten, bewältigt werden. Damit seien die finanziellen Spielräume derzeit ausgeschöpft, so Meins. Der Wohnungsbau ist eine rein freiwillige Aufgabe der Kommunen. „Um diese Aufgabe stemmen zu können, müssten die Gemeinden von Bund und Land mit den nötigen Mitteln ausgestattet werden“, gab Meins zu bedenken.

Im öffentlichen Raum sind Verbesserungen in Aussicht. So wird der Gettorfer Bahnhof in absehbarer Zeit barrierefrei umgebaut, ebenfalls die Bushaltestellen. Das schreibt der Gesetzgeber vor. Außerdem sei in Gettorf zur Zeit ein neues Verkehrskonzept in Arbeit, so Marco Koch (CDU), Vorsitzender des Bauausschusses. Der Seniorenbeirat will mehr Geschwindigkeitsbegrenzungen und Fußgängerüberwege, möchte, dass die Bedürfnisse der Senioren stärker berücksichtigt werden. Er trifft auf offene Ohren bei der Gemeinde. Auf zusätzliche Fußgängerüberwege bei Kreis- und Landesstraßen hat diese aber kaum Einfluss. Entscheidend ist hier, wie häufig eine Straße von Fußgängern gequert wird. „Da zählen leider nur die Zahlen“, so Koch.

Zum Schluss verwies der Amtsdirektor auf den begonnenen Prozess zum „Zukunftsplan Dänischer Wohld“. Im Zusammenhang mit diesem Prozesses werden Zukunftswerkstätten stattfinden, unter anderem zu Wohnformen. „Alle Strukturen sind aufgerufen, sich zu beteiligen“, so Meins. Der Seniorenbeirat wird dann ganz bestimmt nicht fehlen.

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