Wie geht’s weiter mit Villa Hoheneck ? : Modernes Wohnen am Kanalufer

Abriss und dann? Die Zukunft des ehemaliges Ausflugslokals Villa Hoheneck ist ungewiss
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Abriss und dann? Die Zukunft des ehemaliges Ausflugslokals Villa Hoheneck ist ungewiss

Rund 20 interessierte Bürger beim Informationsabend zur Villa Hoheneck in Altenholz / Architekt stellt Modell zur Wohnbebauung vor

shz.de von
17. Januar 2015, 06:37 Uhr

Altenholz | Der Verlust der Villa Hoheneck als ortsprägenden Kulturguts und damit der Identität des Ortsteils Knoop, ein zu massiver Baukomplex, eine ähnliche „Katastrophe“ wie die Kapitänsvillen, die Zerstörung von Natur und Landschaft, die Verschärfung der Parkplatzsituation an der Straße: Die Befürchtungen der Anwohner sind groß. Nur einige wenige sprachen sich für die derzeit in den gemeindlichen Gremien und darüber hinaus diskutierte Idee aus, nach Abriss des heruntergewirtschafteten Gebäudes dort einen Wohnbaukomplex zuzulassen.

20 Bürger waren am Donnerstag der Einladung von Bürgermeister Carlo Ehrich (SPD) in Abstimmung mit dem Bauausschussvorsitzenden Gerhard Hirschfeld (AWG) zur Informationsveranstaltung zum Thema im Ratssaal gefolgt, um Fragen zu stellen, Bedenken und Anregungen vorzubringen. Auskunft gaben Sönke Petersen, stellvertretend für Projektentwickler Sven Olsen, Architekt Jens Lassen aus Eckernförde und Städteplaner Oliver Kühle vom Büro B2K aus Kiel, der der Gemeinde beratend zur Seite steht. In der Sitzung des Bauausschusses im November war die Diskussion mit den Bürgern zu dem Thema abgebrochen, die Entscheidung vertagt worden. „Wir müssen es uns überlegen“, sagte Ehrich. „Wird es in dem Gebäude wieder Gastronomie geben, finden wir jemanden, der es macht, oder wollen wir Wohnbebauung zulassen?“

Das über 100 Jahre alte Gebäude mit großem Biergarten in exponierter Lage hoch am Ufer des Nord-Ostsee-Kanals, über viele Jahre beliebtes Lokal und Ausflugsziel, ist während der vergangenen Jahre heruntergewirtschaftet worden. Nun besteht dringender Sanierungsbedarf, die Betriebskosten sind enorm. Eigentümerin Eldrid Wollenhaupt hat eine Abrissgenehmigung beim Kreis beantragt und erhalten. Architekt Jens Lassen stellte seine Idee noch einmal vor. „Es ist bisher nur eine Idee“, betonte er mehrfach. Er hatte ein Modell dazu erstellt und mitgebracht. Auf 300 Quadratmetern könnten danach zwei Doppelhäuser und zwei Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 15 Wohneinheiten entstehen. Zwei- bis dreigeschossig, jedoch deutlich niedriger als die Villa Hoheneck mit 31 Metern Gebäudehöhe und 34 Metern Turmhöhe. Jede Wohnung erhält einen Tiefgaragenplatz. Insgesamt sind zwischen 31 und 40 Stellplätze vorgesehen. „Viel weiter sind wir noch nicht“, sagte Jens Lassen. Das alte Gebäude mit 650 Quadratmeter Nutzfläche, 100 Sitzplätze innen und weitere draußen sei lange auf dem Markt gewesen. Monatlich müssten 5000 Euro, wegen des Sanierungsbedarfs sogar 8000 Euro erwirtschaftet werden. „Die Zeit das Haus zu halten ist leider abgelaufen.“ Städtebaulich gebe es verschiedene Ansätze, fügte er an. „Aber es muss wirtschaftlich sein. Wir wollen das bauen, was für alle Seiten etwas Gutes bringt.“

Stadtplaner Oliver Kühle gab an, dass der vorgestellten Idee städtebaulich nichts entgegen stehe. Das derzeitige Sondergebiet Gastronomie und Hotel müsse in einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan für die Wohnbebauung geändert werden. Der Bauausschussvorsitzende Gerhard Hirschfeld (AWG), gebrannt durch die Kapitänsvillen, störte sich nach wie vor an der massiven Bauweise. „Die Häuser wirken massiv, auch wenn sie niedriger sind, als die jetzige Villa.“ Das sei seine Angst. „Dass jetzt solche Klötze da entstehen, finde ich ein Unding“, meinte auch eine Anwohnerin. „Das fing bei den Kapitänsvillen an und geht jetzt weiter.“ Es stehe so viel Wohnraum leer. Wenn, dann wünsche sie sich dort Einfamilienhäuser. Mehrere Anwohner vermuteten vor allem wirtschaftliche Interessen hinter dem neuen Projekt. Sie glaubten nicht, dass Gastronomie dort keine Chance habe, wollten die Villa Hoheneck als Kulturdenkmal erhalten, schlugen alternativ eine Umnutzung vor. Nur wenige Einwohner ergriffen Partei für Projektentwickler Sven Olsen. „Das ist ein kreativer Typ“, meinte einer. „Der könnte auch woanders planen. Halten Sie sich offen. Sonst geht hier womöglich eine Chance verloren. “

Nach zwei Stunden, als sich die Diskussion anfing im Kreise zu drehen, brach Bürgermeister Carlo Ehrich ab. „Es war eine leidenschaftliche und faire Diskussion“, dankte er. „Und es ist heute bestimmt nicht das Ende.“ Am 21. Januar gibt es eine Einwohnerversammlung mit dem Thema, am 26. Januar beschäftigt sich erneut der Bauausschuss, am 28. Januar die Gemeindevertretung mit der Problematik.

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