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Eckernförder Zeitung

24. August 2017 | 11:06 Uhr

Sensibles Thema : Mobbing in neuer Dimension

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Gleichstellungsbeauftragte des Amtes Dänischer Wohld initiiert Vortrag zum Cybermobbing.

Morddrohungen, Beleidigungen und Psychoterror im Internet sind häufig. Wo bekommt man Hilfe? Was ist zu tun? Wie geht man damit um? Antworten auf diese und ähnliche Fragen erhielten 30 Schüler, Eltern, Lehrer und Erzieher beim Vortrag von Diplom-Sozialpädagogin Mareike Häseker, zu dem Petra Hlavka, Gleichstellungsbeauftragte des Amtes, eingeladen hatte.

Bei einem schlechten Umgangston, Rangordnungskämpfen oder dem unangemessenen Austragen von Konflikten handelt es sich noch nicht um Mobbing, betonte Häseker, deren Schwerpunkte (Cyber-)Mobbing, Medienpädagogik und Gewaltprävention sind. „Es sind über einen Zeitraum von drei bis sechs Monaten ausgetragene offene oder verdeckte aggressive schikanöse Handlungen an eine Person, die verbal oder körperlich unterlegen und machtlos ist.“ Das hätte es auch früher schon gegeben. Sei es beim Sportverein, auf dem Weg zur Schule, im Klassenzimmer oder auf dem Pausenhof. Durch die Möglichkeiten im Internet hätte es nun jedoch ganz andere Dimensionen angenommen. Das so genannte Cyber-Mobbing trifft die Opfer rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr. Böse Kurznachrichten auf dem Mobiltelefon nachts oder gleich nach dem Aufwachen – die Betroffenen haben keine Zufluchtsorte mehr, an denen sie weit weg sind. Innerhalb kürzester Zeit können die Attacken weltweit verbreitet werden. Zudem sind die Täter anonym und könnten sich leicht eine andere Identität zulegen. Aufgrund des Glaubens nicht entdeckt zu werden, sinkt die Hemmschwelle vor Grenzüberschreitungen. Bei einer Anzeige würden zwar bis zu etwa 80 Prozent von der Polizei gestellt werden können, doch Umwege über verschiedene Datenwege könnten das verhindern. Häseker betonte, dass bei fast allen ein Bezug zur Realität da sein würde und die Betroffenen versuchen müssten, ihr Umfeld einzugrenzen. Wer könnte es sein?

Mobbing läuft in drei Schritten, erklärte Häseker. Der Täter, der oftmals neidisch ist oder selbst ein Problem im Elternhaus oder Minderwertigkeitskomplexe hat und auf Anerkennung und Macht aus ist, attackiert sein Opfer und testet die Reaktionen. Hier wäre es an Mitschülern und Freunden, sofort einzugreifen und die Übergriffe zu verhindern. Dann wäre es vorbei. Hätten sie nicht den Mut, würde häufig eine Beteiligung folgen. Durch das Abwehrverhalten des Betroffenen sei die Gruppe schließlich überzeugt, dass er es auch verdiene – ein Teufelskreis beginnt.

Laut Statistik würden 80 Prozent der Mobbingfälle im Schulkontext stattfinden. Hier seien auch die Lehrkräfte gefordert. Sie seien zwar in der ersten Linie dafür zuständig, Wissen zu vermitteln, müssten aber in der Lage sein, Signale zu erkennen, betont Häseker. Vor Scham hätten viele Opfer nämlich oft nicht den Mut, ihr Problem mit anderen zu teilen. Verschlechterung der Leistung, häufiges zu spät Kommen, offensichtliche Hänseleien sowie allgemein verändertes Verhalten, könnten ein Hinweis sein – für Eltern und Freunde auch gesundheitliche Probleme sowie Schlaf- oder Störungen des Essverhaltens. Die Lehrer seien auch Teil des Systems. Wenn sie nicht einschreiten, würde sich der Täter bestätigt fühlen. Beim Opfer steigt die Hilflosigkeit. Somit rät Häseker, Gespräche im Kollegium zu führen um Transparenz zu schaffen, dem Täter Grenzen zu setzen, dem Opfer beizustehen und ein Klassenprojekt anzuleiten. In einem Gespräch mit der Tätergruppe soll eine Lösung erarbeitet werden, wie es dem Betroffenen besser gehen könnte. „Das Ziel ist, dass die Klasse sich wieder versteht und die Betroffenen keine Angst mehr haben, zur Schule zu gehen.“

Unter den Zuhörern befanden sich betroffene Eltern, bei denen diese Intervention eingesetzt wurde. Die Lehrerin des betroffenen Kindes sei von Mitarbeitern der Gettorfer Awo instruiert worden. Dennoch hätte sich die Situation nicht gebessert. Häseker riet, nicht so schnell aufzugeben und die Awo weiter um Hilfe zu bitten. Das Verfahren anzuwenden sei nicht einfach, da es unter anderem auch auf die richtige Formulierung ankäme.

> Weitere Informationen unter www.schueler-mobbing.de, www.mobbing.seitenstark.de, www.juuuport.de, www.jugendschutz.net oder www.bundesrecht.juris.de.


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erstellt am 05.Okt.2013 | 06:58 Uhr

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