Nachts im Moor : Mitternachtsbesuch im Moor

Mit dem Klang seiner Violine lotste Helmut Herzog (l.) die Gruppe um Mitternacht durch das Verlandungsmoor am Kellersee in Weseby. Die −Teilnehmer erlebten das Moor mit allen Sinnen.
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Mit dem Klang seiner Violine lotste Helmut Herzog (l.) die Gruppe um Mitternacht durch das Verlandungsmoor am Kellersee in Weseby. Die −Teilnehmer erlebten das Moor mit allen Sinnen.

Eine ungewöhnliche Führung ins Kellersee-Verlandungsmoor bot der Landschaftsführer Karl Walther an. Mit einer Gruppe zog er mitternachts ins Moor, wo sie von Violinenklängen angelockt wurden. ZieL: Die Schönheit der Natur bei Nacht erleben.

shz.de von
02. Juni 2014, 06:00 Uhr

Kosel | „Ich will nicht das Ende sein!“ Die Stimme am Ende des mit Schlaufen versehenen Sicherheitsseils klingt kläglich. Vielleicht hat die Teilnehmerin der nächtlichen Moorführung zuvor Annette von Droste-Hülshoffs Gedicht gelesen und sich zuhause ein wenig vorgegruselt? „Unter jedem Tritte ein Quellchen springt/Wenn aus der Spalte es zischt und singt/O schaurig ist's übers Moor zu gehen/Wenn das Röhricht knistert im Hauche!“ Kurz Plätze getauscht, und los geht`s in Gummistiefeln und dickem Pullover, kurz vor Mitternacht: Karl Walther, zertifizierter Landschaftsbegleiter und Kenner des verlandeten Kollsees bei Weseby setzt sich an die Spitze des Seils und führt die Gruppe durch kleine Brüche und feuchte Wiesen an den Rand einer Moorlinse.

Kleine Lichter – Irrlichter gleich markieren den Sumpfgürtel am Fuße des Hügels. Die Gruppe möge einfach mal in die Stille horchen, die Sinne schärfen und auf Empfindungen achten, schlug Walther zu Beginn vor. Dass das nicht ganz klappt, liegt sicher an der Aufregung – obwohl, gruselig ist es gar nicht. Eher interessant; und schön. Am immer noch hellen Himmel stehen die Sterne, es duftet nach feuchtem Gras, ab und zu knackt ein Ast, an der Wasseroberfläche platscht es kurz und schnell. Plötzlich ein Krächzen! „Was ist das? Bist du ein Versunkener? Ein Frosch? Und da – ein Geist, mitten im Moor!“ Nach einer Pause wieder Krächzen, das sich dann, Note für Note, in wunderschöne Violinenklänge verwandelt. Das Ziel der Tour, eine sichere Stelle im Moor, wo Helmut Herzog, mit seiner Violine auf die Gruppe wartet.

Das Moor sei hier 1,50 Meter tief, weiß Walther und erzählt von den Schwierigkeiten der Menschen in früheren Jahrhunderten. Sie mussten das Moor durchqueren ohne die Alternative, einfach umzudrehen und ins Auto steigen zu können. Manch einer sei dabei denn auch versunken. Karl Walther, der diese durch das neue Schlei-Info- und Erlebniszentrum (SIEZ) initiierte Veranstaltung zum dritten Mal durchführte und sich für einen kleinen Info-Standort in Weseby stark macht, möchte mit der mitternächtlichen Wanderung eins erreichen: „Ich möchte zeigen, dass das Moor – auch durch die Scheu des Menschen, den Grusel vor seinem lebensgefährlichen Charakter – in vielen Gegenden die letzte, unberührte Landschaft darstellt.“

Einigen Teilnehmern aus Schleswig und dem Allgäu hat das alles so gut gefallen, dass sie am nächsten Tag wieder dabei sein wollen – bei einem Ausflug nicht nur ans Moor, sondern direkt auf die Moorlinse – und bei Licht.

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