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3D-Erlebnisse im Fulldome : Mittendrin in den Meereswirbeln

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Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Meeresfilmer Daniel Opitz und das Helmholtz-Zentrum Geesthacht zeigen beim Naturfilmfestival Green Screen 3D-Filme in einer mobilen Kuppel am Hafen. Die Zuschauer erleben die Unterwasserwelt hautnah, sie sind mittendrin.

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erstellt am 02.Sep.2015 | 06:50 Uhr

Eckernförde | Naturfilmer wie Daniel Opitz aus Kiel und Forscher wie der Ozeanograf Prof. Dr. Burkhard Baschek vom Helmholtz-Zentrum Geesthacht (HZG) sind gerade dabei, ihren ganz großen Traum zu verwirklichen: die Forschung erlebbar zu machen, und zwar auf spektakuläre Weise mit atemberaubenden 360-Grad-Bilder in großen Kuppelsälen. Der Naturfilmer liefert die Bilder, der Wissenschaftler die Technik und die Erkenntnisse. Das Ergebnis der Zusammenarbeit ist ein offenbar fulminantes Werk von neun intensiven Minuten in Rundum-Erlebnisoptik über die ebenso faszinierenden wie unerforschten Meereswirbel, bei dem die Betrachter mit allen Sinnen in die Unterwasserwelt eintauchen und mitten drin sind im Fluss und Sog der Wirbel. Der Titel: Uhrwerk Ozean“. Der komplett animierte Film soll das Bewusstsein der Zuschauer für die Meere schärfen, Begeisterung wecken und Forschung und Wissenschaft auf eine faszinierende Weise für alle erlebbar machen. Nach der Premiere im Hamburger Planetarium ist das 360-Grad Fulldome-Erlebnis nun auch erstmals in Schleswig-Holstein zu erleben: Das 9. Internationale Naturfilmfestival bietet das Forum, vom 10. bis 14. September wird „Uhrwerk Ozean“ durchgehend von 13 bis 18 Uhr in der mobilen Kuppel am Hafen zu sehen sein – kostenlos und ohne Anmeldung. Mit im Programm ist ein achtminütiger Film von Daniel Opitz in 360-Grad-Technik über einen Arbeitstag auf dem Forschungsschiff „Ludwig Prandtl“ des Helmholtz-Zentrums. Das Schiff wird auch während des Festivals im Eckernförder Hafen liegen und kann besichtigt werden.

Der Pressesprecher des Helmholtz-Zentrums Geesthacht, Dr. Torsten Fischer, und der Gründer und Kopf von Ocean Mind in Kiel, Meeresfilmer Daniel Opitz, haben ihr Projekt gestern bei der Auftaktpressekonferenz des Naturfilmfestivals Green Screen mit Markus Behrens und Michael van Bürk im Ostsee- Info-Center vorgestellt. In der aufblasbaren Medienkuppel des Helmholtz-Zentrums werde „Kino der Zukunft“ gezeigt, sagte Green Screen-Pressesprecher van Bürk. Die Kuppel bietet ein 360-Grad-Erlebnis und versetzt die 40 Zuschauer, die dort bequem sitzend Platz finden, mitten hinein ins Geschehen. Gezeigt werden Meereswirbel, die in allen Weltmeeren zu finden sind und die aufgrund von Temperaturschichten, durch die Struktur des Meeresbodens oder durch Landbrechungen entstehen, erläuterte der Helmholtz-Sprecher. Die Wirbel seien mit dem bloßen Auge nicht zu sehen, könnten aber mit Hilfe von speziellen Kameras sichtbar gemacht werden. Eine noch sehr junge Disziplin, der sich der Ozeanograf Prof. Dr. Burkhard Baschek verschrieben hat. Unter seiner Leitung sind die Wirbel kürzlich erstmals mit Hilfe von Flugzeugen, Wärmebildkameras und speziellen Messgeräten, die mit Schleppketten durch die Wirbel gezogen werden, vermessen worden. Die kleineren sind drei Kilometer im Durchmesser, sie bewegen sich in 15 Minuten 200 Meter und lösen sich in sechs bis zwölf Stunden wieder auf – bis sich neue Meereswirbel bilden. Die „Wirbeljäger“, wie die Forscher auch genannt werden, erhoffen sich dadurch Erkenntnisse, wie die Wirbel den Energietransport und das Algenwachstum im Meer beeinflussen. „Wie die Räder eines Uhrwerks sind große Wirbel eng mit den Meeresströmen verzahnt. Den Satellitenbildern bleibt meist verborgen, dass sich nahe der Wasseroberfläche noch weitere, unzählige kleine Wirbel drehen. Sie sind nur wenige Kilometer groß und zerfallen innerhalb weniger Stunden. Diese kleinen, kaum erforschten Zahnräder haben einen großen Einfluss auf die Ozeanzirkulation und die Nahrungskette der Ozeane. Mit jeder Expedition verstehen die Wirbelforscher die Dynamik des Uhrwerks Ozean ein Stück besser“, sagt Torsten Fischer.

Und dieses Naturphänomen sollen die Zuschauer dank 360-Grad Filmprojektion hautnah erleben. Meeresfilmer Daniel Opitz hat den Film produziert, er ist fasziniert von den neuen technischen Möglichkeiten, die die Zuschauer mit hineinziehen in die Welten unter und über Wasser. Zu diesen Möglichkeiten zählt auch eine neue Virtual Reality Brille, in die man das Smartphone mit der entsprechenden App schieben kann, so dass sich direkt vor den Augen der Nutzer eine phantastische Welt auftut. Diese Brillen seien mittlerweile für 100 Euro erhältlich. Für ihn ist diese Art von 360-Grad-Filmerlebnissen, die den Betrachter mit allen Sinnen in die Naturwelten eintauchen lassen, das „Kino der Zukunft“. „Das ist atemberaubend und ein unglaubliches Erlebnis“, sagt Daniel Opitz. Vor allem im Bildungs-, aber auch im Unterhaltungsbereich sieht er ein „wahnsinniges Potential“ für die neue 360-Grad-Technik im Großen und Kleinen – mehr noch, als bei „den Gamern“. „Extrem spannend, die Menschen werden die Meere ihr Leben lang mit anderen Augen sehen“, ist der engagierte Naturfilmer und Wal-Experte überzeugt.

Opitz selbst arbeitet derzeit an der dreidimensionalen Wal-Trilogie „Whales in Mind“ für das Kuppel-Kino. In den nach Farben unterteilten Folgen begleitet er nacheinander in der Episoden Blau Buckelwale vor Hawaii, in der Episode Weiß Grönlandwale in der Arktis und beim Thema Schwarz Pottwale in der Tiefsee – Premiere 2017. Mit seiner Ocean Mind Foundation, dem „Verein für Meeresbewusstsein“, stellt Opitz direkt neben der mobilen Kuppel des HZG eine zweite Kuppel auf, in der die Walgesänge und Lichtinstallationen zu erleben sind.

>www.uhrwerk-ozean.de

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