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Wie vor 500 Jahren : Mittelalterliches Lagerleben am Strand

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Die Gemeinschaft Vulgus Viatores schlug am Wochenende ihr Heerlager in Kleinwaabs auf. Die Besucher konnten teilhaben am mittelalterlichen Leben zwischen Zelt und Lagerfeuer. Nach diesem erfolgreichen Auftakt soll die Veranstaltung wiederholt werden.

Waabs | Sie sind Busfahrer oder Erzieher, Pflegekräfte oder Sachbearbeiter – im normalen Leben. Sie verbindet die Leidenschaft für das Mittelalter und der Spaß daran, Menschen der hektischen, hochtechnisierten und schnelllebigen Zeit, das mittelalterliche Leben nahe zu bringen.

Die Gemeinschaft „Vulgus Viatores“ ist eine ebenso bunte wie engagierte Gruppe, die am vergangenen Wochenende zu Gast bei Gerd und Elke Kleist am DLRG-Strand in Kleinwaabs waren und den Kiosk „Meer und mehr“ in ganz besonderer Weise belebten. Drei Tage lang entführten die Mittelalter-Liebhaber Menschen jeden Alters in das Jahr 1227 – ungefähr in die Zeit der Schlacht von Bornhöved –, und zeigten anschaulich, wie die Menschen damals ihren Alltag meisterten, was ihnen dafür zur Verfügung stand und wie wenig sie dafür brauchten. Dabei ging es nicht nur ums Kämpfen oder Kochen, sondern auch um die Nahrungsbeschaffung und die Jagd. Die Erwachsenen dokumentieren in ihren verschiedenen Rollen und Lieblingskostümen einen Zeitraum von rund 800 Jahren. „Wir stammen aus unterschiedlichen Jahrhunderten und Gegenden“, sagte Gemeinschaftsgründer Marc Plagmann, der vor vier Jahren die Idee zur Gründung der Mittelaltergruppe hatte und einen bundesweiten Aufruf startete. Er selbst schlüpft in die Rolle eines Schotten aus dem 16. Jahrhundert, fügt sich aber nahtlos in die Reihe derer ein, die schon 1227 dabei gewesen hätten sein können.

Das Motto der Gemeinschaft ist der gemeinsame Zug entlang des mittelalterlichen Ochsenwegs; Wandernde und Suchende seien sie und immer bereit, sich den Herausforderungen des mittelalterlichen Alltags zu stellen. Mit dem ruhigen Wellengang der Ostsee im Rücken hatten sie nun ihr Heerlager in Kleinwaabs aufgeschlagen und für die vielen Gäste gab es viel zu sehen. Die mittelalterliche Küche mit der Feuerstelle im Zentrum, der Stand der Heilerin und Kräuterhexe Britta, die heilende Salben oder schützen Amulette anbot. Wer unter einer Schuppenflechte litt, hätte vor 800 Jahren eine Johanniskrauttinktur erhalten oder eine Ringelblumensalbe gegen Verstauchungen. „Vieles, was wir heute selbstverständlich verwenden, war damals schon bekannt“, erklärt Britta Plagmann die Kräuterhexen-Apotheke und verweist auf die Beinwell-Creme, die wir auch heute gegen Schmerzen verwenden.

Das Hacken von Holz für die Feuerstelle, das Erhalten des Feuers oder die Waffen- und Kleiderherstellung – alles wurde den Besuchern anschaulich vorgeführt. Mit viel Geduld und Ruhe. Inken Jensen-Klose hatte nicht nur ihr Spinnrad mitgebracht, sondern auch Utensilien zum Filzen. Unter ihrer Anleitung fertigten Kinder Spielsachen wie farbenfrohe Drachenaugen oder Schmuck. Zu sehen gab es auch Westen und Mützen oder allerlei Dekoratives. Ein kleiner, feiner Barfußpfad lud Groß und Klein ein, die Schuhe auszuziehen und den verschiedenen Untergründen nachzuspüren. Specksteinschleifen oder Kubb-Spielen, Stockbrot rösten oder Nadelbinden – alles konnte ausprobiert und selbst gefertigt werden. Mit der Musikergruppe „Saitenwanderer“ hatte die Gemeinschaft Vulgus Viatores Musiker an den Strand gebracht, die Musik vom Volke aus verschiedenen Jahrhunderten spielten. Sie machten das mittelalterliche Ambiente perfekt.

Das Wochenende am Waabser DLRG-Strand wurde durch das mit allen Sinnen zu erlebende mittelalterliche Heerlager spürbar entschleunigt. Die Uhr einfach nicht beachten und den Feinsinn und die Leidenschaft der Gruppe Vulgus Viatores nachempfinden – wer Lust auf ein Zeitreiseexperiment hatte, kam voll auf seine Kosten.

Die Gastgeber, Gerd und Elke Kleist, waren sichtlich erfreut über diese besondere Attraktion an ihrem Kiosk. „Die Kinder sind ausgeglichen“, stellte Gerd Kleist fest. Besonders die freundlichen und höflichen Umgangsformen und das gesellige Miteinander in der Gruppe fielen dem Ehepaar auf. „Die Gemeinschaft zeigt uns allen, wie wohltuend es ist, offen zu sein für neue, positive Dinge und so dem Alltag für eine kurze Zeit zu entkommen“, sagte Elke Kleist. Die beiden freuen sich schon darauf, die Zeitreisenden im nächsten Jahr wieder zu Gast zu haben.

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