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Mitleid mit der Ministerriege und klimatische Erkenntnisse

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Über 500 Gäste bei der Eröffnung des Naturfilmfestivals Green Screen / Kritik an der Landesregierung

von
erstellt am 11.Sep.2015 | 06:39 Uhr

Mit kräftigem Rückenwind, einem hochkarätigen Programm und einer großen Vielfalt an Themen und Bildern ist das Internationale Naturfilmfestival am Donnerstagabend in der mit über 500 Gästen vollbesetzten Stadthalle ins neunte Jahr gestartet. „Herzlich willkommen zum größten jährlich stattfindenden Naturfilmfestival in ganz Europa!“, rief Eckernfördes Bürgermeister Jörg Sibbel den Gästen zu. In der ersten Reihe jedoch fehlten zwei prägende Persönlichkeiten: der verstorbene Motor und Lenker des Festivals, Jochen Hillers, und Inge Sielmann, die mit Stil und Ausstrahlung viel für das Eckernförder Festival getan hat. Aus gesundheitlichen Gründen kann die 85-Jährige diesmal nicht dabei sein. „Darüber sind wir und Inge Sielmann sehr traurig“, sagte die neue Vorsitzende des Fördervereins, Ulrike Lafrenz.

Bürgermeister Sibbel sprach öffentlich Klartext. In den Vorjahren hätten Minister und der Ministerpräsident Green Screen in ihrem Grußworten hoch gelobt, aber alle Kunst der Rhetorik einsetzen müssen, „um eine erhoffte finanzielle Unterstützung seitens des Landes zwar nicht als undenkbar auszuschließen, aber auch keinesfalls zuzusagen“. Die Organisatoren hätten immer „mit den sich windenden Landesvertretern sehr gelitten und daher beschlossen, in diesem Jahr keinen von ihnen dieser Tortur auszusetzen“. Green Screen habe sogar erwogen, so Sibbel, „aus der Finanz-Not eine Tugend zu machen und dem Festival analog zu Qualitätshinweisen auf Lebensmitteln wie ’zuckerfrei’ oder ’gentechnikfrei’ das Prädikat ’garantiert landesmittelfrei’ zu verpassen.“ Davon sei dann aber Abstand genommen worden, weil das Land mit seinen 2,8 Millionen Einwohnern ja das Preisgeld für den Preis „Wildes Schleswig-Holstein“ in Höhe von 5000 Euro bereitstelle. Alle Landespolitiker seien aber herzlich eingeladen, sich aus freien Stücken Gedanken zu machen, „wie dieses für das Land durchaus bedeutende Festival dauerhaft gesichert werden kann“. Die Stadt Eckernförde mit ihren 22  000 Einwohnern unterstütze Green Screen stattdessen mit 50  000 Euro jährlich, „und wird das auch weiterhin tun“, versprach der Bürgermeister. In Anspielung an Gerald Grotes Gedanken über die Tierwelt in seinem Geleitwort zum Festival wünschte Sibbel den Festivalmachern alles Gute bei der Suche nach „einem bestimmten Tier, dem Geldhahn“. Bis dahin sollten die Green Screener weiter begeisterungsfähig und kreativ bleiben und die Welt nach Eckernförde holen.

Den politisch verwaisten Platz am Rednerpult nahm gestern Abend der Leiter des Forschungsbereichs Ozeanzirkulation und Klimadynamik und der Forschungseinheit Maritime Meteorologie am Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel (Geomar), Professor Dr. Mojib Latif, ein. Der renommierte Klimaforscher ging auf den Meeresspiegelanstieg und die Erderwärmung ein. „Beides kann uns nicht egal sein, auch wenn zunächst andere Länder wie Bangladesh betroffen sind. Es kann keine Gewinner geben, nur Verlierer“, warnte Prof. Latif vor den globalen Folgen, die sich alle irgendwann auch lokal auswirkten. Er habe den Eindruck, dass die Folgen des Klimawandels nicht ernst genug genommen werden. Das Meer sei bereits seit 1900 um 20 Zentimeter angestiegen, die Entwicklung werde sich weiter beschleunigen. Verursacher seien die Industrieländer, die Kohlendioxid freisetzen. Latif sprach von einer „räumlichen und zeitlichen Entkopplung von Ursache und Wirkung“, und die sei für die Welt verhängnisvoll. Der Klimaforscher untermauerte seine Ausführungen mit zwei kurzen Filmen zur Temperaturentwicklung und zur Eisschmelze in Grönland und der Antarktis.

>Mehr über die Festivaleröffnung in der morgigen Ausgabe


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