zur Navigation springen

Fischsterben in SH : Mit Video: Massenhaft tote Fische an Ostseestränden

vom
Aus der Onlineredaktion

Das Fischsterben in der Ostsee breitet sich aus. Der Westwind sorgt für einen mangelnden Sauerstoffgehalt im Wasser.

shz.de von
erstellt am 14.Sep.2017 | 14:45 Uhr

Eckernförde | Am östlichen Naturstrand in Eckernförde sind am Dienstag zahlreiche tote Fische angespült worden. Besonders am Hundestrand und an der Wehrtechnischen Dienststelle (WTD) 71 lagen die Kadaver haufenweise: Dorsche, Plattfische und  Meerforellen, aber auch Klippenbarsche, Sandaale, Grundeln, Garnelen und Seestichlinge. Als Ursache für das massenhafte Fischsterben wurde ein extremer Sauerstoffmangel in dem Bereich der Ostsee ausgemacht.

Inzwischen melden sich Leser aus anderen Teilen Schleswig-Holsteins bei uns, und berichten von weiteren toten Fischen.

<p>Auch in der Flensburger Förde bei Holnis schwimmen die toten Fische an der Oberfläche. </p>

Auch in der Flensburger Förde bei Holnis schwimmen die toten Fische an der Oberfläche.

Foto: André B.
 

Durch Südwestwind wurde sauerstoffarmes Wasser hochgewirbelt. Messungen am Vormittag ergaben einen Sauerstoffgehalt von 0 Prozent im Wasser, hieß es vom Ostsee Info-Centers (OIC) am Eckernförder Strand. „Das haben wir noch nie erlebt“, sagt Umweltpädagogin Ulla Grebe-Schmitz. Ein normaler Wert sei etwa 86 Prozent.

Eine tote Aalquappe zwischen kleineren, ebenfalls toten Fischen.

Eine tote Aalquappe zwischen kleineren, ebenfalls toten Fischen.

Foto: Daniel Friederichs

Als Ursache für den niedrigen Sauerstoffgehalt im Wasser gab Grebe-Schmitz die Windverhältnisse mit einer einhergehenden Umschichtung des Wassers in der Bucht an. „Starker Südwestwind hat das Oberflächenwasser gegen das Borbyer Ufer gedrückt. Dort ist es in die Tiefe geflossen und hat das sauerstoffarme Tiefenwasser nach oben verdrängt.“

 

Zusätzlich sei das Ostseewasser zu nährstoffreich. „Es gibt zu viel organisches Material, so dass sich das Plankton stark vermehrt. Was jedoch nicht gefressen wird, stirbt ab und verbraucht im Fäulnisprozess Sauerstoff.“ Entsprechend extrem ist mit -193 Millivolt der sogenannte Redox-Wert, der unter anderem diesen Prozess abbildet. „So niedrig war er bislang noch nie“, sagt Ulla Grebe-Schmitz.

Ein toter Plattfisch und andere Fische zwischen Steinen.

Ein toter Plattfisch und andere Fische zwischen Steinen.

Foto: Daniel Friederichs

Wenn die Fische keinen Sauerstoff mehr zum Atmen haben, schwimmen sie oft an die Oberfläche, wo der Sauerstoffgehalt für gewöhnlich höher ist. So konnten Passanten am Dienstagvormittag einen Schwarm kleiner Dorsche im Becken des Jaich-Hafens beobachten, der sich dicht unter der Wasseroberfläche hielt – ungewöhnlich, sind diese Fische doch für gewöhnlich am Meeresgrund zu finden. Die Fische bewegten sich nur wenig, wahrscheinlich, weil ihnen aufgrund des Sauerstoffmangels die Kraft fehlte.

Weitere angespülte Fische, die tot am Strand liegen.

Weitere angespülte Fische, die tot am Strand liegen.

Foto: Arne Peters

Das Phänomen tritt immer wieder auf. Das letzte Mal hatte es im Dezember 2016 am Eckernförder Strand massenhaft tote Fische gegeben. Ungewöhnlich war diesmal, dass so viele Dorsche tot am Strand zu finden waren, deren Bestand ohnehin stark dezimiert ist. In den Jahren zuvor waren es in erster Linie Plattfische, die an dem Sauerstoffmangel starben. Für das jetzige extreme Ausmaß hat Ulla Grebe-Schmitz nur eine Vermutung: „Wir hatten wenig starken Westwind, der immer wieder salz- und sauerstoffreiches Wasser von der Nordsee in die Ostsee gedrückt hat. Das fehlt jetzt.“ Und: „Wir hatten nur wenig Ohrenquallen in diesem Sommer. Sie fressen ordentlich Plankton.“ Generell sei in den vergangenen Jahren ein Trend zu beobachten: Während sauerstofffreie Zonen früher in Tiefen ab 20 Metern zu finden waren, kommen sie jetzt teilweise schon ab 12 Metern vor.

Eine tote Lachsforelle am Strand.

Eine tote Lachsforelle am Strand.

Foto: Daniel Friederichs

Auch aus dem Germaniahafen in Kiel seien bereits tote Fische gemeldet wurden, teilte das Umweltministerium am Dienstagnachmittag mit. Aufgrund der Windvorhersagen - Sturm aus Südwest - sei in den nächsten Tagen noch mit weiteren Vorfällen auch in der Flensburger Förde und Lübecker Bucht zu rechnen.

Noch lebende Fische vom Strand wieder ins Wasser zu werfen, bringt laut der Umweltpädagogin nichts. Auch dort werden sie verenden. Theoretisch könne man die noch lebenden Fische also verwerten, wenn man sie fachgerecht töten kann. Vom Verzehr der schon tot am Strand liegenden Fische rät sie jedoch ab. „Man weiß ja nicht, wie lange sie schon tot sind.“ Für die Entsorgung der toten Fische seien die Behörden der Abfallentsorgung zuständig, „manchmal sind auch die Möwen - bei überschaubaren Mengen - schneller“.

Hunderte Fische verendeten im Wasser.

Hunderte Fische verendeten im Wasser.

Foto: Daniel Friederichs
 
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen