Unter die Lupe genommen : Mit Stift und Block, aber ohne Zollstock

Prüfende Blicke: (v.l.) Magrit Rose-Thießen, Petra Neumann und Uwe Thomsen begutachten den Garten von Benny Niebuhr.
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Prüfende Blicke: (v.l.) Magrit Rose-Thießen, Petra Neumann und Uwe Thomsen begutachten den Garten von Benny Niebuhr.

Kleingartenbegehung für den Kreiswettbewerb in Eckernförde: Die Kommission bewertet die kleingärtnerische Nutzung in den Kolonien.

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14. Juli 2015, 05:52 Uhr

14 Kolonien, rund 800 Parzellen – die Bewertungskommission bekam am Wochenende beim Rundgang durch die Eckernförder Kleingärten die ganze Bandbreite kleingärtnerischen Schaffens zu sehen: vom liebevoll gepflegten Nutzgarten bis hin zum verwilderten Durcheinander. Mit Block und Bleistift machten sich die drei Kommissionsmitglieder Margrit-Rose Thießen, Uwe Thomsen und Wilhelm Dittmer ihre Notizen, was gefiel und was nicht. Galt es doch schließlich, den schönsten Garten jeder Kolonie und die Kandidaten für den Kreiswettbewerb zu ermitteln. Begleitet wurden sie vom Vorsitzenden des Kleingartenvereins, Hermann Brütt, Kreisverbandsfachberaterin Petra Neumann, dem Kreisvorsitzenden Bernd-Holger Naujeck, dem stellvertretenden Kreisvorsitzenden Uwe Bengius sowie Vereinsfachberaterin Herta Voigt.

In der Kolonie Küster, der ältesten Kleingartenkolonie in Eckernförde, begleitete sie der Obmann Rolf-Dieter Welzk. Und der war gerade nicht besonders gut auf seine Leute zu sprechen. An der Infotafel der Anlage hatte er um hohe Beteiligung beim Gemeinschaftsdienst gebeten. Die, die am Sonnabend nicht konnten, sollten Sonntag mitanpacken – doch niemand kam. „Das ist eine Frechheit gegenüber dem Obmann“, sagte Brütt, der aber auch betonte, dass es in einigen Anlagen durchaus anders gehe.

Einer, der täglich in seinem Garten ist und auf den sich Rolf-Dieter Welzk verlassen kann, ist Kurt Lützow. Der 78-Jährige hat seit rund 20 Jahren seine Parzelle in der Kolonie Küster an der Rieseyer Straße. Der Kommission fiel sofort das schöne Tagetes-Beet bei ihm auf. „Da sollen später Kartoffeln wachsen“, sagte Lützow. Und die Tagetes würden der Vermehrung der schädlichen Nematoden entgegenwirken. Gras findet man bei ihm hingegen kaum, „das will ich hier nicht“, sagte er. 2001 wurde sein Garten zum schönsten der Küster-Kolonie gewählt.

Eine vielfältige Nutzung, das ist es, was die Kommission in einem Kleingarten sehen möchte. „Abwechslungsreich muss es sein“, sagte Petra Neumann. Gemüse, Blumen, auch Rasen. Optimal seien ein Drittel Nutzgarten, ein Drittel Erholungsgarten und ein Drittel Terrasse und Laube. „Aber den Zollstock legen wir hier nicht an“, sagte Bewerterin Margrit-Rose Thießen aus Bordesholm. Nadelbäume oder Koniferen gehörten hingegen beispielsweise auch nicht in den Kleingarten. Die Bäume schauten sich die Kommission auch genau an. „Der Baumschnitt werde oftmals vernachlässigt“, bedauerte sie, dabei biete der Verband doch regelmäßig Seminare dazu an. In einem Garten wuchs auf einer großen Fläche Ackerschachtelhalm, auch der habe da nichts zu suchen. In einigen Hecken wucherte die Ackerwinde, die müsse man schnell zu packen bekommen, meinte Thießen, ansonsten drohte das Unkraut die Hecke zu „erwürgen“. Entsetzt waren die Besucher auch von einem leerstehenden Garten, hier wuchs das gefürchtete Jakobskreuzkraut einen guten Meter hoch. Obmann Welzk versicherte, noch am nächsten Tag das Problem anzugehen.

Beeindruckt waren alle auch von Benny Niebuhrs Garten. Die knapp 600 Quadratmeter bewirtschaftet er mit seiner Frau Marion genauso, wie es sich die Kommission vorstellt. „Das steckt viel Arbeit drin“, war Petra Neumann überzeugt. In selbst gebauten Hochbeeten wachsen verschiedene Kohlsorten und Wirsing. Es gibt eine Kräuterspirale, gepflegten Rasen und eine vielseitige Blumenpracht. „Ein Teich ist auch da“, sagt Thießen. Für sie ein Biotop, das vielen Tieren Lebensraum bietet. „Meine Frau übernimmt die Feinarbeit, ich bin eher fürs Grobe zuständig“, sagt Niebuhr über die eheliche Arbeitsteilung.
Besonderes Augenmerk lege die Kommission auf Biodiversität. „Die Vielfalt gibt Insekten Nahrung“, sagte Neumann. Einige Kleingärtner hätten in ihren Parzellen Insektenhotels und reichlich Wildblumen. „Mit Bienen im Garten hat man guten Ertrag“, betont sie. Einige seien sogar Hobby-Imker und würden ihre Völker im Garten haben.

Den Leerstand bei den rund 800 Gärten schätzt Uwe Bengius auf etwa sechs bis sieben Prozent. „Wir wünschen uns Familien mit Kindern“, sagt Brütt. Eine Verjüngung würde allen gut tun. Und Kinderlärm? „Kein Problem“, sagt er, „wir Kleingärtner sind tolerant.“

 
 

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