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Für Gleichgberechtigung : Mit starken Frauen aus der Armut

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Vortrag- und Diskussionsabend in Louisenlund über Gleichberechtigung in Afrika / Expertinnen appellieren für Förderung und Bildung der Frauen

von
erstellt am 10.Mär.2016 | 06:17 Uhr

Afrikas Zukunft ist weiblich – zu diesem Schluss sind Prof. Dr. Christa Randzio-Plath, Brigitte Köker-Zalewski und ihre Tochter Alina Zalewski längst gekommen. Anlässlich des Internationalen Frauentages sprachen die drei am Dienstagabend in der Kunst- und Kulturhalle Louisenlund vor rund 70 Schülern und Gästen über die Situation der Frauen in Afrika und vertane Chancen auf ein besseres Leben.

Die Juristin und Journalistin Christa Randzio-Plath (75) saß drei Jahre in der Hamburger Bürgerschaft und war von 1989 bis 2004 Mitglied im Europäischen Parlament. Sie ist Vorsitzende des Marie-Schlei-Vereins, der Frauenbildungsprojekte in Afrika, Asien und Lateinamerika unterstützt. Brigitte Köker-Zalewski aus Ascheffel ist Geographielehrerin an der Internatsstiftung und beschäftigt sich speziell mit der Rolle der Frau in Entwicklungsländern. Sie betonte, dass es eine vollkommene Gleichberechtigung der Frau in keinem Land gebe. In vielen Ländern kämpfe man aber dafür, dass Frauen als soziale Wesen anerkannt werden.

Köker-Zalewski fasste zusammen, was die beiden anderen Referentinnen anschließend aus eigenen Erfahrungen berichteten. „Je höher der Bildungsgrad der Frauen, desto geringer ist die Säuglingssterblichkeit“. Gebildetere Frauen haben kleinere Familien, achten eher auf gesundheitliche Versorgung ihrer Kinder und sorgen dafür, dass sie eine Schule besuchen. In Afrika bauen Frauen 70 Prozent der Nahrungsmittel an, erhalten aber weniger als 10 Prozent der Kredite für kleinbäuerliche Betriebe und besitzen nur ein Prozent des Landes. „Sie haben kaum Zugang zu Land, Produktionsmitteln und Krediten“, betonte die Lehrerin.

Wenn Frauen bei politischen Entscheidungen und in Hilfsprojekten stärker berücksichtigt werden, ließe sich Ungerechtigkeit leichter überwinden, so die Feststellung aller drei Referentinnen. Die Förderung von Mädchen und Frauen bringe Entwicklungsgewinne für das Land. „Um Hunger langfristig zu besiegen, müssen Frauen gleichberechtigt sein“, sagte auch Randzio-Plath. Die Stärkung von Frauen sei entscheidend für den sozio-ökonomischen Wandel sowie im Kampf gegen Armut.

Das konnte Alina Zalewski vor Ort erleben. Die 24-Jährige war mit der Welthungerhilfe ein Jahr in Norduganda, arbeitete dort für ein Projekt, das sich für Frauen- und Kinderrechte einsetzt, um deren Leben durch Hilfe zur Selbsthilfe zu verbessern. Zwar würden 80 bis 90 Prozent der Kinder eingeschult werden, die Abbruchrate gerade bei Mädchen sei aber sehr hoch. DieSchule sei kostenlos, dennoch müssten Schulsachen angeschafft werden, die Geld kosteten. Stünde die Feldarbeit an, müssen die Mädchen mitanpacken oder im Haushalt helfen. Für Schule bliebe dann keine Zeit mehr. Auch spielten immer noch Zwangsheiraten eine Rolle. Zudem seien Vergewaltigungen an der Tagesordnung. „Die Frauen verdienen das Geld, müssen es aber dem Mann geben“, so Zalewski.

Die Menstruation der jungen Mädchen würde dazu führen, dass Mädchen der Schule fernblieben. Die Monatsblutungen seien oftmals noch verbunden mit wirren Mythen und viel Unwissen. Hygienieartikel fehlten meist. „Es wird nicht darüber geredet, erzähle Alina Zalewski. Aufklärungsarbeit war ein wichtiger Teil des Projektes in Uganda. Außerdem half die 24-Jährige, das Selbstbewusstsein der Frauen und Mädchen zu stärken und die über ihre Rechte aufzuklären und zum kritischen Denken aufzufordern. Sie begleitete Frauen bei Behördengängen, um die bürokratischen Hürden zu bewältigen, Land zu erwerben.

„Wenn es den Müttern gut geht, geht es auch den Kindern gut“, bestätigte Christa Randzio-Plath. „An den Frauen hängt alles“, davon ist sie überzeugt. Wenn man den Alltag von Frauen in Afrika sehe, wisse man, dass Talente verschwendet werden. „Bildung ist der Schlüssel der Entwicklung, sie ist auch ein Menschenrecht“. Mit Hilfe des Marie-Schlei-Vereins erwarben afrikanische Frauen beispielsweise eine Kühlkammer, um Lebensmittel, die auf dem Markt nicht verkauft werden konnten, frisch zu halten. „So erzielten die Frauen letztlich höhere Erträge“, berichtete sie. Mit ihrem Verein versuche Randzio-Plath den Frauen in Entwicklungsländern deutlich zu machen, dass es sich nicht um ein individuelles Schicksal bei ihnen handele, sondern um eine gesellschaftliche Struktur, die es gemeinsam aufzubrechen gilt. 


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