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Flüchtlingshilfe : Mit Sprachpaten Deutsch lernen

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Willkommenskreis Rieseby blickt auf ein Jahr praktischer Hilfe zurück / Sprachpaten und Helfer werden gebraucht

Rieseby | Die materielle und existenzielle Not ist gebannt, inzwischen sind es eher Hürden des Alltags und die Verarbeitung von Traumata, die die Helfer des Riesebyer Willkommenskreises in ihrer täglichen Arbeit beschäftigt. Im Dezember des Vorjahres nahm der lose Zusammenschluss seine ehrenamtliche Arbeit auf, als in größeren Wellen rund 30 Flüchtlinge aus Syrien, Afghanistan und dem Westbalkan nach Rieseby und Umgebung zogen. „Helfer werden immer noch gebraucht, aber die Hilfe hat sich geändert“, sagt Christine Scheller. Gemeinsam mit Waltraut Folge und Cord Johannsen koordinieren sie die Arbeit des Kreises.

Man begegnete den Asylsuchenden auf der Straße, wusste wenig über sie und ihr Leben und fragte sich, „Wie kommen sie in der Fremde zurecht?“, berichtet Scheller. Und so wurde im Dezember zum ersten Helfertreffen mit Willkommenscafé in der Alten Post eingeladen. Das wichtigste für die ausländischen Gäste ist jetzt die deutsche Sprache. „Sprache ist das A & O“, sagt Folge und ist froh, dass der Helferkreis noch im Dezember 2015 über die VHS Rieseby Deutschsprachkurse anbieten konnte. Davon wurde fleißig Gebraucht gemacht, wissen die beiden und stellen fest, dass auch heute noch die Sprache der beste Weg zur Integration ist. Nach wie vor werden über die VHS Deutschkurse angeboten. Damit auch Mütter kleiner Kinder, die noch nicht in Kindergarten oder Schule betreut werden, die für sie völlig fremde Sprache lernen können, bieten sie parallel zum Unterricht eine Kinderbetreuung an. Kinder in Kitas lernen am schnellsten die Sprache, die Kinder in der Schule schon nicht mehr so schnell. Vor allem aber Erwachsene haben Probleme. Um ihren Sprachschatz für Ausbildung und Arbeit zu verbessern, benötigen sie Sprache, dafür sucht der Wilkommenskreis nach Sprachpaten. Auf der Grundlage eines einfachen Computerprogramms können Helfer einzelnen Flüchtlingen die Sprache vermitteln. Dies kann auch ganz bequem in der Alten Post erfolgen. Oder sie können die Familien besuchen und sich einfach nur mit ihnen unterhalten, wie Folge ergänzt. Sie hätten den Eindruck, dass viele der Geflüchteten gerne von ihren Erlebnissen berichten würden. Sie selber hätten schon dramatische Schilderungen gehört, welchen Gefahren für Leib und Leben die Menschen auf ihrem Weg nach Deutschland ausgesetzt waren, sagt Folge. Viele der Flüchtlinge würden jetzt, wo sie in Sicherheit sind und die größte Not behoben sei, zu sich kommen, wie Scheller beobachtet hat. Viele werden Traumata mitgebracht haben, die nun belasten.

In den ersten Monaten galt es für die rund 30 Helfer, den Flüchtlingen Einrichtung für ihre Zimmer und Kleidung zu beschaffen und sie auf dem Weg zu Ämtern und Behörden zu begleiten. „Dabei haben wir auch sehr viel gelernt“, sagt Folge. Es sei zuweilen zum Verzweifeln gewesen, wie langwierig Behördengänge und Antragsverfahren dauerten. „Ich weiß nicht, wie die Flüchtlinge dies ohne Hilfe hätten schaffen sollen“, stellen Scheller und Folge fest.

Heute geht es darum, die teils jungen Erwachsenen in Ausbildung oder Arbeit zu begleiten. Einige erfolgreiche Anstellungen ermutigen die heute nur noch rund 15 aktiven Helfer. Neben den Sprachpaten werden heute weiterhin Begleitungen zu Ärzten und Ämtern benötigt. Immer Bedarf gibt es nach Helfern, die Personen mit dem Auto, auch mal kurzfristig, zu Terminen fahren können, oder auch mal Kinder überraschend aus Schule oder Kita abholen können.

Wenn Folge und Scheller auf das erste Jahr zurückschauen, dann freuen sie sich über die vielen persönlichen Kontakte und Erfahrungen. Etwas mehr Interesse oder Wertschätzung für ihre ehrenamtliche Arbeit wünschen sich die Helfer aber von den politischen Parteien.

Bewährt hat sich seit Anbeginn das wöchentliche Angebot des Willkommenscafé in der Alten Post – als Treffpunkt, als Kommunikationspunkt und um die Kontakte zwischen Bürgern und Flüchtlingen, aber auch unter den Flüchtlingen zu verbessern. Doch auch hier wünschen sich die Helfer mehr Interesse der Bürger. Im Café wurden bereits zweimal „Falafel-Partys“ veranstaltet, bei denen die Gäste Leckereien ihrer Heimat servierten. Freude bereiten konnte der Helferkreis dank Spenden bei Kindern und Erwachsenen. So fanden verschiedene Aktivitäten im Laufe des Jahres statt. Höhepunkte waren Besuche im Barfußpark im Sommer und im Herbst die Fahrt in einen Tierpark.

Bei ihren Bemühungen stellen die Helfer immer wieder fest, dass die Sprache sehr wichtig ist. „Es gibt noch viel zu tun, wir dürfen nicht nach lassen in den Bemühungen zur Integration“, sagt Scheller.

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erstellt am 21.Dez.2016 | 06:13 Uhr

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