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Schulkonzepte : Mit Schlichtern, Hund und Chamäleon

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Grundschule Dänischenhagen findet für kleine Probleme, unruhige Klassen und Lernschwierigkeiten innovative Lösungen.

Dänischenhagen | Sie heißen Linus, Tade, Kimi, Bosse, Lea, Lina, Lilli, Sophie, Ida und Marleen. Sie gehen in die vierte Klasse der Grundschule und – sie haben einen wichtigen Job: Sie sind die Streitschlichter der Schule.

Wenn die Sandburg kaputt getreten wird oder die Mütze über den Schulhof fliegt, wenn jemand schubst oder hänselt – das alles kann ein Fall für die Streitschlichter werden. Nur wenige Grundschulen im Land können so ein Angebot vorweisen, berichtet Maike Doerenberg. Sie ist als Schulsozialarbeiterin für zehn Stunden in der Woche in Dänischenhagen. Gemeinsam mit Lehrerin Cornelia Riekers hat sie die Aufgabe übernommen, die Streitschlichter auszubilden. Die Mädchen und Jungs, die jetzt in die vierte Klasse gehen, gehören zu der ersten Generation und sie sind bereits fleißig im Einsatz. Die nächsten Schlichter aus der dritten Klasse sind auch fast fertig mit der Ausbildung und können starten.

Sie sollten aufgeschlossen, aber verschwiegen, zuverlässig und empathisch sein. Vorgeschlagen werden sie von der jeweiligen Klassenlehrerin, berichtet Doerenberg. Freiwillig bleiben die zehn Schüler pro Jahrgang ein Halbjahr lang für eine zusätzliche sechste Stunde da. Und nach der Ausbildung opfern sie, immer in Zweier-Teams, ihre große Pause für die Klassenkameraden, die in Streit geraten sind. Die Gespräche verlaufen vertraulich, eine Lehrkraft ist nicht dabei – erfährt auch hinterher keine Details. „Die Schlichter wirken als Mediatoren. Sie leiten die Schüler an. Die Lösung für ihr Problem sollen sie dann allein finden“, sagt Riekers. „Dabei sind sie total souverän“, kann Doerenberg bestätigen. „Sie sind voll anerkannt und nehmen ihre Aufgabe sehr ernst“, lobt sie. Am Ende wird alles protokolliert. Falls es um Gewalt oder Sachbeschädigung geht. sind sie aber nicht mehr zuständig. Doerenberg passt auf, dass sie nicht überfordert werden. Anerkennung gibt es auch bei den landesweiten Streitschlichtertreffen einmal im Jahr und von der Schulleitung: Der Einsatz der Streitschlichter wird ins Zeugnis eingetragen.

„Als ich meine erste Klasse übernommen hatte, hab ich gleich gemerkt, dass da einige Kinder – na, sagen wir mal, viel Potential haben“, sagt Hedda Dust und schmunzelt, „ein ziemlicher Hummelhaufen“. Sie war auf der Suche nach einem Weg, wie sie den Kindern die Schulregeln einfach und verständlich vermitteln könnte. Und sie fand, gemeinsam mit Maike Doerenberg, das Chamäleon Cornelius. Mit dem Stofftier gelang ihr ein neuer Zugang zu den Schülern. Mit Cornelius werden Spiele zu jeder Schulregel gespielt, durch die die Kinder sehen, welche Konsequenzen ein Verstoß für sie selbst hat: Ich kann Hörmemory nicht spielen, wenn es so laut ist. Oder ich kann nicht schnell zum Fluchtweg kommen, wenn alles so unordentlich ist. „Sie merken, was sie selbst stört und werden dadurch hellhöriger und sensibler für andere. Durch die Übungen mit Cornelius wachsen sie zusammen“, berichtet Dust. Die Regeln erlebbar machen - das sei nachhaltiger, ist sie sicher. „Inzwischen ist in meiner Klasse strukturiertes Arbeiten möglich. Und auch andere Lehrer haben mit Cornelius ein Handwerkszeug bekommen, mit dem sie bei Problemen reagieren können und das sie jederzeit wieder hervorholen können“, sagt sie.

Sehr beliebt bei den Schülern ist auch Schul- und Therapiehund Fiete. Der Mix aus altdeutschem Schäferhund und Labrador kommt seit drei Jahren zum Einsatz, wenn eine Klasse einmal außer Rand und Band gerät. Fiete kann seine ruhige Ausstrahlung allein durch seine Anwesenheit auf eine ganze Klasse übertragen. Wie das funktioniert? „Er ist einfach da und keiner will, dass er geht“, beschreibt Frauchen Maike Doerenberg.

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erstellt am 25.Jun.2016 | 06:31 Uhr

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