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Jugend musiziert : Mit Schalk, Charme und Talent

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

An den Drums, am Klavier oder an der Harfe – 650 Zuschauer sind begeistert vom Auftritt der jungen Musiker im Kuhhaus Altenhof.

„Hat dir Levi auch so gut gefallen?“ „Ja, sagenhaft!“ Die zwei Damen, die sich während der Pause über den ersten Teil des Konzertes im Altenhofer Kuhhaus unterhalten, sind sich einig. Levi Benjamin Petersen bezirzte nicht nur sie, sondern wohl alle 650 Zuschauer des 50. Preisträgerkonzertes von „Jugend musiziert“ mit Schalk und Charme. Auf die Frage von Moderatorin Christine Braun, der Vorsitzendes des Landesausschusses „Jugend musiziert“, was man sich unter „Boomtown Beats“ vorzustellen habe, antwortete der junge Schlagzeuger aus Neumünster schmunzelnd: „Machen Sie ihr Kopfkino an und spielen Sie die Filmmusik dazu.“ Und demonstrierte sowohl Talent als auch Temperament an einer Riesen-Bassdrum. Immer neue, immer längere Variationen erzeugt der blonde, superpräsente Fünfzehnjährige mit Händen, Drumsticks oder Besen. Als er zur Djembe wechselt, kommt – wie mutig – eine kräftige Stimme dazu und macht mit einer Art Sprechgesang bei „The gods of Rhythm“ klar, was er vorher ankündigt: „Jeder kann sich dem Rhythmus öffnen, egal welcher Kultur er angehört.“

Sagenhaft waren auch die elf anderen Interpreten. Friedrich Böcker (Klavier) und Birthe Dittberner (Querflöte) knipsten mit einer zeitgenössischen Sonatine von Silvia Sommer das Kopfkino zuvor schon an und illustrierten musikalisch kecke, springende Fohlen auf der Weide, einen Wechsel von Sommer zu Stürmen im Herbst mit im Wind tanzenden, wirbelnden Blättern oder einen bewegten Abschied von Freunden.

Dramatisch und traumhaft schön: Das Cellospiel von Lukas Schwarz, der einen ersten Preis im Landeswettbewerb gewinnen konnte. Von seiner Mutter am Klavier begleitet, präsentiert er das „Allegro“ aus dem Concerto op. 85 von Edward William Elgar, spielt ebenso schelmisch bis ausgeflippt wie sein Vorgänger auf der Bühne stand, die Humoreske von Rostropowitsch. Marie Bender und Lara Meyer-Struthoff aus Pansdorf/ bzw Geschendorf gewannen ebenfalls einen ersten Preis. Als Harfenensemble zupfen sie sich filigran und zart in die Herzen der Zuschauer, spieluhrgleich wirken die Sätze aus Francois-Joseph Nadermanns „Duo en Fantasie“; schillernde Seifenblasen, die zerplatzen, um wieder neu zu erstehen.

Die Zwillinge (13 Jahre) Julian (Klavier) und Nikolai Gast (Klarinette) aus Lübeck verstehen sich ohne Worte; sie gewannen die Kategorie „Duo Klavier/Holzblasinstrument“ und faszinierten den Saal mit dem vollen, warmen Klang ihrer Instrumente und vier Sätzen aus Niels Wilhelm Gades Fantasiestück op. 43. Das folgende Trio in der Kategorie Klavier-Kammermusik (Jakob Linowitzki/Klavier/17 Jahre, Jonathan Schwarz/Violine/17 Jahre, Lukas Schwarz/Cello/15 Jahre) konnte den Wettbewerb ebenfalls für sich entscheiden und brilliert mit „wunderbarer Kammermusik von Ludwig van Beethoven und einem Schmankerl von Schostakowitsch“, wie Christine Braun die beiden Stücke des Abends ansagt. Reif und virtuos, mit in den Gesichtern widergespiegelter Intensität erstreichen und erspielen sie sich verdiente „Bravo“-Rufe, nachdem die letzte Note verklungen ist. „Einfach genial, oder? Da bleibt einem der Atem weg“, leitet Braun über zur letzten Interpretin des Abends. Laura Koroliuk beweist auf der Geige, äußerlich cool und konzentriert, was für ein Temperament in ihr steckt, wie tief und ernst ein Stück von Jules Massenet („Meditation Thais“) sein kann und was für ein Tanz der Csàrdàs (von Vittorio Monti) ist: Schnell, schneller, leidenschaftlich, provokant, lockend, heißblütig. Ohne Zugabe lässt man sie nicht von der Bühne, bevor Christine Braun zusammenfasst, wovon der ausverkaufte Saal an diesem Abend Zeuge wurde: „Von 10 Prozent Talent und 90 Prozent Arbeit.“

Damit diese Arbeit und der Wettbewerb noch mindestens weitere 50 Jahre lang stattfinden kann, überreichte Förde Sparkassen-Chef Ulrich Boike ihr unter dem Beifall aller Freunde des Preisträgerkonzertes einen Scheck über 1500 Euro.



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erstellt am 23.Aug.2013 | 16:49 Uhr

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