Abenteuer : Mit Sack und Pack durch die Wildnis

Schon im Vorjahr waren Klaus und Doris Stüben mit zwei Hundeschlitten auf den Fjels in Schweden unterwegs. Jetzt starten sie am 19. Februar zur 1500 Kilometer „Vita Banded 2018“. Im April werden sie zurückerwartet.
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Schon im Vorjahr waren Klaus und Doris Stüben mit zwei Hundeschlitten auf den Fjels in Schweden unterwegs. Jetzt starten sie am 19. Februar zur 1500 Kilometer „Vita Banded 2018“. Im April werden sie zurückerwartet.

Koseler Ehepaar Klaus und Doris Stüben starten beim „Vita Banded 2018“ zur 1500-Kilometer-Tour durch Schweden.

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02. Februar 2018, 06:00 Uhr

Kosel | Seit gestern sind Doris und Klaus Stüben auf Tour. Das Ehepaar aus Kosel will mit sechs Alaskan Malamutes samt Lastschlitten und auf Skiern 1500 Kilometer durch den Winter Skandinaviens ziehen. Eine romantische Wanderung wird es für die 62 und 58 Jahre alten Outdoorfreunde sicher nicht. Das Abenteuer heißt für sie Lapplandquest und ist eingebettet in den schwedischen Winterwettbewerb „Vita Banded 2018“.

Am 1. September meldeten sie sich an, seitdem laufen die Vorbereitungen für die acht- bis neunwöchige Tour. Auf die Reisezeit kommt es ebenso wenig an, wie auf die Art der Fortbewegung, die die Teilnehmer für die Strecke wählen, solange es nur natürliche Mittel sind. In diesem Jahr haben sich neun Teilnehmer, darunter drei Paare, angemeldet. Stübens sind die einzigen, die mit Hunden und jeweils einem beladenen Pulka (Lastschlitten) starten. Da auch alle Starter zu verschiedenen Zeitpunkten ihre Reise beginnen, wird es eine einsame Tour werden. Sie werden tiefen Temperaturen, Wind und viel Schnee in menschenleeren Regionen ausgesetzt sein. „In diesem Jahr hat es extrem viel geschneit“, berichtet Doris Stüben. „Da werden die Hunde durch den Schnee schwimmen, aber das können sie.“

Praktische Erfahrungen für eine solche Winterreise durch die Wildnis sammelte das Paar im Vorjahr. Zu Testzwecken starteten sie ihre Tour „Gen Norden“, bei der sie 1042 Kilometer aus dem Jämtland bis nach Abisko in Lappland zurücklegten. „Da haben wir gemerkt, unser Zelt muss besser sein“, ergänzt Klaus Stüben. Auch wenn sie bemüht sind, in Hütten oder einfachen Zimmern zu übernachten, die Strecke führt durch weite menschenleere Bereiche, wo das Zelt ihr Zuhause ist. Aber auch andere Kleinigkeiten der Ausrüstung ersetzten sie für die neue Tour.

Am 19. Februar werden sie in Grövelsjön starten. Ihr Weg führt sie dann über den schwedischen Kungsleden (Königsweg) über eisige Fjels (Hochebenen), oft parallel zur norwegischen Grenze bis hinauf zum Dreiländereck (Norwegen, Schweden und Finnland) in Treriksröset, 150 Kilometer nördlich von Abisko.

Der Plan sieht vor, dass sie täglich 30 bis 50 Kilometer Strecke zurücklegen. Dabei werden sie am Ende der Tour über 20 000 Höhenmeter zurückgelegt haben. Noch fühlen sie sich fit, die Strapazen auf sich zu nehmen. Verlassen können sie sich dabei auf ihre Hunde. Auch sie sind jetzt noch alle in einem Alter, dass sie so eine Tour schaffen. Die ältesten beiden Tiere sind acht Jahre alt, zwei sind fünf und zwei sind zwei Jahre alt. Sie stammen aus Eigenzucht, die Doris Stüben 2010 mit der Hündin Soyala begann. Schon seit 1986 hatte sie klassische Huskys gezüchtet, war dann aber auf die Malamutes gewechselt, sie sind noch zäher. Für die Hunde sind die Pulkas, die mit Gepäck rund 80 Kilogramm wiegen, nicht ungewöhnlich. Stübens sind oft in ihrem Ferienhaus in Schweden und mit den Tieren im Winter unterwegs.

Zur Vorbereitung der Tour hat Doris Stüben zehn mal zehn verschiedene Essen vorgekocht, die sie in Wasser über dem Benzinkocher erwärmen werden. Sie wurden vakuumisiert. Zudem haben sie zig Kilogramm Obst gedörrt und damit 35 Kilogramm Studentenfutter mit fettreichen Nüssen abgepackt. Als Energiespender gehören außerdem 40 Tafeln Schokolade und weitere vegane Trockennahrung zum Vorrat. Da sie das alles einschließlich 150 Kilogramm Trockenfutter für die Hunde nicht alles mit sich führen können, haben sie den Vorrat aufgeteilt. Wenn sie jetzt nach Schweden fahren, werden sie Vorratspakete an neun Depots versenden. Schon im Vorjahr machten sie es so und holten die Sachen teils bei Privatleuten im Verlauf der Strecke ab, die die Kartons unter dem Küchentisch lagerten.

Ihre Route ist grob geplant. Vor Ort aber müssen sie schauen, welcher Weg der beste ist. Dabei werden sie gerne den ausgeschilderten Wegen und Scooter-Spuren folgen, mit denen die Menschen sich dort fortbewegen. Auf dem festgefahrenen Schnee laufen die Hunde einfacher und die Pulkas gleiten besser. Morgens nach dem Aufstehen gehört ihre Aufmerksamkeit erst den Hunden. Am Benzinkocher werden gut sieben Liter Wasser aus Schnee geschmolzen. Die Hunde bekommen Essen und Trinken, bevor die Koseler essen. Tagsüber greifen sie zu Studentenfutter und Schokolade und kochen erst abends. Auch da müssen sie sieben Liter Wasser schmelzen, die später zum Schmelzen von mehr Schnee genutzt werden. Auch hier werden erst die Hunde versorgt und dann sie. „Das ist ein ungeschriebenes Gesetz der Muschas“, berichtet Klaus Stüben.

Auch wenn Stübens gut vorbereitet sind, so haben sie doch auch an den Notfall gedacht. So haben sie zwei Überlebensschlafsäcke dabei, mit denen sie im Schnee liegend Sturm wärmeisoliert bequem bis minus 40 Grad Celsius überstehen können. Außerdem haben sie einen GPS-Notfallmelder dabei. Stüben: „Wir werden uns täglich einmal mit einer Position melden.“ „Und der Winter ist die beste Reisezeit für Schweden“, ergänzt Klaus Stüben. Da gibt es keine Mücken, keine Touristen und es ist trocken. Mitte April werden sie zurück erwartet.

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