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Traditionssegler : Mit Roald Amundsen um die Welt

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Der Traditionssegler liegt zwei Wochen im Heimathafen und wird überholt. Danach geht es mit einer Schulklasse in die Karibik.

shz.de von
erstellt am 05.Okt.2017 | 06:06 Uhr

Eckernförde | „Im beweglichen Gut haben die Finger nichts verloren.“ Die Anweisungen zum Aufentern sind knapp und bündig. Simone Hofeditz hat sie verinnerlicht. Die 42-Jährige gehört zur Stammcrew der „Roald Amundsen“ und klettert regelmäßig 30 Meter hoch in die Wanten.

Der Traditionssegler liegt nach einem mehrmonatigen Törn rund um die Ostsee wieder im Heimathafen Eckernförde. Am Tag der deutschen Einheit konnten sich Passanten bei einem „Open Ship“ aus nächster Nähe ein Bild von der 1952 als Fischerei-Logger gebauten Brigg machen. „Dieser Tag ist für uns etwas Besonderes“, sagt Ulrich Komorowski, einer der Kapitäne des Schiffes und technischer Inspektor des Betreibervereins „Leben lernen auf Segelschiffen“. Das Schiff ist nämlich ein DDR-Erzeugnis, wurde als Fischereifahrzeug gebaut und fuhr später als Versorgungsschiff der Nationalen Volksarmee. Nach der Wende wurde es an den Verein „Leben lernen auf Segelschiffen“ verkauft, umgebaut und als Brigg getakelt. Komorowski. „Der Tag der deutschen Einheit ist quasi die Geburtsstunde der Roald Amundsen.“

Ziel der Brigg ist das Segeltraining. „Es geht darum, das traditionelle Handwerk und die nautischen Fähigkeiten zum Betreiben eines solchen Schiffes zu erhalten.“ Gleichzeitig würden Reisen im Sinne der Völkerverständigung durchgeführt. 2500 Mitglieder zählt der Verein, 800 davon sind sehr aktiv, engagieren sich in ihrer Freizeit, übernehmen ehrenamtliche Aufgaben. Ulrich Komorowski zum Beispiel fährt jedes Jahr für einige Wochen als Kapitän auf dem Schiff – ehrenamtlich, so wie alle anderen Kapitäne, Steuerleute, Maschinisten oder Decksleute auch.

Wer als Einzelbucher für eine oder mehrere Wochen mitfahren möchte, muss für mindestens ein Jahr dem Verein beitreten und einen zusätzlichen Betrag zahlen. Zwei große Projekte betreut die „Roald Amundsen“ zurzeit: Sie nimmt in zwei Wochen eine Klasse des Hermann-Lietz-Internats auf Spiekeroog auf. Die 30 Schüler und vier Lehrer segeln mit der Crew ein halbes Jahr lang in die Karibik und zurück. „Sie werden an Bord unterrichtet“, so Komorowski. „High Seas High School“ heißt dieser für die Eltern nicht ganz billige Spaß. Bei einem zweiten Projekt mit dem Titel „veter i volny“ geht es im Sinne der Völkerverständigung mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen aus Russland und Deutschland inklusive Sprachmittlern rund um die Ostsee.

Für gewöhnlich fahren 48 Leute auf dem Schiff, davon 32 Gäste und 16 Mannschaftsmitglieder. Untergebracht sind sie in Zwei-Bett-Kojen. Das Leben ist einfach: „Jeder muss Aufgaben übernehmen, wobei niemand gezwungen wird, etwas zu machen, was er nicht kann“, so Komorowski. Dafür wird man mit atemberaubenden Erlebnissen belohnt: „Einmal schwamm ein großer Wal mehrere Minuten neben uns. Er drehte sich zur Seite, um uns mit seinem Auge anzusehen.“ Andere dagegen genießen es einfach, in die Wanten aufzuentern. Aber Vorsicht: „Im beweglichen Gut haben die Finger nichts verloren.“

> www.sailtraining.de

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