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Fische zählen : Mit Reuse, Netz und Elektrokescher

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Mit dem Elektrokescher wird der Fischbestand des Holtsees aufgenommen. Die geringe Artenvielfalt beunruhigt die Fachleute.

Zehn bis zwölf verschiedene Fischarten sollte ein intakter See haben, sagt Rüdiger Neukamm, beispielsweise Hechte, Barsche, Brassen, Aale, Stichlinge und Schleien. Der Diplom-Biologie der Hegegemeinschaft Nord-Ostsee-Kanal und des Landessportfischerverbands ist derzeit mit seinem Team auf dem Holtsee unterwegs, um den Fischbestand des rund zwei Hektar großen See zu bewerten. Den Kontakt zu den Fachleuten stellte der passionierte Angler Horst Möller aus Holtsee her. Um das erklärte Ziel der Gemeinde, die Wasserqualität zu verbessern, zu erreichen, müsse auch eine Fischbestandsaufnahme dazu gehören, so Möllers Motivation.

Neukamm hat über Nacht Reusen und Netze aufgestellt. Außerdem sind sie mit dem Elektrokescher im Wasser. Der Kescher steht unter Strom – er ist mit einem Generator verbunden. Durch das Wasser wird Gleichstrom, etwa 400 bis 600 Volt, geleitet. Die Fische, die sich im Stromnetz befinden, schwimmen in Richtung der Anode, wo sie mit dem Kescher eingesammelt werden. Dann wandern sie in einen der Bottiche. Am Ufer wird der Fang sortiert, gemessen und gewogen und anschließend wieder unversehrt in den See geworfen. „Das Wasser ist kalt, der Sauerstoffgehalt hoch“, sagt Neukamm. Die Fische sind fit und halten die Prozedur aus.“

Der See ist eigentlich für einen gesunden Fischbestand gut geeignet, meint Neukamm. Die Böschung am Uferbereich, der Wechsel zwischen flachen und tiefen Bereichen sowie die Trübung des Wassers böten gute Bedingungen. Umso überraschter war Neukamm dann aber, dass nach dem ersten Elektrofischen nur jede Menge Plötze und einige Aale gefangen wurden. Auch in der ersten Reuse steckten bereits nach zwei Stunden sechs, sieben Aale. Allesamt um die 80 bis 90 Zentimeter lang. „Bestimmt 20 bis 25 Jahre alt“, schätzte er das Alter der Tiere. Dennoch seien sie im Holtsee nicht glücklich. „Die wollen laichen“, sagte der Diplom-Biologe. Doch dafür müssen sie in den Golf von Mexiko. Über den Holtsee werden sie den Weg, der teils verrohrt ist, nicht finden. Also packten kurzerhand die Holtseer Horst Möller, Malte Näthke und Gernot Kaska die Tiere ein und entließen sie gestern in den Nord-Ostsee-Kanal.

Die geringe Artenvielfalt gibt Rüdiger Neukamm zu denken. Auch wenn gestern noch kein endgültiges Ergebnis der Bestandsaufnahme vorlag, so waren die ersten Fänge schon signifikant. Irgendwann wird es weitere Fischarten im Holtsee gegeben haben, sagt er, dann seien sie aber verschwunden und kämen von alleine nicht zurück. Auch alteingesessene Holtseer, wie Horst Möller und Hartmut Trimpler, erinnerten sich an Zeiten, in denen Zander und Karpfen gefangen haben. Eine Entfernung der Verrohrung, um die Durchlässigkeit wieder herzustellen, wäre optimal, so Neukamm, aber auch sehr teuer. Stattdessen werde er der Gemeinde empfehlen, den See mit Fischen zu besetzen. „Bei nur zwei oder drei Arten, droht der See zu kollabieren.“

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erstellt am 07.Mai.2014 | 07:16 Uhr

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