zur Navigation springen

Fit fürs leben : Mit Pausen und Persönlichkeit zum charismatischen Redner

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Der Schauspieler und Rhetoriktrainer Willy Metzeler zeigt 120 Besuchern im „Carls“ auf Carlshöhe, wie man in Gesprächsrunden und am Rednerpult überzeugt. Dazu braucht es viel Persönlichkeit, viele Pausen und Vertrauen ins eigenen Denkvermögen.

Willy Metzeler ist auf der Bühne des „Carls“ ganz in seinem Element. Der Schauspieler, Coach und Rhetoriktrainer mimt die extrovertierte „Rampensau“ und das introvertierte, zurückhaltende „Murmeltier“, zwei Charaktere, die das Spektrum der Selbstdarstellung und des öffentlichen Auftritts markieren. Und er räumt mit einem Vorurteil auf: Der vermeintlich Starke entpuppt sich oft als Blender, und auch Murmeltiere sind in der Lage, auf der Bühne kraftvoll Figur zu zeigen. Er beschreibt, macht vor, überzeugt – das Publikum saugt die mit Beispielen veranschaulichten Erkenntnisse des Profis zum Thema Charisma und überzeugendes Auftreten förmlich auf.

Über zwei Stunden lang nimmt Willy Metzeler die 120 Besucher mit auf seinem Exkurs zu mehr Souveränität, Sicherheit und Überzeugungskraft bei Gesprächen, Diskussionsrunden oder Vorträgen. Ein intensiver Abend für alle, die am Dienstag der Einladung der Eckernförder Zeitung, des Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlags (sh:z) und des Osterberg-Instituts gefolgt sind. Auf Carlshöhe gab’s ein mit vielen Beispielen und nützlichen Tipps gespicktes Gesamtpaket aus Körpersprache, Sprachmelodie, Gestik, Präsenztechniken sowie zentralen Botschaften über „Dreher“ und „Bringer“.

Letztere beiden Begriffe waren nach der Pause dank der Übung mit Dr. Angelika Krüger aus Neumünster und Uwe Geest aus Bordesholm besonders eindrückliche Erfahrungen mit hohen Erkenntnisgewinn für die Protagonisten auf der Bühne, aber auch für das Publikum. Sie sollten drei bis vier Sätze über ihr Hobby – Garten und Motorradfahren – erzählen und dabei das zuvor vermittelte klassische Rhetorik-Modell einer überzeugenden bis charismatischen Rede anwenden: Logos – Pathos – Ethos. Oder anders formuliert: ein Thema wird angesprochen (Sachebene, worum geht’s), die Aussage wird durch leidenschaftliche Ansprache sowie Mimik und Gestik verstärkt (emotionale Ebene) und schließlich über die Kanäle Körperhaltung und Stimmführung mit einem entsprechenden Wertekanon hinterlegt (Werteebene). Dieses auf Aristoteles zurückgehende, 2500 Jahre alte Modell funktioniere auch heute noch in nahezu allen Situationen, sagte Metzeler. Einprägen und üben, empfahl er allen – am Erfolg zweifelte an diesem Abend niemand. Was sicher auch daran lag, dass die beiden Probanden eine hervorragende Figur abgaben. „Das Charisma nimmt in dem Maße zu, wie wir uns der Werte bewusst werden und diese leben können“, brachte Metzeler den Ansatz auf den Punkt. Die Vermittlung von Inhalten, das überzeugende „Rüberbringen“ auch mithilfe von Präsenztechniken und die Überzeugung als Persönlichkeit seien maßgeblich für den Erfolg in Gesprächssituationen, in Besprechungen und als Vortragender.

Allen eher introvertierten Rednern, die unter Lampenfieber leiden, empfahl Willy Metzeler als „Kerndreher“ das „Konzept des langsamen Sprechens“ und die Pausentechnik („Die Pausentechnik ist der Bringer“). Wer langsam spricht, nach wenigen Worten Pausen einlegt und seinem eigenen Denk- und Formulierungsprozess vertraut, wird es auch schaffen, überzeugend zu reden. „Zerhacken Sie Ihre Sätze, sortieren Sie Ihren Denkprozess, dann kommen Sie in eine Entspanntheit hinein“, sagte der in Berlin lebende Rhetoriktrainer. „Und immer schön cool bleiben.“ Weg von der Schneepflugmentalität („Da muss ich jetzt schnell durch“), hin zu einem sortierten, leidenschaftlichen Auftritt mit Pausen, Pathos und Persönlichkeit – dann sollten künftige Auftritte von Erfolg gekrönt sein.

>www.redepraxis.com

zur Startseite

von
erstellt am 25.Sep.2014 | 06:42 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen