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Mit Onkel Rolf in die Batze oder: Motivation ist alles

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Wie man Kinder zu langweiligen Verwandtenbesuchen oder zum Besuch einer Badeanstalt bewegt

von
erstellt am 05.Feb.2014 | 00:31 Uhr

Motivation ist alles, gerade bei Kindern. Am Sonntagmorgen gehen wir einmal wieder auf den Bismarck (Turm im Stuckenberg bei Herford). Jetzt großes Palaver der Kinder. Warum denn das, nun schon wieder, was sollen wir denn da? Der Zeitpunkt war äußerst schlecht gewählt, wegen Lukas, der aus Augsburg. Dagegen war selbst ein in Aussicht gestelltes Eis bei Steinmeier – ein Waldlokal – machtlos. Moment, wir nehmen uns ein paar Spaten mit und werden dort auf den Gehwegen ein paar Löcher graben, diese wie Fallgruben tarnen und Waldspaziergänger darin fangen! Und schon sind die Kinder dabei, auch wenn das ganze Unternehmen dann an den ersten freigelegten Baumwurzeln im Waldboden scheitert!

Am Sonntagnachmittag sind wir bei Tante Ilse zum Kaffee eingeladen. Wieder großes Palaver. Müssen wir (die Kinder) denn wirklich mit? Tante Ilse ist langweilig. Abneigung! Moment - Tante Ilse wohnt in der August-Bebel-Straße. Auf beiden Seiten der Straße sind meterhohe Hecken. Wir werden dort Zwirnsfäden über die Straße spannen, den Fußgängern die Hüte von den Köpfen fetzen und die Radfahrer von ihren Drahteseln kegeln! Schon sind die Kinder dabei, auch wenn dieses Vorhaben aufgrund der Größe der Kinder scheitert, weil sie die Zwirnsfäden nicht in der notwendigen Höhe anbringen können.

Andy (4), mein Großneffe, wasserscheu, steht mit geschnürtem Sack und Pack erwartungsfreudig im Hof, als meine Mutter erscheint. Sie – Geschäftsfrau, etwas etepetete: „Andy, wo möchtest du denn hin?“

„Mit Onkel Rolf in die Batze!“ (Badeanstalt) „Das ist aber schön!“ „Ja, wir wollen beide vom 3-Meter-Brett ins Schwimmbecken pinkeln!“ Oma ist erst einmal geschockt. Aber Andy setzt noch einen drauf! – „… und morgen probieren wir es vom Fünfer!“ „Und wenn der Bademeister kommt?“ „Der kriegt uns nicht, der hat keine Chance, dem nehmen wir vorher die Triller weg!“

Der Bademeister war Andys Angstgegner. Aber wir waren vorbereitet, hatten den Bademeister durch den Zaun schon vorher ein paarmal ausspioniert, denn Andy wohnte in der Nähe, an der Salzufler, Ecke Dennewitz (zwei Straßen in Herford). Wir hatten festgestellt, dass der Bademeister oder Schwimmmeister, wie er heute heißt, gar keiner war! Der hockte bei schlechterem Wetter in seinem Glasschapp, oder er saß auf seinem Kinderhochstuhl in der Sonne, konnte weder schwimmen noch baden, wir hatte ihn, sooft wir ihn auch beäugt hatten, nie im Wasser gesehen. Der musste eigentlich „Sitzmeister“ heißen! Der stand immer nur auf, wenn er auf seiner Pfeife trillerte. Ohne seine Flöte konnte der wahrscheinlich gar nicht aufstehen! Die mussten wir ihm nur wegnehmen. Ausnahmen waren nur seine kurzen Kreuzzüge des „Kupferbolzenfischens“ mit einem Kescher (ohne den konnte er wahrscheinlich auch nicht) im nierenförmigen Kleinkinderplanschbecken auf der Liegewiese.

Im Otto-Weddigen-Bad war ein großes Planschbecken, rechtwinklig zum Nicht- und Schwimmer-Bassin angeordnet. Dieses fiel zur Mitte hin ab, und es war dort tiefer als Andy groß war. Trotz ständiger Aufsicht und Tragen von Schwimmflügeln, (die konnte er nicht richtig händeln, weil er die Ellenbogen immer in Kopfhöhe hielt, so deren Auftrieb nicht nutzte), gelang es ihm, mehrere Male unterzutauchen, obwohl er sich von den vorangegangenen Tauchgängen noch nicht erholt hatte. Er verschluckte sich und übergab sich ins Wasser. Ich verteilte das, was sein Magen nicht mehr haben wollte, so gut es ging gleichmäßig im Becken, Wasser war ja genug da!

Als wir wieder zu Hause ankamen, stand Oma schon erwartungsvoll in der Haustür. Wissend, dass wir es nicht getan hatten, fragte sie ihren Urenkel: „Na, Andy? Habt ihr nun vom 3-Meter-Brett ins Wasser gepillert?“ „Nein, Oma, heute haben wir erst einmal ins Becken gekotzt!“


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