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Flüchtlingshilfe : Mit kleinen Taten viel erreichen

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Flüchtlingsbeirat Dänischer Wohld sucht nach engagierten Helfern. Derzeit kommen wieder mehr Flüchtlinge in die Region.

shz.de von
erstellt am 14.Sep.2017 | 06:08 Uhr

Gettorf | „Aus Helfern sind Freunde geworden“, sagen Ursula Pingel und Kerstin Jünke unisono. Die beiden Frauen sind Teil des Flüchtlingsbeirats im Dänischen Wohld und kümmern sich gemeinsam mit anderen Ehrenamtlern seit zwei Jahren um Flüchtlinge in der Region. Dazu gehören die Cousins Saleh (22) und Abdulrahman (20) aus dem Irak. Die beiden sind 2015 nach Deutschland gekommen und haben vor ihrem gerade erst erfolgten Umzug nach Ruckforde knapp eineinhalb Jahre in Schinkel verbracht – und dort mit Hilfe der Menschen, die sich im Flüchtlingsbeirat engagieren, ein neues zu Hause gefunden.

Sie habe Söhne dazu bekommen, meint Ursula Pingel. Um noch mehr solcher Erfolgsgeschichten schreiben zu können, braucht der Flüchtlingsbeirat, dem Astrid Jürgensen vorsitzt, Unterstützung. „In unseren besten Zeiten hatten wir 120 Leute, jetzt sind es noch zwischen 20 und 30 Helfern“, erklärt Sabine Axmann-Bruckmüller, die Bürgermeisterin von Schinkel und Koordinatorin für Flüchtlingsangelegenheiten. Der Rückgang habe zum einen damit zu tun, dass die Zahl der ankommenden Flüchtlinge in der Vergangenheit zurückgegangen ist. Jetzt kommen aber wieder mehr, betont Axmann-Bruckmüller – daher sei zusätzliche Hilfe unbedingt notwendig.

Ein anderer Grund für abnehmendes Engagement: Die Mühlen der Bürokratie mahlen langsam. „Man wird vom Helfer zum Bittsteller, es werden einem viele Steine in den Weg gelegt“, ärgert sich Kerstin Jünke. „Ich verstehe, dass viele Leute da keine Lust mehr haben“, äußert Astrid Jürgensen Verständnis für jene Helfer, die sich von dem teils langen Warten auf Ämter und Behörden entmutigen lassen. „Aber es ist wichtig, dass einzelne Leute nicht zu viele Flüchtlinge betreuen, denn darunter leidet die Qualität der Betreuung“, weiß Martina Kuballa. Man könne schon mit kleinen Dingen helfen, zum Beispiel, indem man Fahrdienste anbietet oder sich mit den Geflüchteten bei einem Tee unterhält. „Die Sprache ist das A und O“, betont Kerstin Jünke.

Mit der Sprache haben Saleh und Abdulrahman kaum Probleme. Die beiden ehrgeizigen Iraker sprechen mittlerweile sehr gut deutsch und haben zudem eine Teilzeit-Stelle bei Aldi in Gettorf in Aussicht. Diese könnten sie sofort antreten, wäre da nicht die Bürokratie. „Uns wurde gleich gesagt, dass es eine Woche bis zur Genehmigung dauert“, so Jünke. Anders als viele andere Helfer lässt die Krankenschwester sich von solchen Negativerlebnissen nicht abschrecken. Zeit mit Saleh und Abdulrahman zu verbringen, ist für sie und Ursula Pingel mittlerweile auch privat an der Tagesordnung. „Wir feiern Geburtstage zusammen und kochen füreinander“, sagt Jünke. „Als ich nach Schinkel gekommen bin, kannte ich niemanden. Dann kamen nach und nach immer mehr Menschen dazu, das war wirklich schön“, erzählt Abdulrahman, der eines Tages eine Ausbildung zum Bankkaufmann machen will.

Auch sein Cousin Saleh hat einen Traum: „Ich will Rechtsanwalt werden“, sagt der Iraker. Zunächst müssen die beiden aber auf ihre Asylbescheide warten. Sie hoffen, dauerhaft in Deutschland bleiben zu können und bald eine Wohnung zu finden. Aber nicht in Ruckforde, denn dort fühlen sich die beiden Iraker nicht wohl.

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