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Ausgrabungen in Jellenbek : Mit Hund und Ziege gegen den Teufel

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Die weißen Pavillons zeigen schon von weitem an, dass am ehemaligen Standort der St.-Catharinenkirche wieder geforscht wird. Die Archäologen der Christian-Albrechts-Universität bringen täglich neue Funde zu Tage.

Es ist ein langer Weg bis zu der alten St.-Catharinen-Kirche. Über Wald und Wiesen erreicht man schließlich den Standort. Statt einem prächtigen Bauwerk aus dem Mittelalter sieht man nur Steine, zahlreiche Menschen, die mit Schaufeln den Boden bearbeiten und weiße Zelte, die die Archäologie-Studenten vor Wind und Wetter schützen sollen.

Denn davon gibt es genug an der Steilküste in Jellenbek, doch Sturm und Regen können die Ausgrabungsarbeiten nicht stoppen. „Eigentlich ist es das beste Wetter für die Ausgrabungen“, erklärt der Leiter Donat Wehner. Bei bewölktem Himmel könne man besser Dinge erkennen. Die Sonne blende teilweise stark, dass man was übersehen könne, was sehr ärgerlich wäre. Aber die Arbeiten seien sehr präzise, so dass möglichst viele Funde gemacht würden.

Der verstorbene Pastor Peter Struve gehört mit zu den erfolgreichen Funden. Seine Grabplatte wurde bei den Ausgrabungen entdeckt und hat jetzt zirka 350 Jahre später zu einem Familientreffen geführt (wir berichteten). Aber nicht nur Pastoren sind unter den Bodenplatten begraben. Im Mittelgang der Kirche stoßen die Studenten immer wieder auf Knochenteile. „Vermutlich sind über den ganzen Mittelgang verteilt Menschen begraben“, erklärt Wehner. „Hier muss es bisweilen ziemlich gestunken haben“, denn die Toten haben nur ungefähr 40 Zentimeter unter dem Boden gelegen. „Wir haben auch schon Skelette ausgegraben, die einen angespitzten Stein zwischen den Zähnen hatten“, erzählt der Ausgrabungsleiter. Früher habe man die Untoten und deren Wiederkehr gefürchtet. Damit diese den Legenden nach nicht an ihrem Leichentuch nagen konnten und somit heimlich Familienangehörige töteten, habe man ihnen die Steine oder aber auch Gras in den Mund gesteckt.

Neben den Skeletten kommen auch andere Dinge des Mittelalters zum Vorschein. „Die Fußbodenschicht war sehr interessant, was das Leben in der Kirche angeht“, erklärte Wehner. „Wir haben zahlreiche Pfeifen und Münzen gefunden, aber auch viele Stecknadeln.“ Diese Funde lassen auf den Kirchenalltag schließen, und wenn man diese weiter untersucht, könne man sogar irgendwann sagen, wer wo während des Gottesdienstes gesessen hat. Später soll es auch ein Buch über die ehemalige Kirche aus Backstein geben, aber dazu erfordert es noch ein wenig Geduld und viele Untersuchungen, so Wehner.

Momentan sind die Studenten damit beschäftigt, die zweite Schicht des Bodens zu untersuchen. „Das ist schon tiefstes Fundament was hier haben, denn es gab ja nur drei Lagen“, zeigt der Leiter der Ausgrabungsstätte. Während dieser Arbeiten ist aufgefallen, dass die Kirche einen südlichen Eingang hatte. „Es wurde mal vermutet, dass es ein Westportal gab, aber wir konnten das jetzt widerlegen.“ Den Südeingang habe man an den unterschiedlichen Bodenziegeln erkannt. „Es wurden Steine mit Pfotenabdrücken von Hunden und Ziegen verwendet“. Diese habe man bewusst mit dem Abdruck nach oben gelegt, um den Teufel zu vetreiben.

Auch ein Taufbecken konnte mit den Ausgrabungen nachgewiesen werden, allerdings sei dies nicht mehr vorhanden. „Die Bodenbeschaffenheiten weisen aber daraufhin, dass hier ein Becken stand“, zeigt Donat Wehner auf dem Ausgrabungsplan. Zusammen mit seiner Frau Katja hat er diesen Digital erstellt, um sich besser zu orientieren und zu zeigen, wie weit die Ausgrabungen sind.

„Wir würden auch gerne noch weiter machen, denn gerade der Friedhof liefert sicher noch interessante und spannende Funde“. Ob es weiter gehen wird, stehe aber noch nicht fest.

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