Mit Handicap hinaus aufs Wasser

Zweiter Platz für „Meer bewegen“ beim Zukunftspreis: LSV-Präsident Hans-Jakob Tiessen (links), Innenminister Hans-Joachim Grote (zweiter von links) und Matthias Hansen, Vorsitzender der Sportjugend (rechts) überreichten die Preise an den Vereinsvorstand.
1 von 2
Zweiter Platz für „Meer bewegen“ beim Zukunftspreis: LSV-Präsident Hans-Jakob Tiessen (links), Innenminister Hans-Joachim Grote (zweiter von links) und Matthias Hansen, Vorsitzender der Sportjugend (rechts) überreichten die Preise an den Vereinsvorstand.

Verein „Meer bewegen“ erhält zweite Jolle – Spezialanfertigung ermöglicht Menschen mit Behinderung den Segelsport

von
10. Juni 2018, 15:17 Uhr

Segeln mit körperlicher Behinderungen? „Das geht“, weiß Thomas Preuhsler vom Verein „Meer bewegen“. Als der Verein 2015 seine Arbeit aufnahm, waren es nur eine Handvoll Leute, die eine Idee und eine Vereinssatzung hatten. „Nach jetzt mehr als drei Jahren konnten wir mehreren hundert Teilnehmern barrierefreies Segeln ermöglichen“, so der Borgstedter, der zweiter Vorsitzender des Vereins ist. Kooperationspartner ist der Wassersportclub am Wittensee (WSCW) auf dessen Vereinsgelände die „Inklusionspiraten“, wie sich selber nennen, zu Hause sind.

Gestartet ist der Verein damals mit einer Jolle, der „White Pearl“. Das Boot kann dank seiner Hubkiel-Version praktisch nicht kentern. Ausgestattet ist die Jolle mit einem so genannten Sailability Kit. Dazu gehören zwei eingebaute Sitze, in denen die Segelnden in Fahrtrichtung sitzen. Sie müssen auch bei Kursänderungen keinen Positionswechsel im Boot machen. Mit wenig Aufwand kann über einen Seilzug die Segelfläche den Windverhältnissen und Fähigkeiten der Segelnden angepasst werden. Gesteuert wird das Segelboot mit einem Joystick.

Wichtig ist es den Verantwortlichen, dass die Menschen nicht einfach „nur“ mitsegeln, sondern tatsächlich diesen Sport erleben und aktive Teilnehmer am Segelsport werden. Durch das selbstbestimmte Segeln gewinnen sie Selbstvertrauen und erfahren Mobilität mit allen Sinnen.

Unterstützung findet „Meer bewegen“ beim Deutschen Hochseesportverband Hansa (DHH). Dieser hat den Wittenseer Seglern jetzt eine werftneue RS-Jolle zur Verfügung gestellt. Finanziert wurde das neue Boot von der Eberhard-Wienholt-Stiftung, die es sich auf die Fahnen geschrieben hat, jungen Menschen das Segeln zu ermöglichen. In Kiel bei den Special Olympics wurde das Boot übergeben und auf den Namen „Albert“ getauft. „Der Name erinnert an Albert Einstein und Albert Schweitzer, deren Lebensleistung und Einstellung die Segler beeindrucke. „Außerdem soll es mal einen Piraten namens Albert gegeben haben“, so Thomas Thomas Preuhsler.

Und die inklusive Arbeit des Vereins kommt an. So wurde kürzlich „Meer bewegen“ vom Landessportverband, der Sportjugend und dem „Hansa-Park“ auf den zweiten Platz beim Vereins-Zukunftspreis gesetzt und durfte sich so über 2500 Euro Preisgeld freuen. Geld, das der Verein gut gebrauchen kann. „Wir haben Anja Düvel als Trainerin fest eingestellt“, berichtet Preuhsler. Auch für den Wassersportclub wird sie tätig sein. So läuft derzeit eine Zusammenarbeit mit der Schule am See. Jeden Mittwochnachmittag kommen acht Schüler und lernen in den Optimisten das Segeln. Der Eigenanteil, den die Eltern übernehmen, ist mit drei Euro gering. Auch mit der Schule Hochfeld in Rendsburg gibt es eine ähnliche Kooperation.

Angepackt wird derzeit beim Vereinsheim. Dort wird in jeder freien Minute das Gebäude saniert und barriereärmer gestaltet. Von einem kompletten, durch Mittel der Aktiv Region geförderten, Neubau musste der Verein allerdings Abstand nehmen.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen