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“Shanghai Nights“ : Mit Gummimenschen und Schwertkämpfern

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Der Chinesische Nationalcircus gastierte am Dienstagabend in der Stadthalle und erstaunte rund 300 Besucher mit akrobatischer Körperkunst – wie Geschöpfe aus einer anderen Welt.

Es war eine verzauberte Zeit mit intensiven Abendstunden im Reich der Mitte – angefüllt mit oft sprachlosem Staunen im Publikum: Mit asiatisch geheimnisvollem Lächeln und mit schier unglaublicher Akrobatik gastierte der Chinesische Nationalcircus am Dienstagabend in der Stadthalle.

Nach 25 Jahren mit mehr als zehn Millionen Zuschauern ist in diesem Jahr aus der ganz großen Show eine Fassung entstanden, die auch auf kleineren Bühnen und in kleineren Häusern Platz findet. Unter dem Titel „Shanghai Nights – der Zauber Chinas zwischen gestern und heute (unplugged)“ tourt der Chinesische Nationalcircus aktuell nun auch durch kleinere deutsche Städte. Am Dienstag gastierten elf Mitwirkende in der Fördestadt, und über 300 Gäste kamen, um das atemberaubende Programm mitzuerleben.

Wann wird man schon mal auf Chinesisch begrüßt? Wann hört man so konzentriert die Klänge chinesischer Musik? Wann hat man solch ein Aufgebot an chinesischer Zirkus-Tradition, akrobatischer Körperkunst, Jonglagen, Menschenpyramiden, Luftsprüngen durch Reifen, „Freiflügen“ über Tische und Bänke live gesehen? Da konnte einem selbst beim Zuschauen schon schwindelig werden. Und damit einem vor lauter Staunen nicht endgültig die Augen aus dem Kopf fielen, bekam auch das Zwerchfell ordentlich was zu tun. Raoul Schoregge, Produzent und Direktor der „Shanghai Nights“, ist gleichzeitig ihr allergrößter Spaßmacher. Als Clown zog er alle Register, dirigierte erfolgreich sein Publikum mit Laut-Leise-Rechts-Links-Klatsch-Konzerten, speicherte in seinem Mund solche Unmengen von Wasser, dass er – zum Entzücken aller Zuschauer – seinen chinesischen Kompagnon klitschnass machte und in immer neuen Variationen unter Wasser setzte. Seine Küsschen-Herz- und Anmach-Nummern kamen ebenfalls gut an – die Zuschauer „lachten sich weg“.

Von Herzen zu lachen, das war ein guter Ausgleich zu allen Programmpunkten, bei denen abenteuerliche Verrenkungen von „Gummi“-Körpern, waghalsige Flüge und Schwertkämpfe mit verbundenen Augen um Leib und Leben der Akteure fürchten ließen. Neben allen Akrobatik-Höhepunkten sollten aber auch Chinas Geschichte, Kultur und Menschen dem Publikum näher gebracht werden. Hier ahnte man unter dem Beititel „Shanghai der 30er und 40er Jahre“ etwas von Fremde und Andersartigkeit. Hafenkneipen und Rotlichtmilieu wurden angedeutet – aber eine Weiterentwicklung ohne Vergessen von Traditionen stand ebenfalls im Vordergrund. Hier zeigte vor allem Liu Wen Long als Allround-Artist eine besonders große Vielfalt: Er vermittelte Tai Chi und Kung Fu (gepaart mit altchinesischen Weisheiten), jonglierte schwere Vasen und leichte Hüte, „flog“ scheinbar schwerelos und faszinierte sicherlich alle mit seinem Können.

Bei den Kontorsions-Künstlerinnen Sun Qing Qing, Dou Dou und Shi Heyuan saß man schließlich sprachlos vis-à-vis: Ihre Körper schienen nicht aus Menschenstoff gemacht: elegant, schwerelos, grenzenlos biegsam verzauberten sie wie Märchenwesen – wie Geschöpfe aus einer anderen Welt.


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