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Eckernförder Zeitung

19. Oktober 2017 | 16:44 Uhr

Blues in der Kirche : Mit Groove und Humor

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Schon im vergangenen Jahr sorgte Bluesröhre Jessy Martens für ein volles Haus. Auch am Freitagabend lockte die charismatische Sängerin wieder knapp 300 Besucher in die Kirche.

„Gudn Tach!“ Das ist Jessy Martens. In ihrer lockeren und verschmitzten Art beginnt die Blues-Sängerin den Abend in der ausverkauften Kirche zu Hütten mit einem Kompliment an das Publikum und nimmt Junge wie Weise, Wiederholungstäter und Neulinge direkt mit auf die Reise: „Letztes Mal habt ihr mich mit sehr starken Stimmen unterstützt. Jetzt weiß ich auch warum: Ihr seid alle im Chor.“ Genau. Lachen – aber auch Musik – verbindet, los geht’s. Mit „Sweet Home Chicago“ grooven sich Martens und ihr ständiger Begleiter („Mein Bluesvater“) am Piano, Jan Fischer, schon einmal in den rechten Fuß, stecken mit ihrer guten Laune an und machen nach wenigen Takten klar: Auch aus diesen Gästen wird schon noch ein Kirchenchor...

Das gemeinsame „Come on“ war da nur der Anfang und über den restlichen Abends auch so gemeint: „Weiter so!“ Jessy Martens, die 2012 den German Blues Award in drei Kategorien gewann – als beste Sängerin, als Mitglied der besten Band und für den besten Tonträger, und Jan Fischer, der im Jahr davor in der Kategorie „Piano“ siegte, sind bei ihrem zweiten Auftritt in Hütten angekommen: Sie scherzen und foppen sich durchs Programm („Du hast mir zuviel Applaus bekommen“), Fischer dehnt seine Soli aus, Jessy setzt nach einem Stück mit einem kecken Extratriller noch einen drauf und lacht sich schlapp, Fischer beendet ein Stück erst nach Martens’ zweitem, gespielt empörten „Stop!“. Sie leitet über auf „What Kind Of Man Is This?“ von Koko Taylor: „Das Problem ist – Männer haben ihren eigenen Willen..., aber wenn ihr einen ganz tollen Mann zuhause habt, den ihr doll liebt, dann dürft ihr jetzt mitschnipsen.“ Sie ruft in die bis auf die letzte Reihe gefüllte Kirche: „Liebe Männer, wenn eure Frau jetzt nicht mitschnipst...!“

Und sie singt auch diesen herrlich schlackernden Groove mit Ausdruck und Laszivität – in Stimme, Mimik – passend zum Text: „I like it, I like it. I like it this way...“ Kleiner, frecher Seitenhieb zwischendurch: „Bis jetzt schnipst niemand...“ Mit einem Stück nach dem anderen beweisen die beiden ihre Qualität; das perlende, virtuos gespielte Piano, das in seinem Ausdruck, natürlich, den Themen der Songs folgt und in Soli das nordische Publikum immer wieder zu Beifall hinreißt. Diese Stimme, die alles kann: rocken, schnurren, fesseln, von einem Moment auf den anderen die Zuhörer in Melancholie stürzen, wieder aufbauen und gestärkt ins nächste Stück begleiten. Mit Humor und perfektem Zusammenspiel, das nur einmal in charmanter Weise bei „Mama Do“ von Pixie Lott kurz ausgeknipst war, arbeiten sich die beiden federleicht durch ihr Programm. Jessy holt sich die Frau auf die Bühne, die durch die Musik mitgerissen, einmal auf den Punkt mit ihrer Singstimme antworten muss („Das kam spontan aus der Tiefe“, wie Gila Heering aus Eckernförde später sagt), mischt sich unter das Publikum, steigt auf einen Stuhl und holt sich ihre Standing Ovations schon weit vor der Zeit ab. Sie schart binnen weniger Minuten einen Kirchenchor aus 290 Stimmen um sich, es kocht und brodelt. Was für eine Stimmung. Da haben Heidi Sebastian, Vorsitzende des Fördervereins Hüttener Kirche und ihre Mitstreiter, nach Schroeter & Breitfelder, wieder ein gutes Händchen bewiesen. Diese Musiker hat Carsten Weber in Hütten schon erlebt, Jesse Martens und Jan Fischer noch nicht. Wie es ist? „Klasse! Nächstes Jahr? Auf jeden Fall! Wie Jessy schon sagt: Das ist der Hammer!“





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