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Eckernförder Zeitung

24. September 2017 | 01:47 Uhr

Glauben : Mit Glauben in eine sichere Zukunft

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Vierfache Taufe von Flüchtlingen aus dem Iran in Gettorf / Authentische Berichte über Missstände in ihrer alten Heimat berühren Zuhörer

shz.de von
erstellt am 31.Mai.2016 | 06:00 Uhr

Gettorf | Ein sicheres Zuhause, Familie und Religionsfreiheit – das sind Dinge, die für uns selbstverständlich sind. Doch die vier jungen Männer, die Pastor Frank Boysen und Pastorin Christa Loose-Stolten am Sonntag in der St.-Jürgen-Kirche getauft haben, wissen aus eigener Erfahrung wie es sich anfühlt, auf diese elementaren Lebensbestandteile verzichten zu müssen.

Die Gottesdienste aus der Reihe „Punkt Fünf“ zeichnen sich durch ihre lebendige und moderne Gestaltung aus. Doch das, was die Besucher am Sonntag unter dem Motto „Mein Weg zum Glauben“ erfuhren, hat es in dieser Form auch in der Kirchengemeinde noch nicht gegeben. Mit Unterstützung von Dolmetscher Hossein Neja berichteten Mehdi (30), Hamed (23) und die Brüder Masoud (34) und Mehdi (32, zum Schutz ohne Nachnamen) von den erschütternden Verhältnissen im Iran, mit denen sie sich gerade als gläubige Christen konfrontiert sahen. „Im Iran gibt es keine Religionsfreiheit. Alle müssen Muslime sein. Das sagt der Staat, und das sagt auch die Familie“, berichtete Masoud, der in Teheran als Polizist gearbeitet hat und die Brutalität, mit der er gegen vermeintliche Verbrecher vorgehen musste, immer weniger ertragen konnte.

Wenn er von Menschen spricht, die er auf Anordnung seiner Vorgesetzten schlagen musste, meint er vor allem junge Paare, die ohne eine Verlobung Zeit miteinander verbrachten. Als er auf der Streife eines Tages einen Christen und seine Freundin traf, beschloss er, sie nicht zu verraten und blieb stattdessen weiter mit ihnen in Kontakt. „Das hat die Polizei gemerkt, und ich bin sehr schlecht behandelt worden“, erklärte der 34-Jährige. In Folge seines wachsenden Interesses für die christliche Religion habe sich seine ganze Familie von ihm abgewandt, und seine Frau sei an dem psychischen Druck zerbrochen und schließlich gestorben, so Masoud. Wie auch Mehdi (30) musste er ein Kind in den katastrophalen Verhältnissen im Iran zurücklassen und leidet sehr unter der Trennung und Ungewissheit.

Auch sein Bruder Mehdi (32), der in Teheran als Friseur gearbeitet hat, sprach von den massiven Einschränkungen, unter denen die Menschen dort leiden müssten. Als Pastor Frank Boysen auf seinen Wunsch hin ein Foto seines Armes auf die Leinwand warf, ging ein Raunen durch die Besucherreihen. Man sah deutlich die mit Säure verätzte Haut, auf die sich der gläubige Christ ein Kreuz als Symbol seiner Religionszugehörigkeit tätowiert hatte. „Ich habe nicht verstanden, warum es im Iran nur eine Religion geben durfte“, sagte der 32-Jährige.

Auch wenn sich die vier Männer erst in Deutschland taufen lassen konnten – bereits in ihrer Heimat haben sie sich in geheimen Hauskreisen intensiv mit dem Christentum auseinandergesetzt und die christlichen Werte wie Nächstenliebe und Vergebung immer mehr für sich übernommen. „Als ich den Islam und das Christentum miteinander verglichen habe, habe ich für mich erkannt, dass der Islam voller Krieg und Unfreundlichkeit ist“, so Mehdi (30), dessen Frau ihn mit dem gemeinsamen Sohn Benjamin verließ, als er sich zum Christentum bekennen wollte.

Es gehe nicht darum, eine andere Religion schlecht zu machen, erklärte Pastor Frank Boysen den Zuhörern, unter denen sich auch Bürgermeister Jürgen Baasch befand. „Aber diese Männer haben den gemäßigten Islam, wie er hier in Deutschland häufig thematisiert wird, nie erlebt“, sagte er.

Gemeinsam mit Pastorin Christa Loose-Stolten hatte er über Monate hinweg einen Glaubenskurs für Flüchtlinge angeboten und sich intensiv mit deren Lebensgeschichten und Hoffnungen auseinandergesetzt. Er glaube den vier Täuflingen, dass sie sich nicht aus Gründen des Bleiberechts zum Christentum bekannt haben, so der Geistliche. „Im christlichen Glauben gibt es keinen Druck oder Kampf. Jesus bedeutet für mich Liebe und Frieden“, sagte Hamed (23) und bedankte sich für die Hilfe, die er und seine Freunde in der Gemeinde empfangen haben. Im Anschluss an den bewegenden Gottesdienst, der fast zwei Stunden dauerte, gab es im alten Pastorat die Möglichkeit, sich bei iranischem Essen noch besser kennenzulernen.


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