Mit den Langohren unterwegs : Mit den Eseln durch den Naturpark

Die Wanderungen in Begleitung der drei Esel sind sehr beliebt. „Sie ziehen die Menschen in ihren Bann“, sagt Sabine Rathmann.
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Die Wanderungen in Begleitung der drei Esel sind sehr beliebt. „Sie ziehen die Menschen in ihren Bann“, sagt Sabine Rathmann.

Sabine Rathmann vom Hof Jerusalem aus Owschlag ist mit ihren Eseln über die Naturparksgrenzen hinaus bekannt

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08. Mai 2015, 06:01 Uhr

Die Liebe zur Natur verbindet die Menschen aus den Hüttener Bergen. Als Natur- und Landschaftsführer informieren sie auf Wanderungen über die vielfältigen Besonderheiten am Wegesrand, die man eben nur sieht, wenn man sie kennt. In einer neuen Serie stellt die Eckernförder Zeitung Natur- und Landschaftsführer im Naturpark Hüttener Berge vor. Heue: Sabine Rathmann aus Owschlag.

Sabine Rathmann gehört mit ihren drei Eseln längst zum Landschaftsbild der Hüttener Berge. Als die gebürtige Wuppertalerin aber 2009 ihre Ausbildung zur Natur- und Landschaftsführerin machte, war sie ein Exot in dem Kursus. Gemeinsam mit zwei Eseln wollte sie Menschen den Naturpark zeigen, am Wegesrand Kräuter mit heilender Wirkung sammeln und beim Yoga inmitten des Forstes die Hektik des Alltags vergessen lassen.

Als Tierheilpraktikerin musste Sabine Rathmann 2008 ihre Praxis in Holzbunge schließen. „Es lief einfach nicht“, sagt sie. Doch sie hatte schnell eine neue Geschäftsidee. Ihre Begeisterung für die Natur wollte sie auch anderen weitergeben, mit ihnen die Region entdecken. Ein Bekannter, von Beruf Tierarzt, empfahl ihr, Esel mit auf ihre Touren zu nehmen. Mit Tieren habe sie sich schon immer gut verstanden, Rathmann hatte selbst einen Resthof mit vielen Tieren, aber Esel waren nicht dazwischen gewesen. Kurze Zeit später standen bei ihr in der katalanische Großesel Julia und Wallach Don Corleone vor der Tür. Beide damals drei Jahre alt.

Zufällig lernte sie Thomas Petersen kennen, Fachmann für diese Tiere im Tierpark Warder. Er brachte ihr den Umgang mit den beiden bei, bei den ersten Touren begleitete er sie durch den Naturpark. Schnell stellte sie fest, welche Wirkung die Esel auf die Mitwanderer haben. Dabei tragen sie nicht nur die Packkörbe und Rucksäcke. „Sie ziehen den Menschen gleich in ihren Bann, begegnen ihnen auf Augenhöhe“, sagt Rathmann. Wenn der Esel doch mal stehen bleibt, könne man daraus lernen, auch einmal inne zu halten. Juli und Don Corleone würden sich meist selbst entscheiden, von wem sie sich durch die Hüttener Berge führen lassen wollen. „Sie haben ein einnehmendes Wesen“, sagte die 54-Jährige. Die Menschen seien ganz bei dem Tier und der Tour. Man müsse immer achtsam sein, der Eselführer habe Verantwortung, müsse aufpassen, dass der Esel nicht immer zum Fressen stehen bleibt. 2012 bekam Sabine Rathmann noch einen dritten Esel dazu, die Stute Carlotta. „Der Kontakt entstand über die Eselnothilfe“, sagt sie. Eigentlich habe sie sie nur zur Pflege nehmen sollen, um sie wieder aufzupäppeln. Doch dann gab Sabine Rathmann Carlotta nicht mehr her.

Am liebsten geht Sabine Rathmann mit ihren Teilnehmern durch den Brekendorfer Forst. Natürlich erzählt sie viel über Esel, aber auch über die eiszeitliche Entstehung der Hüttener Berge und die Sehenswürdigkeiten. Der Rammsee, der Aschberg, Silberbergen, Schoothorst – das seien die idyllischsten Plätze. Drei bis sechs Stunden dauern die Wanderungen, aber dazu gehören auch das Kennenlernen und die Pflege der Esel. Um die Wege solle man sich keine Sorgen machen, meint sie. Esel würden ihre Hufe plan aufsetzen und im Gegensatz zu Pferden nicht aufwühlen.

Für Sabine Rathmanns Kräuterwanderungen eignen sich Julia, Carlotta und Don Corleone allerdings nicht. „Da müssen wir immer wieder stehen bleiben und nach Kräutern suchen“, sagt sie. Jeden Freitag bietet sie ihre Kräuterwanderungen an, gestartet wird immer an verschiedenen Orten. Sie zeigt den Gundermann, das Scharbockskraut, Giersch und erläuterte die heilende Wirkung der Pflanzen, die man sonst achtlos am Wegesrand stehen lassen würde. Besonders der Giersch werde unterschätzt, sagt sie. Es unterstütze die Ausscheidung harnpflichtiger Stoffe, helfe so bei Rheuma, Gicht und Arthrose. Als Tee oder auch als schmackhaftes Pesto werde es serviert. „Wer eine meiner Kräuterwanderungen mitmacht, der ist anschließend ein neuer Mensch“, sagt die Owschlagerin überzeugt.

Eine besondere Erfahrung für alle Teilnehmer seien auch ihre Yoga-Wanderungen, die an der Schnackstuuv in Hütten beginnen. „Wir gehen gemeinsam in den Hüttener Forst zur Waldkirche“, sagt Sabine Rathmann. Unter dem großen hölzernen Kreuz und dem Glockenturm seien die Übungen, die alle für Anfänger geeignet sind, eine ganz besondere Erfahrung.
 



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