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Schausteller aus Leidenschaft : Mit dem Riesenrad immer auf Achse

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Ronny Cornelius ist in vierter Generation Schausteller. Seit 1998 ist die Familie mit ihren Riesenrädern auch in Eckernförde zu Gast.

Es ist mehr als nur ein Beruf – es ist eine Berufung: Ronny Cornelius (28) ist bereits in vierter Generation Schausteller und steht auch an diesem Wochenende wieder mit dem Riesenrad in Eckernförde.

Alles begann mit Otto Wittler, dem Urgroßvater von Ronny Cornelius. Der Schausteller ließ 1946 bei der Osnabrücker Stahl-Schmiede Schmidt das erste Riesenrad bauen. Mit zwölf Metern Höhe und zehn Gondeln war es nicht einmal halb so hoch wie das Riesenrad, das zurzeit am Eckernförder Hafen steht. Das misst nämlich 50 Meter. Ronnys Vater Otto Cornelius hat es 1998 bei der Firma Mondial in den Niederlanden für knapp 6 Millionen Mark gekauft – es ist inzwischen das vierte Rad der Familie.

Die Familie Cornelius stammt aus Wallenhorst bei Osnabrück, dort haben sie ihren festen Wohnsitz. Viel Zeit verbringen sie in ihrer Heimat aber nicht, Ende März fällt der Startschuss für die Saison, dann geht es los für Ronny Cornelius mit Freundin Jessica, seinen Eltern Otto und Martina sowie Schwester Nancy mit Mann Orlando und Bruder Mike. In ganz Norddeutschland sind sie mit ihren Fahrgeschäften unterwegs: Neben dem Riesenrad ist das ein Kinderkarussell, das Lauf- und Belustigungsgeschäft „Funhouse – Die verrückte Farm“ sowie ein Crêpestand. Mit der Familie reisen sechs Rumänen, die jedes Jahr als Saisonarbeiter nach Deutschland kommen. „Die jungen Männer zum Mitreisen gibt es nicht mehr“, sagt Ronny Cornelius. „ Die Arbeit weit weg von zu Hause will kaum ein Deutscher noch machen.“ Grundsätzlich gibt es klare Rollenverteilungen: Die Frauen machen das Büro, die Kasse und die Verpflegung, und die Männer kümmern sich um den Auf,- und Abbau sowie Wartung und Transport. Die 36 Gondeln des Riesenrads können in 30 Minuten abgebaut werden. „Das kann vorkommen, wenn der Wind zu stark wird“, erklärt Ronny Cornelius. Der komplette Abbau des Rades dauert fünf bis sechs Stunden, der Aufbau noch länger. Dafür muss jeweils ein Tag eingerechnet werden.

Bis November geht es durch Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen zu wechselnden Veranstaltungen. Zur Vorweihnachtszeit stehen sie mit Glühwein und Champignon-Bude auf dem Weihnachtsmarkt in Osnabrück und mit dem Riesenrad in Lübeck. Nur in den Wintermonaten bis März bleibt die Familie zu Hause, und selbst dann kommt sie nicht zur Ruhe: Reparatur- und Wartungsarbeiten stehen dann an. Ronny Cornelius reicht das nicht aus: „Ich fange schon nach kurzer Zeit an, mich zu langweilen und freue mich auf die kommenden Veranstaltungen.“ So war es schon früher: „Schon als Kind habe ich meine Eltern immer genervt, dass ich mit auf Tour möchte. Damals musste ich bis zur 4. Klasse bei meinen Großeltern wohnen, damit ich fest zur Schule gehen konnte.“ Später nutzte er ein mobiles Klassenzimmer mit anderen Schaustellerkindern zusammen. Seine Schule und Freunde zu verlassen, um mit der Familie unterwegs zu sein, habe ihn nie gestört. „Ganz im Gegenteil“, sagt er. „Ich konnte mich immer schnell in die neue Klasse integrieren. Außerdem sind meine Freunde aus den anderen Schaustellerfamilien dabei gewesen. Ich hatte also immer Freunde um mich“.

Auch wenn die Arbeit oft stressig ist, kann sich der 28-Jährige kein anderes Leben mehr vorstellen. „Jeden Tag zu Hause zu sitzen und dasselbe zu machen, kann ich nicht.“ Dann lieber immer wieder andere Orte sehen – so wie Eckernförde. Seit 1998 kommt die Familie immer wieder hierher. Warum? „Weil wir hier einen der schönsten Stellplätze haben und wir uns sehr wohl fühlen“.

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erstellt am 03.Jun.2017 | 06:01 Uhr

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