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Aus dem Gericht : Mit dem Luxusauto durch die Bahnschranken

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

27-Jähriger muss Geldstrafe wegen Unfallflucht und Beleidigung zahlen.

Zu einem zweimonatigen Fahrverbot und einer Geldstrafe in Höhe von 50 Tagessätzen à 15 Euro hat das Amtsgericht Eckernförde gestern einen 27-Jährigen verurteilt. Der junge Mann aus Rendsburg ist am 19. April vergangenen Jahres gegen 19.10 Uhr mit dem VW Phaeton seiner Eltern durch die geschlossene Bahnschranke in Owschlag gefahren und hat sich anschließend unerlaubt von der Unfallstelle entfernt. Dabei entstand an der Schrankenanlage ein Sachschaden von rund 10  000 Euro. Außerdem hat er im November 2013 eine Verkehrsüberwacherin in Rendsburg beleidigt, als diese ihm auf einem Parkplatz einen Strafzettel geben wollte. Für diese verbale Entgleisung entschuldigte sich der Angeklagte. Die Beleidigung sei ihm herausgerutscht. Er habe zu dem Zeitpunkt unter großer Belastung und Stress gestanden.

Ursache für den Unfall am Owschlager Bahnübergang sei nach Aussage des Angeklagten die tiefstehende Sonne gewesen. Zudem sei die Windschutzscheibe verschmutzt gewesen. Er habe die geschlossene Schranke viel zu spät gesehen. Zwischen 50 und 80 Stundenkilometer habe er draufgehabt, als er durch den Schrankenbaum raste. Auf den Gleisen kam er dann zum Stehen. Aus Panik, von dem angekündigten Zug erwischt zu werden, sei er dann geradeaus durch den nächsten Schrankenbaum gefahren. Doch anstatt anzuhalten und den Unfall unverzüglich der Polizei zu melden, hat er einer anderen Autofahrerin durch die heruntergekurbelte Scheibe gesagt, sie sollte sich sein Autokennzeichen merken, und fuhr weiter. Erst später habe er sich dann selbst bei der Polizei gemeldet. Er sei auf dem Weg von Rendsburg zur Fachhochschule nach Flensburg gewesen. Er studierte damals noch Betriebswirtschaft. „Mein Opa hatte Krebs“, berichtete der Angeklagte. Dessen Zustand sei sehr kritisch gewesen, als er sich in Richtung Flensburg aufmachte. „Ich hatte ein schlechtes Gewissen, war in Gedanken vertieft und nicht Herr meiner Sinne“, so der Angeklagte über seinen damaligen emotionalen Zustand.

Der Anwalt hobt die Geständigkeit seines Mandaten hervor. Auch dessen Schuldfähigkeit könne angesichts der Panik – schließlich stand der Angeklagte mit seinem Fahrzeug mitten auf den Gleisen – in Frage gestellt werden. Er plädierte daher in Bezug auf den Unfall auf eine Geldstrafe von nur 30 Tagessätzen. Das Gericht entsprach in seinem Urteil der Forderung der Staatsanwaltschaft, für die Unfallflucht ein zweimonatiges Fahrverbot und eine Geldstrafe von 40 Tagessätzen à 15 Euro sowie für die Beleidigung eine Geldstrafe von weiteren 20 Tagessätzen zu verhängen – zusammengenommen 50 Tagessätze. Der Vorwurf des gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr wurde fallengelassen. 

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erstellt am 04.Aug.2015 | 06:00 Uhr

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