zur Navigation springen
Eckernförder Zeitung

18. Dezember 2017 | 17:48 Uhr

Kappelner Rekord : Mit dem Hering zum Spaß-Abo

vom

78 Teilnehmer bei der Heringswette. Fanggewicht lag bei 68 Pfund. Bei den Damen musste das Los über die Königswürde entscheiden.

shz.de von
erstellt am 14.Mai.2013 | 05:48 Uhr

Kappeln | Sie waren keine zwei Minuten an Bord, als das Spekulieren anfing. Die Heringswetter auf der "Nis Randers" waren mehr als bereit für das, was auf sie zukam. Zum Auftakt der Heringstage machten sich der Seenotrettungskreuzer und der Kutter "Ulrike" mit insgesamt 78 Wettern an Bord auf zum Heringszaun. Die Aufgabe war klar: Wie viel Pfund Hering machen den aktuellen Fang aus ? Stefan Lenz, Geschäftsführer der Kappelner Werkstätten, ließ alle, die es hören wollten, an seiner kühnen Kalkulation teilhaben - noch bevor man den Zaun überhaupt erreicht hatte. "Einfach schnell die Fische durchzählen, durch sechs teilen, haste die Pfundzahl", verkündete Lenz. Gemeindewehrführer Dirk Schadewaldt verfolgte da eher seine eigene Marschroute, die lautete: "Ich würde so gerne mal 112 tippen." Eine Zahl, von der Propst Helgo Jacobs noch meilenweit entfernt ist. Von acht Pfund im vergangenen Jahr steigerte er sich gestern zwar immerhin auf elf: "Ich taste mich langsam heran." Aber am Ende sollte es für keinen der drei zu Königswürden reichen.

Dass die 35. Heringstage und die traditionelle Heringswette ihre Existenz einem jahrhundertealten Zaun verdanken, war wohl lange nicht mehr so präsent wie in diesem Jahr. Fest steht: Der Heringszaun muss komplett erneuert werden. Noch offen ist, woher das Geld dafür kommen soll. Einen Teil jedenfalls steuern die Wettpaten mit ihrem Einsatz bei, genauer muss mal wohl sagen einen Bruchteil. Auf jeden Fall aber, das betonte Bürgervorsteher Jürgen Seemann in seiner Begrüßung in der Koslowski-Halle, lohne es sich, den Zaun zu erhalten. Eben jenen Gedanken griff auch Bernd Heinemann, Landtagsvizepräsident, auf, als er darauf pochte, den Heringszaun zu retten, denn: "Es gibt nur noch wenige stabile traditionelle Dinge." Die Heringstage seien mehr als eine nostalgische Erinnerung. "Sie binden mittlerweile eine ganze Region in das Erlebnis von Kultur ein", so Heinemann. Sie seien nicht nur über Jahrzehnte erfolgreich, sondern würden immer erfolgreicher, wie man an der wachsenden Zahl von Wettteilnehmern erkennen könne. "Dieser Erfolg hat einen Namen, nämlich den des Verschönerungsvereins und hier besonders von Dieter Clausen als Vorsitzendem, aber auch seinen zahlreichen Helfern", sagte Heinemann.

Erstmals in seiner Funktion war Landrat Dr. Wolfgang Buschmann in Kappeln. Für Buschmann ein Anlass, das hohe Lied auf den Hering anzustimmen, er sprach vom Silber des Meeres und von der Deutschen liebster Fisch. Sogar ein Heringsgedicht von Heinrich Seidel trug Buschmann in Versform vor. Und über die Heringstage sagte der Landrat, dass diese einen kräftigen Aufschwung erlebt hätten. "Die Heringstage haben Vorbildcharakter für andere Veranstaltungen." Seine Premiere gab auch der Europaabgeordnete und CDU-Landesvorsitzende Reimer Böge bei diesen Heringstagen. Zugleich war es in 35 Jahren Heringstage auch der erste Auftritt eines Europapolitikers überhaupt. Und der machte seinem Amt auch gleich alle Ehre. Denn Böge nahm die Zuhörer auf einen Ausflug in die Europapolitik mit. Anschließend würdigte er den Gottesdienst in der Nikolaikirche, den Propst Helgo Jacobs, die dänische Pastorin Randi Korsgaard und der katholische Pfarrer Professor Dr. Jan Turkiel aus Ustka grenz- und kirchenübergreifend gemeinsam abhielten. "Dieser deutsch-dänisch-polnische Gottesdienst ist gelebte europäische Zusammenarbeit", meinte Böge. Was einen EU-Zuschuss bei der Erneuerung des Heringszaunes betrifft, hoffte Böge, dass man noch in diesem Sommer ein Ergebnis haben werde. Denn auch in Zukunft würde die EU Tourismusprojekte im Rahmen der Strukturpolitik fördern. "Dass Kappeln etwas von diesem Kuchen abbekommt, ist nicht mehr meine Aufgabe. Ich bringe das Geld, ihr müsst es aufteilen."

Und dann wurde es spannend: Zunächst dankte das noch amtierende Königspaar Marta Kraft und Michael Hucke für die Unterstützung und legte den Nachfolgern den von ihm initiierten Kochwettbewerb um den Heringsteller-Pokal ans Herz, der mangels Beteiligung in diesem Jahr ausfallen musste. Für den Wettbewerb im nächsten Jahr machte Michael Hucke dem neuen Königspaar Mut: "Zwei Anmeldungen gibt es schon - nämlich von Marta und von mir. Jetzt seid ihr dran."

Und dann wurde das Geheimnis gelüftet: 68 Pfund Hering befanden sich in der Reuse des Heringszaunes. Drei Pfund mehr als im vergangenen Jahr, doch viel weniger als manch einer vermutet hatte. Eine Punktlandung gelang keinem, doch Jochen von Allwörden, Geschäftsführer des Schleswig-Holsteinischen Städtetags, kam mit 70 Pfund am nächsten heran. Bei den Damen musste erstmals in der Geschichte der Heringstage das Los entscheiden, denn gleich zwei Frauen hatten auf 72 Pfund getippt. Am Ende fiel das Los auf Sabine Mau Mau. Beide nahmen ihr neues Amt mit viel Humor auf. Von Allwörden sagte: "Ich bin mit dem Ziel hierher gekommen, mächtig Spaß zu haben. Da wusste ich nicht, dass ich darauf jetzt ein Jahres-Abo habe." Und Sabine Mau fürchtete um den Frieden ihrer Familie, speziell um den mit Ehemann Matthias. "In meinem anderen Leben bin ich mit dem Männergilde-König verheiratet."

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen