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Sammlerglück : Mit dem Frost endet das Pilzglück

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Pilze machen sich 2015 eher rar / Pilzsammler Ulrich Rincke rät unerfahrenen Sammlern die Funde einem Fachmann zu zeigen

von
erstellt am 07.Nov.2015 | 15:39 Uhr

Loose | Erst war es zu heiß und zu trocken, dann war es zwar feucht, aber zu kalt. Das Pilzjahr 2015 werde für die meisten Speisepilze wohl eher mäßig bis schlecht, stellt Ulrich Rincke fest. „Quasi über Nacht sind jetzt die Hallimasche da“, sagt er und zieht mit Sammelkorb und einem scharfen Messer los.

Wann die Pilze aus dem Boden schießen, kann man nicht vorhersagen, sagt der 72 -Jährige, der seit seiner Kindheit Pilze sammelt. Wenn alle Faktoren passen, dann ist der Boden voll mit Pilzen. Das erlebt er in seinem Garten alle Jahre wieder. Dann stehen innerhalb weniger Tage weit über 1000 Hallimasch-Pilze auf seiner Wiese.

Ganz ähnlich die Einschätzung von Frank Dreves aus Sönderby. Auch er hat den Eindruck, dass sein „Pilzjahr nicht zu den besten gehört.“ Zwar gab es in den letzten Wochen viel Regen, was für das Pilzwachstum ideal sei, aber die Temperaturen waren wohl nicht hoch genug. Den ersten Birkenpilz fand er bereits Anfang Juni und auch Champignons und Rotfußröhrlinge folgten. Vereinzelt fand er in den Wälder Schwansens auch Maronen und Steinpilze.

Rincke wuchs in einer waldreichen Landschaft auf. „Wir Kinder waren täglich im Wald, und sammelten Beeren, Pilze, Obst aber auch Futter aller Art für das Vieh“. In der Zeit lernte er gute Speisepilze von giftigen oder ungenießbaren Pilzen zu unterscheiden. „Nur wenn ich den Pilz eindeutig kenne, nehme ich ihn mit“. Zu leicht greife man zu dem falschen Pilz. Für jeden Pilz gibt es eine Reihe von Merkmalen, die müsse man kennen müsse, nur dann könne man den Pilz ernten.

Zahlreich gefunden hat Rincke dieses Jahr vor allem Birkenpilze, eher mäßig Steinpilze und Maronen. Sehr gut sei die Ernte der Hallimasche in seinem Garten. Die Grund dafür liegt im Boden. Dort lebt der eigentliche Pilz als Schmarotzer an Wurzeln der Bäume. Das Pilzmyzel bedient sich an den Nährstoffen der Bäume. Diese Pilzkörper können gewaltige Ausmaße haben, was auch dazu führen kann, sie den Baum als Wirt zum Absterben bringen. Dieser bekommt dann zu wenig Nährstoffe und Wasser aus den Wurzeln. Die Hallimasche in Rinckes Garten wachsen vor allem in dem Bereich, wo er vor Jahren zahlreiche Bäume entfernte, die Wurzelreste aber im Boden beließ. Diese werden nun von den Pilzen aufgezehrt.

Wie lange die Pilzernte noch anhält, entscheidet die Temperatur. Mit dem ersten Bodenfrost endet das Pilzglück sofort. Die filigranen Gewebe der Pilze bestehen aus viel Wasser und platzen bei Frost. Zugleich stellt das Myzel das Wachstum der Fruchtkörper ein, da die Bedingungen zur Fortpflanzung des Pilzes über Sporen ungünstig werden.

Bis dahin aber hoffen die Pilzfreunde noch auf leckere Pilze. Wo die Pilze zu finden sind, das verraten sie nicht. Jeder habe so seine Stellen, wo die Lieblingspilze wachsen, stellt Rincke fest. Pilze wachsen überall dort, wo der Boden nicht zusätzlich gedüngt wird, erklärt er weiter. Daher finde man heute so gut wie nie mehr den klassischen Wiesenchampignon in der Kulturlandschaft. In seiner Jugend hätten sie noch große Mengen gefunden.

Ein besonderer Leckerbissen sei der riesen Bovist. Der könne schon mal so groß wie ein Kürbis sein. Sein Fleisch sei zart wie Kalbfleisch und schmecke paniert und gebraten wie ein Schnitzel. Früher gehörten Pilze ganz fest in den Speiseplan der Landbevölkerung. Heute sei das ganz anders. Besonders die Jugend habe kaum noch Bezug zu Pilzen. Das Pilzangebot durch weitere Kulturzuchten zu erweitern, sei noch nicht gelungen, räumt Rincke ein. Weder Steinpilz noch Marone seien gezielt zu kultivieren, das gelinge nur mit dem Champignon.

Wenn jemand Pilze sammeln wolle, dann müsse er sich auf jeden Fall, schlau machen und sich auf wenige eindeutig bestimmbare Pilze beschränken. In jedem Fall sollte der Fund jemand gezeigt werden, der sich auskennt. Das biete er auch an. Nur nach Fotos oder Beschreibungen in Büchern Pilze zu suchen sei nicht sicher genug, da Pilze je Standort ganz unterschiedlich aussehen könnten. Hilfreich könne auch eine Infostelle sein oder einen Kursus zur Pilzbestimmung zu besuchen. „Im Zweifelsfall lieber stehen lassen.“ So würden auch seltene Pilze nicht entfernt, und bekämen die Chance, sich zu vermehren.

In keinem Fall sollten Pilze mitgenommen werden, die schon matschig oder gar schimmelig seien. Bei Pilzen sind viele Enzyme aktiv, die giftige chemische Produkte erzeugen. Das könne auch beim Transport der Pilze in einer Kunststofftüte unter Sauerstoffabschluss passieren. Am besten einen Korb verwenden und die Pilze zügig verarbeiten. Grundsätzlich dürfen die Pilze nur gut durchgegart verzehrt oder auch eingefroren werden. Da Rincke die Berge an Pilzen selber gar nicht verarbeiten kann, geht er mit seinem „Rotkäppchenkorb“ durch den Ort und verteilt seine Ernte.

Wo seine Fundstellen sind, verrät er nicht, aber selbst in Eckernförde gäbe es Stellen, wo er immer Champignons oder auch Steinpilze findet. „Augen auf“ , den Tipp gibt er gerne.


>Infos bei Kieler Pilzfreunde: Kroog / Kiel-Ostufer, Hr. Tänzer Tel. 0160/2917834, Barkauer Land (Kreis PLÖ), Fr. Lebold, Tel. 0179/6894929, Kiel-Süd, Fr. Bedregal, Tel. 0170/3861698, Dänischer Wohld, Fr. Kamke, Tel. 0172/4169237; www.kieler-pilzfreunde.de

www.dgfm-ev.de


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