Verrückte Idee : Mit dem Fahrrad nach Peking

15000 Kilometer untrainiert für den guten Zweck: Nono Konopka (r.) und sein Mitbewohner Maximilian Jabs werden zehn Monate in Asien unterwegs sein. Fotos: bikingborders
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15000 Kilometer untrainiert für den guten Zweck: Nono Konopka (r.) und sein Mitbewohner Maximilian Jabs werden zehn Monate in Asien unterwegs sein. Fotos: bikingborders

Der ehemalige Peter-Ustinov-Schüler Nono Konopka fährt mit einem Freund 15000 Kilometer durch 20 Länder und sammelt dabei Spenden für den Bau einer Schule in Guatemala.

shz.de von
27. Juli 2018, 05:50 Uhr

Eckernförde | Wer sich schon schwer tut, zum Einkaufen mit dem Fahrrad statt mit dem Auto zu fahren, sollte jetzt gut achtgeben, sonst glaubt er es nicht: Nono Konopka (24) fährt nach Peking. Mit dem Fahrrad. Der ehemalige Peter-Ustinov-Schüler startet am 2. September mit seinem Mitbewohner Maximilian Jabs in Berlin. Neun bis zehn Monate geben sie sich für die Gewaltstrecke durch 20 Länder.

„Gap Year auf dem Rad“, nennen sie ihre Tour. „15 000 Kilometer untrainiert für den guten Zweck.“ Untrainiert? „Naja, nicht ganz“, sagt Nono Konopka, der bis zu seinem Studium in Eckernförde gelebt hat. „Ich mache schon Sport, aber keinen Radsport.“ Und der gute Zweck? „Wir sammeln Spenden für die Organisation ’Pencils of Promise’, um eine Schule in Guatemala bauen zu lassen und im ersten Jahr 400 Schüler zu unterstützen. Dafür benötigen wir 70 000 Euro.“

Auf die Idee zu ihrem „Gap Year“ (englisch für „freies“ oder „Unterbrechungsjahr“) kamen die beiden jungen Männer vor einem halben Jahr, als sie einen Fernsehbeitrag über einen Mann sahen, der von Oregon nach Kolumbien radelte. Sie waren sich einig: „So etwas machen wir auch, aber für einen guten Zweck.“ Beide haben gerade ihr Studium beendet, haben gute Jobmöglichkeiten. „Aber wir wollen noch etwas machen, was auch etwas bedeutet“, so Nono Konopka.

Die Frage war, welches die längste und verrückteste Strecke ist, die sie zurücklegen können. Da kam ihnen die Seidenstraße in den Sinn. Nach der Türkei, Armenien, Aserbaidschan und dem Iran müssen sie Länder durchqueren wie Turkmenistan, Usbekistan, Kirgisistan und Kasachstan. „Viele wissen gar nicht, dass es diese Länder überhaupt gibt“, sagt Nono. „Und wenn, dann denken sie, dass es dort ungemein gefährlich sein muss.“

Dieses Schubladendenken gefällt den beiden Globetrottern nicht. Nono Konopka hat nicht nur in den Niederlanden und in Mexiko „Internationales Marketing“ studiert, sondern ist schon mit dem Rucksack ein Dreivierteljahr durch Australien und Asien gereist und hat mehrere Monate lang Zentralamerika durchquert. „Nach einer solchen Reise realisiert man, wie privilegiert wir sind. Hier können die Kinder zur Schule gehen und spielen, dort müssen sie arbeiten, um ihre Familien zu unterstützen.“

Und man merkt, wie viele Vorurteile es gibt: „Die zentralasiatischen Länder sind doch total gefährlich“, bekommt Nono oft zu hören. Er sagt: „Das glaube ich nicht. Man muss sich eine eigene Meinung bilden und kann sich nicht darauf verlassen, was andere sagen. Entweder man fährt hin oder spricht mit Menschen, die dort waren. Ich würde sagen, Berlin-Neukölln ist gefährlicher als der Iran.“

Am 2. September geht es von ihrer gemeinsamen Wohnung in Berlin los, Weihnachten verbringen sie in Istanbul und beantragen dort ihr Visum für den Iran. Für Turkmenistan gibt es nur ein Transit-Visum: An fünf Tagen müssen sie 630 Kilometer durch die Wüste fahren. Auf dem Pamir-Highway erwarten sie Temperaturen von bis zu -15 Grad Celsius. Meistens wollen die Abenteurer im Zelt schlafen.

Finanziell kann sich Nono Konopka das Jahr leisten: Er hatte zwei Unternehmen gegründet, unter anderem eine „Digitalagentur“, deren Anteile er nun verkauft hat. Und wem schon einmal eine Firma gehört hat, die sich um Websites, Online-Marketing und Werbeauftritte kümmert, der weiß, wie er in der digitalen Welt Aufmerksamkeit erregen kann, um für sein soziales Projekt zu werben. Unter www.bikingborders.com kann die Tour der beiden Weltenbummler verfolgt werden. Auch sind sie bei Instagram, Facebook und auf Youtube unter dem Stichwort „bikingborders“ vertreten. Dort wird auch erklärt, wie man spenden kann. Schon jetzt, vor Beginn der Reise, sind 1150 Euro zusammengekommen.

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