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Neues vom Bücherherbst : Mit Annemarie Stoltenberg durch den Bücherdschungel

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Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Die Hamburger Literaturkritikerin Annemarie Stoltenberg hat bei ihrem Besuch am Freitag 21 Neuerscheinungen des Bücherherbstes empfohlen. Ihre Fangemeinde wächst – die 120 Karten waren nach wenigen Tagen ausverkauft.

shz.de von
erstellt am 27.Okt.2014 | 05:50 Uhr

Fast zehn Jahre ist es her, dass die NDR-Journalistin (DAS!) und Literaturkritikerin Annemarie Stoltenberg mit 30 Kilo Buchgepäck zum ersten Mal Eckernförde besuchte und vor knapp 30 Gästen Lese-Tipps gab. Heute füllt die 57-Jährige mit einem Fingerschnippen den Ratssaal – die 120 Karten für die LesArt-Veranstaltung der Stadtbücherei in Zusammenarbeit mit der Buchhandlung am Gänsemarkt waren in wenigen Tagen ausverkauft. Und so führte Annemarie Stoltenberg am Freitagabend wieder charmant, kompetent und humorvoll durch den Dschungel der Neuerscheinungen im Bücherherbst.

Humorvoll fürwahr: Sie erzählte ihren amüsierten Zuhörern von ihrer Abneigung, Tütengeknister in Zugabteilen zu hören und von ihrem Erlebnis, als Gast des Bordrestaurants als erster im Notfall evakuiert worden zu sein, und schlug so eine Brücke zu Tim Parks mit seinem Buch „Italien in vollen Zügen“.

Ganz anders „Die Frau von Shearwater Island“ von Magali Robathan – ein „schöner Schmöker für verregnete, kalte Sonntage“, so Stoltenberg. Die Inselbewohnerin Alice erzählt ihrem neuen Untermieter „in den sie sich ordnungsgemäß sofort verliebt“, alle Geheimnisse der Insel und ihrer Bewohner. Dumm nur, dass der Schriftsteller diese in einem Buch veröffentlicht.

„Eine Hommage an Großmütter“ ist dagegen der Roman „Im Hause Longbourn“ von Jo Baker, der die Geschichte von „Stolz und Vorurteil“ (Jane Austen) aus der Sicht der Dienstboten erzählt. „Allein die Beschreibung, wie damals die Wäsche gewaschen wurde, hat mich beeindruckt“, sagt Stoltenberg. Ihr Rat: „Immer wenn Sie das Bedürfnis haben, zu ihrer Waschmaschine zu gehen und davor niederzuknieen, sagen Sie ’Danke’.“

„Die Liegenden“ von Michele Serra beschreibt das Verhalten vieler Jugendlicher und scheint einen Nerv getroffen zu haben: In Italien wurde es 350 000 Mal verkauft. Die Rede ist von der Angewohnheit, überall Müll liegenzulassen und nicht mit den Eltern zu reden. „Eine Trostlektüre für jeden, der selbst einen Teenager zu verwalten hat und hören will, dass er nicht allein ist.“

Aber auch Koch- und Sachbücher waren unter den Tipps, die Stoltenberg im Gepäck hatte. Ihr Favorit ist aber ein Roman: „Kruso“ von Lutz Seiler über einen Aussteiger in der DDR, für dessen Recherche der Autor den Spuren jener Menschen folgt, die bei ihrer Flucht über die Ostsee verschollen sind. Stoltenberg: „Ein zärtlicher Roman über Liebe, Verlust und Freiheit in einer unfassbar schönen Sprache.“

Bücher über Bücher und eine Kritikerin in Höchstform, die in 90 Minuten 21 Bücher besprach und ganz nebenbei jeden Zuhörer zum Lachen brachte. Wegen der großen Nachfrage von Bücherfreunden wird über einen größeren Veranstaltungsraum für das nächste Jahr nachgedacht – und ob Annemarie Stoltenberg nicht auch im Frühjahr einmal kommt.

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