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Eckernförder Zeitung

20. Oktober 2017 | 09:33 Uhr

Betriebsbesuch : Mit 1000 Sorten fängt es an

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Weltweit agierender Agrarkonzern Pioneer züchtet Winterraps in Wulfshagen / 16 Stunden Licht am Tag simulieren den Sommer

shz.de von
erstellt am 05.Jan.2014 | 06:28 Uhr

Es ist später Nachmittag. Plötzlich geht das Licht an im Gewächshaus der Rapszuchtstation des amerikanische Agrarunternehmens DuPont Pioneer in Wulfshagen. Hell und gelblich. Rapszüchter Konrad Kräling erklärt wieso: „Im Winter, wenn draußen nur acht Stunden Sonnenlicht herrschen, bekommen die Pflanzen acht Stunden zusätzliche, künstliche Beleuchtung“, sagt er. „Bis abends um 22 Uhr.“ Konrad Kräling, Ulrich Schmidt, der Geschäftsführer für den Bereich Nordeuropa, und Heinz Degenhardt, zuständig für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit für den Bereich Nordeuropa, nehmen sich Zeit für eine Führung.

Seit 1992 wird auf dem Gelände in Wulfshagen, vormals Versuchslabor der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein, Winterraps gezüchtet. Um effektiver züchten zu können, wurde 2011 das Gewächshaus in Betrieb genommen. 14 Mitarbeiter sind am Standort beschäftigt, zu Arbeitsspitzen etwa bei der Aussaat und Ernte im Sommer helfen Schüler und Studenten. „Uns geht es darum, dem Landwirt neues Saatgut mit verbesserter Qualität an die Hand zu geben, mit dem er mehr erntet“, sagt Geschäftsführer Ulrich Schmidt. Bei Raps etwa misst sich die Qualität an einem möglichst hohen Ölgehalt. Raps macht in Schleswig-Holstein etwa ein Viertel der Anbaufläche aus, ist aber eine recht junge Kulturpflanze, die erst seit 30, 40 Jahren züchterisch bearbeitet wird. Während draußen im Feld nur eine Generation im Jahr heranwächst, sind es im Gewächshaus zwei Generationen. „Je mehr Generationen man schafft, desto schneller kommt man züchterisch voran“, erklärt Konrad Kräling.

Im ersten Raum wachsen tausende grüne Rapspflänzchen in Tabletts heran. In der sogenannten sechswöchigen Anzugsphase bekommen sie unter kontrollierten Wachstumsbedingungen 16 Stunden Licht und acht Stunden Dunkelheit, bis sie drei bis vier Blätter bilden. Die nächste Phase verbringen sie zur sogenannten Vernalisation drei Monate im Kälteraum. „Hier simulieren wir den Winter“, erklärt Konrad Kräling.“ Die Temperatur beträgt etwa 4 bis 6°C, acht Stunden ist es hell, 16 Stunden dunkel. Danach werden die Pflänzchen umgetopft und wechseln zur generativen Phase in das große Gewächshaus. Hier ist es etwa 18 °C warm. 16 Stunden Licht am Tag simulieren den Sommer. „Wenn draußen die Sonne untergeht, geht automatisch das Licht an“, erklärt der Rapszüchter. „Oder auch, wenn es bewölkt ist.“ Nach etwa vier Wochen blühen die Pflanzen gelb, dann fruchten sie, bilden Samen aus. „Ausgesuchte Genotypen kreuzen wir miteinander, um neue genetische Variabilität zu erzeugen“, erklärt der Züchter. „Das ist die Grundlage meiner Arbeit.“ Die Züchtungen werden für die Hybridzüchtung verwendet, bei der geeignete Inzuchtlinien einmalig miteinander gekreuzt werden. Da die Bedingungen draußen im Feld ganz anders sind, wird das Saatgut anschließend in Beobachtungsparzellen im Feld erprobt. Jedes Jahr werden in etlichen Hektar Zuchtgärten in Wulfshagen sowie zehn weiteren Standorten in Deutschland und über ganz Europa verteilt tausende von Hybriden getestet, merkt Geschäftsführer Ulrich Schmidt an. Herbizid- und insektenresistente Pflanzen seien mit der konventionellen Züchtung jedoch nicht zu erreichen. Das gelinge nur mit Gentechnik. Die sei in der EU jedoch sehr reguliert. „Man wird erst in Jahren sehen, ob da Chancen vergeben wurden.“

Zurück im Büro, gibt Geschäftsführer Ulrich Schmidt noch ein Überblick über die Geschichte, Entwicklung und Ziele des Agrarkonzerts. Denen, die die Dominanz multinationaler Konzerne in der weltweiten Agrarwirtschaft kritisieren und den Saatgutherstellern vorwerfen, sie würden Landwirte in eine Abhängigkeit von ihren Produkten zwingen, begegnet er entspannt. Die Steigerung des Ertrags in der Landwirtschaft diene auch dazu, die wachsende Weltbevölkerung zu ernähren, sagt er. Zudem verfügen große Konzerne über mehr Gelder für die Forschung. „14 Prozent unseres Umsatzes gehen in die Forschung“, erklärt er. „Man fängt mit tausenden Sorten an. Das mündet nach zwölf bis 15 Jahren in ein oder zwei Sorten, die kommerzialisiert werden. Wir müssen lange investieren, bevor wir eine Sorte auf dem Markt haben.“



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