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Marine : Mission erfüllt: U 32 setzt neue Maßstäbe

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Das Eckernförder Unterseeboot U-32 kehrt nach mehr als sechs Monaten Auslandsfahrt aus den USA zurück. Viele Angehörige erwarteten die Seeleute bei der Rückkehr an der Marinemole.

shz.de von
erstellt am 20.Aug.2013 | 16:11 Uhr

Es müssen gewaltige Eindrücke sein, die jedes der 28 Besatzungsmitglieder an Bord des Unterseebootes U 32 in den vergangenen sechs Monaten erlebt hat. Das große Manöver mit den US-Einheiten vor der amerikanischen Ostküste, Westlant Deployment, hat die Crews „Delta“ und „Bravo“, die U 32 nach drei Monaten übernommen hat, ebenso gefordert wie das neue U-Boot der Klasse 212 A und den Tender Main, der bereits am Donnerstag zurückgekehrt war (wir berichteten). U 32 hat mit 18 Tagen unter Wasser nicht nur einen neuen Rekord aufgestellt, sondern als erstes konventionelles U-Boot für eines der imposantesten Schiffe der US-Marine, den Flugzeugträger Harry S. Truman, Aufklärungsarbeit betrieben. Die in sandfarbener Uniform und aufgereiht an Deck stehenden Soldaten sind gestern nach 91 Tagen bei spiegelglatter See und spätsommerlichem Wetter wieder in den Heimathafen Eckernförde eingelaufen. Die kurz vor dem Einlaufen abgefeuerten Signalraketen waren Ausdruck der Wiedersehensfreude. Auf der Mole warteten neben dem militärischen Empfangskommitee mit dem Kommandeur des 1. U-Bootgeschwaders, Fregattenkapitän Sascha-Helge Rackwitz, an der Spitze auch über 100 Angehörige auf die Heimkehrer. Der Eckernförder Spielmannszug „Drums & Pipes“, der das Marinemusikkorps Ostsee bereits zum zweiten Mal innerhalb von fünf Tagen vertreten hat, intonierte „Über den Wolken“. Nach den vielen Tagen unter Wasser genau das Richtige, meinte Rüdiger Burbott, der im Orchester das Becken spielt und beim Bundeswehrdienstleistungszentrum arbeitet. Als Afghanistan-Veteran weiß er um den besonderen Moment des Heimkehrens: „Als Soldat weiß man das zu schätzen, wenn da jemand ist, der einen so begrüßt.“

U 32 hatte gerade per Wurfleine das Anlegemanöver eingeleitet, da holte Besatzungsmitglied Christoph Hunger weit aus, zielte genau und warf eine Benjamin-Blümchen-Stofffigur genau in die Arme seiner Frau Tatjana, die zusammen mit ihren Töchtern Karolina und Luisa und Mutter Sieglinde Andersen aus Loose auf ihren Mann wartete. Benjamin Blümchen hat ihn während seines dreimonatigen Manövereinsatzes begleitet und an seine Lieben erinnert.

Sehnsüchtige Blicke, Winken und Freudentränen auf der gesamten Mole. Endlich konnte auch Katharina-Sophie Galling ihren Freund, den 3. Wachoffizier Björn Ranocha, in die Arme schließen. Das große, rote Herz, dass die Kielerin dabei hatte, machte durchaus Sinn: „Wir planen jetzt unsere Hochzeit.“ Lena Lemke aus Flensburg lag überglücklich in den Armen von Ronny Richter, dem Sonarmeister. Nebenan freute sich Oberleutnant Björn Frye, seinen Sohn Finn (5) auf und seine Frau Martina in den Arm zu nehmen. Auch der Schiffstechnische Offizier Jascha Tscherney wurde erwartet: Freundin Friederike Brodach wartete mit ihrer Mutter Birgitta auf ihren Freund, ebenso dessen Eltern Ingrid und Bernd Tscherney. Vater Bernd ist ebenfalls ein alter U-Bootfahrer, war einst an Bord von U1. Chemie-Studentin Anja Annemüller war aus Clausthal-Zellerfeld und Sandra Mattulat aus Schönfeld bei Demmin mit ihren Söhnen Moritz und Tim angereist, um ihre Männer Tino (Sonarmeister I) und Steffen (Sonaroffizier) zu begrüßen. Sie wollen jetzt viel Zeit miteinander verbringen und ihre Männer wieder „auf den neuesten Stand bringen“, wie Anja Annemüller meinte.

U-Boot-Kommandant Christian Michalski sprach seiner Besatzung und dem Boot ein Kompliment aus. „Das Boot hat sich mehr als bewährt, selbst die Amerikaner waren begeistert.“

Kommandeur Rackwitz hatte die Besatzung in Eckernförde willkommen geheißen. Er sei froh, nach dem Manöver nun wieder „alle Schäfchen beisammen zu haben“. Die Crew sei hervorragend mit dem „Eigenleben des Bootes“ klargekommen, man müsse es „wie eine Frau behandeln – streicheln, pflegen und Komplimente machen“. U 32 sei das erste konventionell angetriebene U-Boot, dass einen Flugzeugträger geschützt hat. Die Besatzung habe Neuland betreten, hätte dies hervorragend gemeistert und habe die Zeit intensiv zur Ausbildung genutzt. „Die Besatzung Bravo hatte entscheidenden Anteil am erfolgreichen Manöver – es war eine tolle Zeit“, sagte Rackwitz, der selbst erst am Donnerstag an Bord der Kommandoplattform Tender Main zurückgekehrt war. Nach der Nationalhymne lautete sein Kommando schlicht und einfach:„Zu den Angehörigen wegtreten.“

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