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erfolgreiche ahnensuche : Minnesota und Rieseby – eine Familie

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Der Riesebyer Erwin Nazarenus (84) erhält erstmals Besuch seiner „neuen“ Verwandtschaft aus Minnesota. Der gemeinsame Vorfahre Asmus Friedrich Nazarenus ist 1880 nach Amerika ausgewandert.

shz.de von
erstellt am 07.Aug.2014 | 08:30 Uhr

Es mutet ein ganz klein wenig wie im Märchen an – Besuch aus Amerika. Erwin Nazarenus strahlt übers ganze Gesicht, als er mit seiner Verwandtschaft vor der Mühle Anna vorfährt und aus dem Auto vier waschechte US-Amerikaner aussteigen: Candy (61), Kris (56), Karina (35) und Scott (23). In diesem Augenblick haben sich alle Mühen des 84-Jährige Riesebyers gelohnt – die Suche nach einem Zweig seiner Familie in den USA. Bereits im Oktober 2013 ist Nazarenus zum ersten Kennenlernen über den großen Teich geflogen, in Begleitung seines Enkels Jacob (wir berichteten). Er und seine neue Familie haben sich so gut verstanden, dass ein Gegenbesuch in Deutschland verabredet wurde – und dieser hat jetzt stattgefunden.

Riesige Felder, weite Ebenen ohne viel Baumbewuchs, viele Moskitos – das ist die Heimat von Candy Sobocinski. Die 61-Jährige lebt in Wabasso, einem Dorf mit 700 Einwohnern, im Süden von Minnesota (USA). Sie selbst betreibt dort außerhalb des Dorfes eine Farm, die so ganz anders aussieht als ein Bauernhof in Schleswig-Holstein. Dafür, dass sie und ihre Kinder Karina und Scott sowie ihre Schwester Kris den richtigen Eindruck von Old Germany erhalten, sorgen Erwin Nazarenus und sein Sohn Dirk (50). Viele Ausflüge stehen auf dem Programm, so auch Besuche einiger Gutshöfe in Schwansen. „It’s so lovely here“, schwärmt Kris. Auffällig seien hier besonders die vielen Bäume, die die Felder einrahmen, so die 56-Jährige Köchin, die in Seepy Eye, einer Gemeinde mit 3000 Einwohnern, lebt. „Das sind Knicks“, erklärt Nazarenus. Dass er kein Englisch spricht und die Amerikaner kein einziges Wort Deutsch sprechen, stört überhaupt nicht. Sein Sohn Dirk übernimmt kurzerhand die Rolle des Dolmetschers.

Kris und Candy sind Urenkelinnen des um 1880 aus Rabenkirchen (Angeln) ausgewanderten Großonkels von Erwin Nazarenus, Asmus Friedrich Nazarenus. Karina und Scott sind die Kinder von Candy. Die Ahnenforschung ist das große Hobby von Erwin Nazarenus. Dieses hat er im vergangenen Jahr auf die Sippenforschung ausgeweitet. Viele Jahre hatte er die Adresse von Alfred Nazarenus, dem Sohn des ausgewanderten Asmus, aufbewahrt. Und eines Tages an diese Anschrift einen Brief geschrieben. Auf deutsch – eine Nachbarin habe diesen Brief übersetzt, erzählt Candy, und auf deutsch an Erwin zurückgeschrieben.

Sehr interessiert schauen sich die vier Besucher aus Übersee die Mühle an und können sich gar nicht sattsehen an all den alten Dingen. „Sie wollen ihre Wurzeln entdecken und sind sehr berührt“, fasst Dirk Nazarenus seine Eindrücke von der neuen Verwandtschaft zusammen. Obwohl man doch tausende von Kilometern auseinanderwohne und bislang noch keinerlei Berührungspunkte gehabt habe, sei es umso erstaunlicher, dass es „gewisse Parallelen in Bezug auf Eigenschaften“ gebe, so Nazarenus.

So steht natürlich der Besuch von Rabenkirchenholz, dem Geburtsort des Auswanderers Asmus Nazarenus, auf dem Programm.

Man könne hier einfach die Türen und die Fenster offen lassen – eine Tatsache, die sie sehr verwundere, antwortet Candy auf die Frage, was ihr hier in Deutschland am meisten auffalle. Zuhause auf der Farm in Minnesota bevölkerten sofort Heerscharen von Moskitos und Fliegen Haus und Stallungen, wenn man nicht unverzüglich die Fliegentür hinter sich schließen würde. Ihre Tochter Karina lebt in Mankato, einer Stadt mit 50 000 Einwohnern. Auch sie hat wie ihr Verwandter Erwin in Rieseby den Hang der Sippe Nazarenus geerbt, in der Familiengeschichte zu forschen. Ihr fallen vor allem die vielen Blumen in den zahlreichen Gärten auf, die vor nahezu jedem Haus in Schleswig-Holstein zu sehen sind – so auch in Rieseby. Scott, Sohn von Candy, lebt wie seine Mutter in Wabasso auf dem Land. Hier gebe es mehr Vielfalt den Feldern, so der 23-Jährige, Kornfelder wechselten sich mit Maifeldern und Graswiesen ab – das sei in Minnesota mit seinen riesigen Flächen ganz anders. „And the coffee“ – in Deutschland schmecke der Kaffee viel besser als in den USA, erzählt Scott.

Heute fliegen die Besucher in die Staaten zurück. Im Vergleich zu den Deutschen hätten sie nur wenige Urlaubstage im Jahr, bedauern die vier. Mit vielen neuen Eindrücken und der Erkenntnis, dass ihre neue Verwandtschaft in einer „realy lovely“ Umgebung leben, kehren sie nach Hause. Und sagen Erwin Nazarenus, dass dieser Besuch nicht der einzige bleiben werde.

Gastgeber Nazarenus ist stolz, dass seine neue Familie ihn und sein Rieseby besucht haben. Vor allem die Mühle Anna, durch die Karl-Heinz Lappöhn, Vorsitzender des Mühlenvereins, und Frank Emmerich die Gäste führten, hatten es den Amerikanern angetan.

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