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Eckernförder Zeitung

12. Dezember 2017 | 11:56 Uhr

Standpunkt : Minimal- Konsens

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Zur Aktuellen Stunde

von
erstellt am 12.Dez.2013 | 06:47 Uhr

Er fing gut an, hat dann aber seine Chance auf eine rückhaltlose Aufklärung und eine positive Wendung vertan. Nach einem Beginn mit offenem Visier, dem Einräumen von Fehlern, Fehleinschätzungen und unangemessenem Trotzverhalten hat Dr. Reinhard Jentzsch es versäumt, diese Botschaft nach den schweren Fehlern der vergangenen Wochen durch ein aufrichtiges und überzeugendes Bekenntnis zur weiteren politischen Zusammenarbeit zu untermauern. Stattdessen spitze Fragen, Rechtfertigungsversuche, Ausflüchte. Ersteres stand ihm in dieser Situation nun wirklich nicht zu, Letzteres brachte ihn vom Weg der Läuterung und Einsicht ab. Verhängnisvoll. Reinhard Jentzsch hat die Botschaft des durchaus auf Konsens gepolten Ältestenrats nicht richtig verstanden und war sich der Schwere seiner Bürde offenbar nicht bewusst. Sonst hätte er nicht keck bis naiv Fragen zu seinem Verschulden an die versammelte Politik gerichtet und Aussagen von Bürgermeister Sibbel offen in Frage gestellt.

Jentzsch hat sich zwar mehrfach entschuldigt, aber nicht wirklich Reue gezeigt. Vielleicht gibt es das Weltbild eines erfolgreichen, selbstbewussten und finanziell unabhängigen Zahnarztes auch nicht her. Jentzsch hat nun – sollte er nicht freiwillig von seinem Mandat zurücktreten oder in einem zweiten Schritt die Kuh doch noch irgendwie vom Eis bekommen – ein ausgewachsenes Vertrauens- und Glaubwürdigkeitsproblem an der Backe. Eines, dass weder ihm, noch seiner Fraktion oder der Ratsversammlung insgesamt gut tut. Das zähe Festhalten an diesem Bürgerpark-Deal, die Verquickung von privaten und politischen Interessen und das Abstreiten jeglicher Befangenheit ist in dieser Dichte eigentlich nicht entschuldbar. Dass die Politik, die Jentzsch in Teilen durchaus eine hohe Wertschätzung entgegenbringt, es dennoch versucht hat, verdient Respekt und Anerkennung. Auch, dass am Ende auf Vermittlung der Ratsversammlung doch noch ein Minimal-Konsens herauskam, zu dem Jentzsch allerdings mehr getrieben werden musste. Er war für ihn der letzte Strohhalm, den Ratssaal an diesem Abend als Ratsherr verlassen zu können.

Wenn man aus diesem denkwürdigen Dienstagabend überhaupt etwas Gutes ziehen will, ist es die eindrucksvolle Präsenz der Bürger und die Bewährung der Aktuellen Stunde als politisches Instrument.

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