Taxi, Tankstelle und Co. : Mindestlohn in Schleswig-Holstein: Der Kunde zahlt

16.000 Euro Mehrkosten durch den Mindestlohn hat Tankstellenpächter Joachim Clausen.
Foto:
1 von 3
16.000 Euro Mehrkosten durch den Mindestlohn hat Tankstellenpächter Joachim Clausen.

Für Arbeitgeber entstehen durch die Einführung des Mindestlohns hohe Kosten. Viele setzen daher auf Erhöhung der Preise – und auf Festangestellte.

shz.de von
07. Januar 2015, 06:00 Uhr

Deutschland hat den Mindestlohn eingeführt: 8,50 Euro stehen Arbeitnehmern jetzt zu. Wo das Geld herkommt, scheint klar zu sein: Am Ende zahlt es der Kunde.

Beim Eckernförder Taxiunternehmen Ottenberg stehen die Zeichen noch auf Optimismus, geht man hier doch davon aus, dass das Beförderungsentgelt angehoben wird. Die Erhöhung des Stundenlohns von 5,80 Euro um fast 50 Prozent ist für das Unternehmen, wie für die Kollegen im ganzen Land, eine harte Nuss. Deshalb hat der Landesverband für das Taxi-und Mietwagengewerbe bei den 16 Kreisen und kreisfreien Städten im Land einen Antrag auf eine Tariferhöhung gestellt. Denn: Das Beförderungsentgelt legen nicht die Taxiunternehmen fest, sondern die Kreise. Sie müssen einer Anhebung des Entgelttarifs also zustimmen. Bis zum 1. März soll die Entscheidung gefallen sein, solange müssen die Unternehmen die erhöhten Kosten selbst tragen.

„Zwischen 20 und 30 Prozent mehr müssen wir haben, um die steigenden Kosten durch den Mindestlohn auszugleichen“, sagt Michaela Kursch, Vertreterin von Inhaber Wolfgang Ottenberg. Ob der Kunde die geänderten Preise annimmt, weiß sie allerdings nicht: „Dann könnte sich das Fahrgastaufkommen entsprechend verändern.“ Sollte es abnehmen, könnten Entlassungen die Folge sein. Doch das bleibt abzuwarten.

Sollte die Tariferhöhung nicht genehmigt werden, schlägt Thomas Krotz, erster Vorsitzender des Landesverbandes für das Taxi-und Mietwagengewerbe Schleswig-Holstein, eine Alternative vor: „Es wird erwartet, dass das Taxi rund um die Uhr verfügbar ist und das, so wie es im Gesetzt steht, zu kundenfreundlichen Preisen. Wenn das auch zukünftig flächendeckend gewünscht ist, muss sich der Gesetzgeber darüber Gedanken machen, ob Taxifahren nicht, wie der ÖPNV auch, subventioniert und mit Steuerentlastungen bedacht wird.“ Solange die Tariferhöhung aber noch auf der Agenda steht, sucht Taxi Ottenberg sogar Fahrer. Denn um auf ihre 450 Euro zu kommen, müssen Minijobber jetzt weniger arbeiten, so dass eine Lücke entsteht. „Wir stellen also Leute ein“, so Michaela Kursch. Allerdings zunächst auf Vorbehalt.

Auch auf andere Gewerbe hat der Mindestlohn Auswirkungen. Laut DGB-Berechnungen haben bislang im Kreis Rendsburg-Eckernförde mehr als 4000 Vollzeitbeschäftigte weniger als 8,50 Euro Stundenlohn verdient. Das heißt: Über 9 Prozent der insgesamt 44.207 Vollzeitbeschäftigten im Kreis sollen von der Einführung des gesetzlichen Mindestlohns profitieren. Dazu gehören auch die Tankstellenmitarbeiter: „16.000 Euro Mehrkosten pro Jahr habe ich nur durch den Mindestlohn“, sagt Joachim Clausen, der drei Star-Tankstellen in Eckernförde und Hohn betreibt. Sieben Euro haben seine Leute verdient, jetzt sind es 8,50 Euro. Um dem Kostendruck zu begegnen, will er mehr Mitarbeiter fest anstellen. „Für Festangestellte zahle ich 22 Prozent an Personalnebenkosten, für Minijobber 30 Prozent“, sagt Joachim Clausen. Sein Problem: „Viele Leute wollen gar nicht fest arbeiten, sondern einen Nebenjob haben.“

Auch sein Kollege Oliver Bettin, Geschäftsführer der Jet-Tankstelle an der Berliner Straße, setzt auf mehr Festangestellte. Drei geringfügig beschäftigte Mitarbeiter musste er schon entlassen. „Das bedauere ich sehr“, sagt er. „Der Mindestlohn bringt für mich nur Nachteile.“ Schließlich fehlt durch die verringerte Stundenzahl der Minijobber auch hier Personal. Die Lücke müssen letztlich die Vollzeitkräfte mit Überstunden kompensieren. Langfristig wird sich das auch beim Endverbraucher niederschlagen, indem Warenpreise angehoben werden müssen – da sind sich die Tankstellenbetreiber einig.

Und auch die Gastronomie stöhnt unter dem Mindestlohn. „Wir müssen die Preise anheben und können mit dem Lieferservice nicht mehr für zwei Pizzen nach Waabs fahren“, erklärt Utgard-Wirt Matthias „Hubi“ Huber. Doch die Preise müssten auch angenommen werden. „Es kommt noch so weit, dass sich derjenige, der den Mindestlohn bekommt, ein Bier in der Kneipe gar nicht mehr leisten kann.“ Auch er möchte gern mehr Mitarbeiter fest anstellen, doch hat das Gastronomiegewerbe schon lange Probleme, Personal zu finden. Die Alternative: an manchen Tagen früher schließen und mit Überbrückungsmodellen arbeiten. Ein großes Problem sei, dass viele Leute keinen festen Job suchen. „Viele haben schon eine feste Arbeit“, erklärt Huber. „Wenn sie noch einen zweiten Job auf Lohnsteuerkarte annehmen, rutschen sie in Lohnsteuerklasse 6 und haben nur noch 4 Euro von den 8,50 Euro raus.“ Der von ihm gezahlte 6,50 Euro Stundenlohn sei durch Trinkgelder aufgestockt worden. Huber: „Das war nicht ungerecht, die Lohnsteuerklasse 6 ist ungerecht.“

zur Startseite
Karte

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen