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Eckernförder Zeitung

20. August 2017 | 17:42 Uhr

Milch : Milchpreisverfall: Aufruf zum Handeln

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Gerd Feige führt die Milcherzeugergemeinschaft Rieseby weiter / Aufruf an Politik und Verbände, die Milchproduktion zu senken

Holzdorf | Der Preis für die Milch ist im Keller. Zuletzt hatte dies der Bauernverband bei seiner Winterversammlung in Gammelby berichtet. Und auch die 69 Mitgliedsbetriebe der Milcherzeugergemeinschaften Rieseby (52) und Südtondern (17) haben dies bei den monatlichen Abrechnungen für ihre Milch gespürt. Und so war es auch nicht verwunderlich, dass Jens Ramsl, Geschäftsführer der Cremilk GmbH Kappeln, für die die Erzeugergemeinschaften Milch produzieren, keine Rosinen und gute Nachrichten bei der Jahresversammlung in Holzdorf im Gepäck hatte.

Rückblickend für 2015 zahlte die Cremilk den Milcherzeugern im Schnitt 27,3 Cent je Kilogramm Milch bei vier Prozent Fett, wie Ramsl berichtete. Wo der Preis 2016 liegen wird, vermag der Cremilk-Chef nicht sagen. Aufgrund der schlechten Milchpreisentwicklung und auch dem Wegfall eines Großkunden der Cremilk in 2016, diskutierten die Mitglieder lange unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

In einer gemeinsamen Erklärung von Jens Ramsl und Gerd Feige, Vorsitzender der Milcherzeugergemeinschaft Rieseby, heißt es: „Aus Sicht der Milcherzeugergemeinschaft und der Cremilk reichten die in Deutschland und in der EU an die Landwirte gezahlten Milchpreise nicht aus, um die Produktionskosten zu decken.“ Es seien verschiedene Möglichkeiten durch die Cremilk vorgestellt worden, den Milchpreis für die Lieferanten der Cremilk etwas anzuheben, heißt es weiter. Es wurde jedoch auch festgestellt, dass damit das Überangebot an Milch nicht reduziert werde. „Die Milchliefergemeinschaft Rieseby unterstützt ausdrücklich Maßnahmen, die auf eine Mengenreduzierung ausgerichtet sind, sofern diese auf deutscher oder europäischer Ebene von den verschiedenen Interessenvertretungen beschlossen würden“, lautet es in der Erklärung weiter. Die Freizügigkeit der Warenströme verhindere einzelstaatliche Lösungen, so die Autoren. „Ohne das Eingreifen der Politik und das Mitwirken der großen Molkereien wird es nicht zu einer Stabilisierung des Auszahlungspreises kommen“, sagen Ramsl und Feige. „Mit diesem Signal – mengenregulierende Maßnahmen zu unterstützen – erhoffen sich die Lieferanten, auch von anderen Milcherzeugern ein offenes Bekenntnis zur Mengenreduzierung“. Nur dadurch sei es möglich, die Vertreter der Politik und der Milchbranche an einen Tisch zu bekommen. „Weiter so bedeute, dass viele Milcherzeuger schlichtweg mit der Produktion von guter Milch in Schleswig Holstein aufhören müssen“, stellen Erzeugergemeinschaft und Cremilk gemeinsam fest.

„Es waren konstruktive und vertraute Gespräche“, sagte Ramsl auf Nachfrage der EZ.

So schlecht 2016 angelaufen ist, so erfolgreich war das Jahr 2015 für die Cremilk. In seinem Bericht konnte Ramsl den 44 anwesenden Landwirten im Gasthaus Blumenthal vom besten Jahr der Cremilk berichten. So waren 2015 18  417 Tonnen produziert worden. 2014 waren es noch 16  500 Tonnen gewesen. Die Produktion von Kaffeeprodukten sinkt kontinuierlich, wo hingegen die Babymilchproduktion steigt, erläuterte Ramsl. Sie war von 3500 Tonnen auf 6500 Tonnen in 2015 gestiegen. Sie hätten sogar noch mehr verkaufen können, die Produktionskapazität der Anlagen war jedoch erschöpft. Der Umsatz stieg auf 65 Millionen Euro. Rund sechs Millionen Euro wurden investiert, so in eine Abfüllanlage für Babymilchprodukte, um besser am Markt Produkte zu platzieren. „Unsere Strategie ist aufgegangen“, sagte Ramsl. Insgesamt waren 59 Millionen Kilogramm Milch verarbeitet worden.

In diesem Jahr soll weiter investiert werden. Dabei gehe es um eine Verbesserung der Qualität und Ersatz für alte Anlagen. Nicht nur um neue Kunden zu gewinnen, sondern auch um Kunden zu halten, betonte Ramsl. Potenzial sieht er bei Gesundheitsprodukten, „die Kunden verlangen das“.

Die Milcherzeugergemeinschaft Rieseby wird nach der Vorstandswahl weiterhin von Gerd Feige aus Loose geführt. In geheimer und schriftlicher Abstimmung erhielt er 29 Stimmen, Alexander Schmidt aus Brodersby/Schlei, der aus der Versammlung vorgeschlagen wurde, erhielt 12 Stimmen. Feige kündigte an, das Amt nur zwei Jahre ausüben zu wollen. Er war auf Drängen des siebenköpfigen Vorstands zu einer erneuten Kandidatur bereit. Anfang März hat er das Amt seit 25 Jahren inne.

Wie es bei den Versammlungen üblich ist, zeichnete die Cremilk wieder die Betriebe aus, deren Milch die geringsten Keimbelastungen aufwiesen. Insgesamt wurden 15 Betriebe mit Bronze, sieben Betriebe mit Silber und fünf Betriebe mit Gold ausgezeichnet. Sie erhalten jeweils einen geringen Aufschlag auf ihren Milchpreis. Die Milch mit der höchsten Qualität wurde von den Betrieben Jürgen Georg Marxen (Taarstedt), Jens Erichsen (Dannewerk), Olaf Lindemann (Dannewerk), Jürgen Toedt (Brekendorf) und Alexander Schmidt (Brodersby/Schlei) geliefert.

In einem Vortrag stellten Mario Döbeler und Markus Klein die Angebote der Münchner und Magdeburger Agrarversicherung AG für Tiere und Pflanzen vor.

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erstellt am 27.Feb.2016 | 06:40 Uhr

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